Hainaer Ausschuss gegen die Aufnahme von drei Dörfern in den Wasserleitungszweckverband

Gleicher Preis für alle

Haina/Gemünden - Es kommt selten vor, dass der Hainaer Haupt- und Finanzausschuss Zuschauer hat; am Montag waren es gleich acht. Noch seltener ist es, dass ein Bürgermeister unter den Gästen ist und dieser sogar Rederecht bekommt. Frank Gleim versuchte zu verhindern, dass die Hainaer Kommunalpolitiker einen Vertrag kippen.

Haina (Kloster). Sowohl in Gemünden als auch in Haina gelten derzeit je nach Orts- oder Stadtteil unterschiedliche Wasserpreise. Das ist zwar nicht neu, aber auch nicht weiterhin gewollt.

In den vergangenen Monaten hat sich die Stadt Gemünden ausführlich damit befasst, die Stadtteile Schiffelbach, Herbelhausen und Lehnhausen in den bestehenden Wasserleitungszweckverband Gemünden-Bunstruth (WLZV) aufzunehmen, damit die Bürger dieser Dörfer den gleichen Wasserpreis zahlen wie die in anderen Stadtteile. Nach langen, hitzigen und teils emotionalen Debatten hat der WLZV nun einen Vertragsentwurf vorgelegt (wir berichteten ausführlich).

Doch weil auch die Gemeinde Haina mit den Ortsteilen Haina und Halgehausen im WLZV vertreten ist, muss die dortige Gemeindevertretung der Aufnahme der drei Gemündener Stadtteile zustimmen.

Für Gemündens Bürgermeister Frank Gleim war die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses der Nachbargemeinde ein Signal für das, was am Donnerstagabend folgen könnte: Die Kommunalpolitiker aus Haina könnten den erweiterten Vertrag des Wasserleitungszweckverbandes kippen, zumindest aber verzögern. Denn sowohl der Gemeindevorstand als auch der Haupt- und Finanzausschuss empfehlen, den Vertrag nicht zu unterzeichnen und stattdessen Gespräche mit dem Verband zu führen, um zu prüfen, ob auch eine Aufnahme der anderen Hainaer Ortsteile in den Wasserleitungszweckverband möglich ist.

So wollen die Ausschussmitglieder und der Gemeindevorstand erreichen, was auch die Gemündener mit der Erweiterung bezwecken: Der Wasserpreis soll in allen Ortsteilen gleich sein.

Die einstimmige Entscheidung fiel nach kurzer Diskussion, an der sich auch der Gemündener Bürgermeister beteiligen durfte.

„Die Gemeinde ist bestrebt, ergebnisoffene Gespräche zu führen“, sagte sein Hainaer Kollege Rudolf Backhaus, „aber mit dem dem Ansatz, ein großes Gebilde zu bekommen.“ Es gehe derzeit noch nicht um konkrete Details - etwa den genauen Wasserpreis pro Kubikmeter - sondern um „das Obendrüber“.

Wilhelm Schäfer (SPD) betonte während der Sitzung des Ausschusses, er sehe in der Entscheidung für den vorgelegten Entwurf keinen Vorteil für die Hainaer Bürger. Darauf ging Frank Gleim ein und betonte, mit dem Beschluss hätte aber auch kein Bürger und kein Ortsteil von Haina einen Nachteil.

Dem widersprach Schäfer ungewohnt lautstark: Natürlich gebe es einen Nachteil, nämlich eine Ungleichbehandlung beim Wasserpreis. Nach aktuellem Planungsstand würden die Bürger aus Halgehausen und Bockendorf (und alle Gemündener Stadtteile im WLZV) 2,12 Euro pro Kubikmeter Wasser zahlen. In den anderen Hainaer Dörfern jedoch würden 3,05Euro für die gleiche Menge berechnet. „Das ist politisch nicht umzusetzen“, sagte Schäfer.

Mehr lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der Frankenberger Zeitung am Mittwoch. Die Entscheidung über die Aufnahme der drei Gemündener Stadtteile in den WLZV steht auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung der Hainaer Gemeindevertretung, die am Donnerstag, 16. April, ab 20 Uhr in der Alten Schule in Battenhausen stattfindet.

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