Bottendorfer Kirche

Glocken erklingen seit 60 Jahren

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Das kleine Betglöckchen ziert die Aufschrift „Bete und Arbeite“. Links darunter hängt die „Gloriosa“ – auf der großen Glocke steht „Ehre sei Gott in der Höhe“. Diese Glocken kauften die Bottendorfer 1953. Die mittlere Glocke hängt links unterhalb der „Gloriosa“, sie stammt noch aus dem 18. Jahrhundert und überstand den Zweiten Weltkrieg.Foto: Patricia Kutsch

Burgwald-Bottendorf - An Weihnachten erklingt das volle Geläut mit allen drei Kirchenglocken über Bottendorf - doch darauf mussten die Bewohner im und nach dem Krieg lange Zeit verzichten. Am 20. Dezember vor 60 Jahren weihten sie zwei neue Glocken und ersetzten damit die im Krieg eingeschmolzenen.

Drei Glocken erklingen an Sonntagen und Feiertagen über Bottendorf, um den Gottesdienst einzuläuten. Während des Zweiten Weltkrieges und in den Jahren danach war es allerdings nur ein Glöcklein, das erschallte: Nur die „Alltagsglocke“ aus dem 18. Jahrhundert ist der Kirchengemeinde damals geblieben. Das kleine Betglöcklein und die große „Gloriosa“ hingegen wurden vermutlich eingeschmolzen.

Viele Jahre blieben die beiden Plätze, an denen die Glocken im Kirchturm hingen, verwaist. Erst acht Jahre nach dem Krieg nahmen zwei neue Glocken die Plätze ein. Am 4. Advent 1953 - es war der 20. Dezember - weihte der Bottendorfer Pfarrer Heidelbach in einem Gottesdienst die beiden neu gekauften Glocken von der Firma Junker in Brilon.

Bei der festlichen Messe gestalteten der Kirchenchor und der Posaunenchor den musikalischen Rahmen und die Gemeinde hörte „erstmalig wieder den Dreiklang ihrer Glocken“, schrieb damals die Frankenberger Zeitung.

Pfarrer Baltz hatte nach dem Krieg angeregt, neue Glocken zu kaufen. Drei Jahre sparte die Kirchengemeinde, sammelte Spenden und bekam schließlich Unterstützung von der politischen Gemeinde. Auf insgesamt 5113 DM und 13 Pfennig belief sich die Rechnung aus Brilon für den Kauf und die Montage schließlich. Das geht laut dem heutigen Pfarrer Konrad Schullerus aus einer alten Kirchenakte hervor. Die „Gloriosa“ trägt die Aufschrift „Gebt unserm Gott die Ehre“ und wiegt 606 Kilogramm. Sie ist nach „g“ gestimmt und kostete 3180 DM, die kleine Glocke trägt die Inschrift „Bete und Arbeite“. Sie läutet in „c“, wiegt 276 Kilogramm und kostete 1480 DM.

Der Monteur verdiente 2,50 DM in der Stunde. „Hätte er die Glocken bezahlen müssen, wäre mehr als sein kompletter Jahresverdienst dabei drauf gegangen“, sagt Schullerus. An die Weihe der beiden neueren Glocken vor 60 Jahren möchte Pfarrer Konrad Schullerus morgen um 11 Uhr mit einem Festgeläut erinnern. Alle drei Glocken sollen dann erschallen - normalerweise tun sie das nur, wenn sie einen Gottesdienst ankündigen. Am Sonntag während der Messe wird der Pfarrer ebenfalls daran erinnern.

„Die Glocken haben für Bottendorf schon eine wichtige Bedeutung“, sagt Schullerus. Zumindest die ältere Glocke aus dem 18. Jahrhundert ist täglich mehrfach zu hören: Um 6.30 Uhr läutet sie den Tag ein, als Schulglocke erklingt sie um 7.45 Uhr, den Mittag kennzeichnet sie um 12 Uhr. In der Winterzeit läutet es um 15 Uhr und von Ostern bis September um 17 Uhr. Abschließend gibt es um 18 Uhr das Abendläuten. „Und jeden Samstag wird um 17 Uhr voll geläutet, um den Sonntag einzuläuten“, erklärt der Pfarrer.

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