Rengershäuser Jägerhof erhält das Prädikant Nutztier-Arche

Glückliche Hühner, meckernde Ziegen

Stefanie und Swen Jäger freuen sich mit Töchterchen Mia über den ersten Nachwuchs bei den Thüringer Wald Ziegen. Im Hintergrund der Rengershäuser Jägerhof. Fotos: Frank Seumer

Frankenberg-Rengershausen - Thüringer Wald Ziegen, Emdener Gänse und Hühner der Rasse Deutsche Sperber beleben den Rengershäuser Jägerhof. Er trägt das Prädikat Nutztier-Arche.

Mit der Landwirtschaft sind Swen und Stefanie Jäger seit Jahren eng verbunden. Neben dem Ackerbau gehört die Beschäftigung mit Tieren zu ihrer großen Leidenschaft. Der idyllische Hof auf einem Hügel am Ortsrand von Rengershausen bietet seltenen Haustierrassen einen großen Lebensraum. Auf den Wiesen am Diestelbach fühlen sich rund 40 weiße Gänse wohl. Sie schwimmen auf einem Teich und fressen auf drei Wiesen-Teilstücken immer frisches Gras. 2011 hat Swen Jäger vier Zuchttiere der bedrohten Rasse Emdener Gans erworben. Sie sollen für Nachwuchs sorgen, damit künftig der Weihnachtsbraten komplett aus eigener Erzeugung stammt. Derzeit kauft der Hobby-Landwirt im Frühjahr Gänseküken zu.

Milch zu Käse verarbeitet

Vor wenigen Tagen erblickte das Ziegenlämmchen Anna das Licht der Welt. Mit Mutter Alla und den anderen Thüringer Wald Ziegen Stella, Thüri, Waldi und Zypriano weidet es auf den Wiesen „Am Stietz“. „Sie knabbern gern an Hecken“, erzählt Jäger und hebt ihre Bedeutung für die Landschaftspflege hervor. Um die Ziegen kümmert sich Ehefrau Stefanie - einzige Ziegenzüchterin in Rengershausen. Täglich bringt sie Wasser und etwas Getreideschrot oder steckt die Zäune um. Im Winter findet die kleine Ziegenherde, die künftig noch wachsen soll, ausreichend Platz im Stall mit Auslauf auf dem Jägerhof. Die Milch wird im eigenen Haushalt verwertet und teilweise zu Käse weiter verarbeitet.

Eier aus Freilandhaltung

Ganz neu auf dem Jägerhof sind Hühner der Rasse Deutsche Sperber. Sie waren 2012 die bedrohte Rasse des Jahres. Mit der Brutmaschine brütete Jäger Ende Mai aus 30 Eiern 24 Küken aus. Im Frankenberger Land hat die Rasse inzwischen viele Liebhaber gewonnen und liefert regional erzeugte Frühstückseier aus Freilandhaltung. Alle Tiere werden nur mit selbst erzeugtem Getreide gefüttert. Jäger bewirtschaftet rund zehn Hektar Ackerflächen und baut dort Hafer, Roggen und Sommergerste an. Erstmals testete er in diesem Jahr eine Mischung aus Roggen und Wicken als Alternative zu Mais für Biogasanlagen.

Ferner betreut Jäger als zweiter Vorsitzender des Vereins „Freunde des Goldbachtales“ gemeinsam mit Alfred Hensel im Stietzgrund auch eine Gruppe Jungrinder der Weidegemeinschaft Goldbachtal. Sie gehören ebenfalls zu den bedrohten Haustierrassen.

Artgerechte Tierhaltung

Das Prädikat Nutztier-Arche wird von der „Vielfältigen Initiative zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen (VIEH) verliehen. Ziel ist der Erhalt robuster, langlebiger, genügsamer und widerstandsfähiger Rassen anstelle von Hybriden und Hochleistungsrassen. Voraussetzung sind eine artgerechte Haltung und die Werbung bei der Vermarktung der Produkte. „Mit Genuss erhalten“ heißt der Slogan der Organisation. In Deutschland wurden bisher 231 Nutztier-Archen ausgewiesen. Sie werden jährlich nach einer Vor-Ort-Kontrolle zertifiziert. Dabei stehen nicht nur Gaumenfreuden im Vordergrund, sondern auch der Genuss des Züchtens und der Genuss des Anblicks solcher alten Rassen.

Stefanie und Swen Jäger freuen sich über das Prädikat „Nutztier-Arche“. Sie wollen damit Verbraucher auf regionale und gesunde Produkte aufmerksam machen.

Die Nutztierrassen

Die Thüringer Wald Ziege ist mittelgroß und kräftig gebaut. Das kurze Haarkleid liegt eng an. Die Tiere sind schokoladenbraun und setzen sich durch den fehlenden Aalstrich und die typische weiße Gesichtsmaske deutlich von den anderen rehbraunen Ziegenschlägen ab. Ohren und Maul sind weiß gesäumt und Unterbeine und der Spiegel unterhalb des Schwanzes erscheinen ebenfalls weiß. Die breite und tiefe Brust weist eine gute Rippenwölbung auf. Thüringer Wald Ziegen eignen sich hervorragend zur milchbetonten Doppelnutzung Milch und Fleisch. Angepasst an das raue Klima des Thüringer Waldes zeigt die einzige eigenständig gezüchtete Ziegenrasse Deutschlands eine hohe Widerstandsfähigkeit und ist sehr gut zur Landschaftspflege.

Die Emdener Gans ist reinweiß. Sie besitzt ein volles und breit ausgebildetes Hinterteil mit doppelt herunterhängender Bauchwamme. Der Kopf ist schlank mit einer etwas abgeflachten Stirn und breiten, nicht zu vollen Backen. Es handelt sich um die schwerste deutsche Gans. Der Ganter erreicht mit seinem langen Hals eine Höhe von einem Meter. Das Gewicht der Ganter beträgt bis zu zwölf Kilogramm, der Gänse bis zu elf Kilogramm. Die Emdener Gans stammt von der Graugans ab und ist die älteste und bekannteste unserer Gänserassen. Die Zucht geht nachweisbar bis ins 13. Jahrhundert zurück. Hervorgegangen ist die Rasse aus einer in der Gegend von Emden und Bremen gehaltenen großen Landgans, die wegen ihres langen, gebogenen Halses auch als Schwanengans bezeichnet wurde. Sie ist in vielen Hybridherkünften, die heute verwendet werden, genetisch verankert.

Die Deutschen Sperber sind ein Wirtschaftshuhn in Landhuhnform mit gefälliger Form. Die Sperberzeichnung gibt den Tieren ein gutes Aussehen. Deutsche Sperber haben ein lebhaftes Wesen, sind dabei aber sehr zutraulich. Um 1900 wurde vom bekannten Duisburger Züchter Otto Trieloff eine gesperberte, mittelschwere und leistungsstarke Hühnerrasse herausgezüchtet. Deutsche Sperber sind robust, frühreif und frohwüchsig. Die Hennen legen rund 180 weißschalige Eier mit einem Bruteier-Mindestgewicht von 60 Gramm im ersten Jahr, wobei der Bruttrieb sehr gering ist. Deutsche Sperber sind gute Futtersucher, wenn man ihnen genug Freilauf gibt.

Von Frank Seumer

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