Verlängerung sorgt für Diskussionen – BUND: "So darf es nicht gehen“

Glyphosat-Zulassung ist in Waldeck-Frankenberg umstritten

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Umstritten: Der Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft. 

Glyphosat darf weitere fünf Jahre eingesetzt werden. Dafür haben sich die EU-Länder – darunter auch Deutschland nach dem Alleingang von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) – ausgesprochen.

In Waldeck-Frankenberg wird die Verlängerung der Zulassung unterschiedlich beurteilt.

Kreislandwirt Fritz Schäfer befürwortet die Entscheidung. Er schätzt, dass die Hälfte aller Ackerbaubetriebe in Waldeck-Frankenberg bei Bedarf Glyphosat einsetzen. Er selbst habe das in der Vergangenheit auch getan. „Aber nur, wenn es sein musste und in vorgeschriebener Menge“, betont er. Wenn er Ackersenf oder Phacelia als Humusbringer säe, um den Boden fruchtbar zu halten, damit im darauffolgenden Frühjahr Mais, Hafer oder Gerste wachsen können, setze er mitunter auf Glyphosat. 

„Es gibt keine Alternative. Normalerweise sorgt Frost dafür, dass die Humusbringer absterben. Da wir aber zuletzt wenig Frost hatten, brauchen wir Glyphosat als Unkrautvernichter“, so Schäfer. Ansonsten müssten konventionell arbeitende Landwirte die dreifache Arbeit bei der Bodenbearbeitung aufwenden. „Das kostet Zeit, Geld und Diesel. Dadurch würden Produkte teurer und die Landwirte wirtschaftlich geschwächt.

Karin Artzt-Steinbrink, Geschäftsführerin der Upländer Bauernmolkerei, sagt dagegen: „Der dramatische Rückgang der Artenvielfalt bei Ackerwildkräutern, Insekten und Vögeln hängt nach Meinung vieler Experten auch mit dem großflächigen Einsatz von Glyphosat zusammen.“ Bio-Betriebe, die ihre Milch zur Upländer Bauernmolkerei nach Usseln liefern, wirtschafteten nach biologischen Richtlinien und verwenden kein Glyphosat. „Sie setzen mechanische Methoden zur Wildkrautbekämpfung ein. 350 000 Bio-Bauern in Europa belegen seit Jahrzehnten, dass es auch ohne Mittel wie Glyphosat geht“, sagt sie.

BUND kritisiert Verlängerung der Zulassung von Glyphosat

"Diese Entscheidung hat wohl viele überrascht. So darf es nicht gehen“, sagt zudem Ingrid Rochlitz vom BUND-Kreisverband Waldeck-Frankenberg zur weiteren Zulassung von Glyphosat. „Es gibt Studien, die das Krebsrisiko nachweisen. Grundsätzlich muss immer das Vorsorgeprinzip gelten. Erst wenn die Gefährlichkeit eindeutig ausgeschlossen wurde, ist der Stoff aus dieser Perspektive okay.“ 

Glyphosat sei ein Totalherbizid, das auf rund 40 Prozent der deutschen landwirtschaftlichen Fläche eingesetzt werde. „Es vernichtet alle Pflanzen auf den behandelten Ackerflächen, oft auch auf den Randstreifen“, so Rochlitz. „In der Folge findet dort kein Insekt wie früher seine Nahrung und verhungert. Unsere Singvögel haben im Frühjahr dann nicht genug Nahrung, um ihre Jungen aufzuziehen und im Winter finden sie keine Samen auf den abgeernteten Feldern.“

Kreisbauernverbände halten Entscheidung für richtig

Die Entscheidung zur Verlängerung des Glyphosat-Einsatzes halten die beiden Kreisbauernverbände dagegen für richtig. "Wir setzen Glyphosat jedoch nicht zur Ernteerleichterung ein, es gehört nicht auf Feldränder und nicht auf befestigte Flächen“, sagen Stephanie Wetekam und Matthias Eckel von den beiden Kreisbauernverbänden Waldeck und Frankenberg. Glyphosat habe eine Berechtigung im Bereich der reduzierten Bodenbearbeitung. Ein Glyphosateinsatz könne eine wendende Bodenbearbeitung (Pflügen) ersetzen, dies diene wiederum dem Wasserschutz, weil weniger Nitrat freigesetzt werde und in tieferliegende Bodenschichten gelange.

Ein Glyphosateinsatz wirkt laut Wetekam und Eckel an jeder grünen Pflanze, ebenso wie das Pflügen. „Wenn wir auf dem Acker Nutzpflanzen, beispielsweise Weizen, anbauen, wollen wir dort auch Weizen haben, unabhängig von der Wirtschaftsweise.“ Somit habe der Ackerbau insgesamt Auswirkung auf die Artenvielfalt, ebenso wie Besiedelung oder Verkehr. Daher steuere das „Greening“, das jeder Landwirt auf fünf Prozent seiner Fläche verpflichtend umsetzen müsse, gegen. Weiterhin legten immer mehr Landwirte freiwillig Blühstreifen an oder nutzten Extensivierungen, um der Artenvielfalt Raum zu geben und Insekten zu fördern.

Quelle: HNA

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