Inhaberin der Frankenberger Traditionsgaststätte hat Insolvenzantrag gestellt

"Goldener Engel" in finanzieller Schieflage

Frankenberg - Die Zukunft der Traditionsgaststätte Goldener Engel auf dem Obermarkt ist ungewiss: Inhaberin Petra Messner hat Anfang November ein Insolvenzverfahren beantragt.

Insolvenzverwalter ist Dr. Andreas Kögel aus Wetter. Er ist derzeit in Verhandlungen mit einem potentiellen Käufer für das Fachwerkgebäude. „Ich bin optimistisch, dass der Betrieb fortbesteht - in welcher Konstellation auch immer“, erklärte der Rechtsanwalt. Ziel sei es, den Geschäftsbetrieb ab Januar auf den dann neuen Inhaber zu übertragen.

Konkret heißt das: Das bisherige Team soll nach Möglichkeit auch künftig im Goldenen Engel arbeiten - also auch Petra Messner und ihre Töchter Jacqueline und Kim. Der mögliche Käufer habe angedeutet, die bisherige Inhaberin auch weiter beschäftigen zu wollen, sagte Kögel.

Drei Kündigungen hat es allerdings bereits gegeben, ein Mitarbeiter kündigte selbst. Aktuell arbeiten noch sieben statt zuvor elf Personen in Voll- und Teilzeit in dem Gasthaus mit fünf Gästezimmern. „Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass die drei Auszubildenden auch übernommen werden“, sagte Andreas Kögel.

Sollte sich der Interessent für den Kauf der Kneipe entscheiden, dann will Petra Messner auch weiterhin dort arbeiten. „Der Goldene Engel ist wie ein zweites Zuhause für mich.“ Daher sehe sie das Insolvenzverfahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich habe keinen anderen Ausweg gesehen. Wenn es klappt, ist das eine Erleichterung für mich“, beschreibt sie. Unter der Situation würde die ganze Familie leiden.

Die Gründe für die finanziellen Probleme seien vielfältig, „aber es liegt nicht daran, dass der Engel nicht läuft“, betont Messner. Zum einen seien die Personalkosten hoch gewesen. Die Trennung von ihrem Mann, der früher die Gaststätte führte, habe diese Situation eher verschlechtert, da nicht mehr für die gemeinsame Familienkasse gearbeitet wurde. Auch die langen Öffnungszeiten hätten eine Rolle gespielt - diese wollte Petra Messner eigentlich ändern. Umstrukturierungen waren geplant, doch letztendlich sei es für diese Schritte zu spät gewesen. Außerdem habe sie einen sechsstelligen Betrag in die Sanierung des Gebäudes investiert, das sie 2007 gekauft hat. Zuletzt stand der Umbau einer Wohnung zu drei weiteren Gästezimmern an, dort herrscht im Moment Baustopp.

Petra Messners Hoffnungen ruhen nun auf dem Interessenten. Sie wünscht sich, dass die Gaststätte ohne größere Pause geöffnet bleibt. Sollte es zum Verkauf kommen, würde der neue Inhaber wohl einige Umbauarbeiten erledigen lassen. „Wenn er nicht gekauft wird, dann ist der Goldene Engel irgendwann zu. Das wäre eine Schande“, sagt Petra Messner.

Seit geraumer Zeit gelten im Goldenen Engel geänderte Öffnungszeiten. Montags bis samstags öffnet die Gaststätte ab 17 Uhr, sonntags sind Gäste ab 11 Uhr willkommen. Tagesgerichte werden momentan nicht angeboten.

Die Gaststätte auf dem Obermarkt eröffnete bereits im Jahr 1832 unter dem Namen „Zum Engel“. Mehr als 100 Jahre lang führte Familie Vöhl das Gasthaus - ab 1886 Karl Vöhl, später dann sein Sohn Willi und bis 1991 dessen Frau Gisela. Im Juni 1999 übernahm Aldo Messner das Lokal. (tt)

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