Peter Kittel aus Dodenhausen ist neuer Pfarrer in der Justizvollzugsanstalt

Mit Gott im Gefängnis

Der Neue hinter Gittern: Der Dodenhäuser Peter Kittel ist der neue Pfarrer im Ziegenhainer Gefängnis. Foto: Grede

Ziegenhain/Dodenhausen. Es war ein Umzug vom Kloster ins Schloss: Peter Kittel ist der neue evangelische Pfarrer im Ziegenhainer Gefängnis. Bis dahin war der 51-Jährige Seelsorger in der forensischen Abteilung des psychiatrischen Krankenhauses in Haina-Kloster und Pfarrer in Dodenhausen.

Seine ehemalige Kirchengemeinde wird Kittel künftig aus einer anderen Perspektive betrachten, nämlich als Berufspendler. Täglich um 17 Uhr verlässt er das Gefängnis, die Gefangenen bleiben da, in ihren Zellen – er muss raus aus seinem Büro, nach Hause bis zum nächsten Tag. „Ich habe erstmals in meinem Berufsleben so etwas wie einen Feierabend“, sagt er. Kittel bleibt mit seiner Familie im Pfarrhaus in Dodenhausen wohnen. „Den Kirchenschlüssel habe ich noch zu Hause, werde ihn aber bald abgeben“, versichert er.

Aus der Forensik bringt Kittel die Erfahrungen vom Arbeiten in einer geschlossenen Institution mit. Seine Schäfchen im Gefängnis sind allerdings keine Patienten wie in der Klinik für forensische Psychiatrie. Zwar soll die Außenwelt im Straf- wie auch im Maßregelvollzug vor den Rechtsbrechern geschützt werden, aber „im Maßregelvollzug konnte man noch sagen, es ist ihnen passiert. Das geht hier im Gefängnis nicht.“ Begriffe wie Schuld und Sühne, Vergebung und Freiheit? Kittel will sich nicht festlegen. „Mit der Abendmahlsfeier im Gefängnis wäre ich vorsichtig“, sagt er allerdings. Das könne problematisch werden – wegen des teilweise unterschiedlichen Verständnisses der Begriffe Schuld, Sünde in der Justiz und der Theologie.

„Ich bin hier für alle da“

Die Konfession spielt bei Kittels Arbeit im Gefängnis keine Rolle. „Ich bin hier für alle da“, sagt er. Die Gottesdienste für Gefangene und Mitarbeiter wird Kittel im Wechsel mit seinem katholischen Kollegen im ehemaligen Rittersaal des Landgrafenschlosses zelebrieren.

Einen konkreten Plan für sein zukünftiges Arbeiten hat er noch nicht. Erst mal muss er ankommen im Gefängnis – die Menschen kennenlernen.

Angebote wie Gesprächsgruppen und Andachten sind natürlich selbstverständlich. Auch kann der erfahrene Blechbläser sich vorstellen, musikalisch etwas zum Leben im Gefängnis beizusteuern.

Für die Arbeit im Ziegenhainer Gefängnis bereitete er sich in der Justizvollzugsanstalt in Butzbach vor. Die Nähe Gefängnis und Kirche ist uralt, erklärt der Pfarrer und nennt als Stichwort Johann Hinrich Wichert – der Theologe engagierte sich im 19. Jahrhundert für die Reform des preußischen Gefängniswesens.

Dass ein Zeichen der Christenheit auch Gitter verbindet, offenbart sich auf der Anstecknadel an Kittels Jackenrevers: ein Kreuz inmitten von Gitterstäben. Das Symbol der Gefangenenseelsorge.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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