Aufkleber weisen auf Gefahr hin

Grabsteine auf Friedhöfen können zur Unfallgefahr werden

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Prüft ein Mal im Jahr die Standfestigkeit von Grabsteinen: Dirk Böhle vom Betriebshof in Frankenberg. Normalerweise findet die Prüfung im Frühling statt. Für unser Foto hat der 41-Jährige extra den Kipp-Tester-Plus, der den Druck misst, mitgebracht.

Frankenberg. Damit auch am Totensonntag keine Unfälle durch kippende Grabsteine auf Friedhöfen passieren, werden sie regelmäßig kontrolliert. Angehörige haften für Schäden.

„Vorsicht, Unfallgefahr!“ warnt ein orangefarbiger Aufkleber, der auf einem Grabstein auf dem Friedhof in Frankenberg klebt. Er fordert Angehörige auf, sich um die fachgerechte Befestigung des Steines zu kümmern. Denn das Grabmal ist nicht mehr standfest.

„Wenn das Grabmal nicht sicher ist, kann es zu Unfällen kommen. Zum Beispiel, wenn jemand stolpert, sich dann mit dem ganzen Gewicht am Stein festhält und der dann umkippt. Das ist gefährlich“, sagt Jochen Seelinger von der Friedhofsverwaltung der Stadt Frankenberg.

Einmal im Jahr wird überprüft

Zuständig für die Überprüfung der Gräber ist der Betriebshof. Ein Mal im Jahr ist Dirk Böhle daher auf den insgesamt 16 Friedhöfen, die zur Stadt Frankenberg gehören, unterwegs. Immer dabei: der Kipp-Tester-Plus. Mit diesem Gerät misst der 41-Jährige im Frühjahr den Druck jedes Grabsteines. Liegt dieser Wert unter 500 Newton ist das Grabmal nicht standfest. Dann kommen auch die roten Aufkleber zum Einsatz. Ab diesem Zeitpunkt sind die Angehörigen gefragt. Sie müssen einen Steinmetz aufsuchen, der den Stein wieder fachgerecht instandgesetzt. Passiert das nicht, haftet der Angehörige für daraus entstehende Schäden.

Angehörige reißen Aufkleber ab

Wird auf Grabsteinen angebracht: ein solcher Aufkleber, der auf die Gefahr hinweist.

Doch nicht jeder Nutzungsberechtigte, wie ihn die beiden Männer von der Stadt Frankenberg nennen, kommt der Aufforderung nach. „Manche reißen den Aufkleber einfach ab und kleben ihn an einen anderen Grabstein. Das ist natürlich verboten“, sagt Böhle. 

Doch so leicht kommen die Angehörigen nicht davon: Die Mitarbeiter des Betriebshofes dokumentieren ihre Prüfungen und machen auch Bilder von den Grabsteinen. Außerdem gibt es Nachprüfungen. Wer dann erneut einen Aufkleber erhält und wieder nicht reagiert, muss damit rechnen, dass die Friedhofsverwaltung das Grabmal umlegt oder sogar entfernt.

Doch warum kann ein Grabstein überhaupt locker werden? „Das hat mit der Witterung zu tun. Wenn Feuchtigkeit in die Spalten zieht und es friert, kann der Stein ein Stück angehoben werden“, sagt Böhle. „In der Erde ist außerdem Bewegung. Die Oberfläche kann sich so verändern“, fügt Seelinger hinzu. Grundsätzlich seien die Steine gut befestigt.

Unfälle sind den Experten nicht bekannt

Drei Dübel verbinden den Stein mit dem Betonsockel. „Ein Grab kann 60 Jahre bestehen, ohne, dass sich was lockert. Aber es kann auch schon nach zehn Jahren etwas passieren“, berichten die beiden Experten.

Unfälle auf Frankenberger Friedhöfen sind Jochen Seelinger und Dirk Böhle jedoch nicht bekannt. Es komme nur selten vor, dass ein Grabstein nicht mehr standfest sei. Von mehreren 1000 Grabsteinen auf allen 16 Friedhöfen seien zuletzt nur etwa zehn tatsächlich locker gewesen.

Laut Friedhofsordnung sind die Angehörigen verpflichtet, das Grabmal mindestens ein Mal im Jahr nach dem Winter fachmännisch überprüfen zu lassen. „Es ist schwierig, die Standfestigkeit selbst zu überprüfen, weil Mängel nicht offensichtlich sind“, sagt Böhle.

Quelle: HNA

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