Ernsthausen

Graues „Ufo“ im gelben Rapsfeld

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- Burgwald-Ernsthausen (rou). Aus Ernsthausen gesehen haben sie nur die Größe von Spielzeugbaggern. Doch wer sich dieser Tage den vier Großbaustellen nähert, dem wird beim Anblick von Maschinen, Hunderten von Metern Stahl und enormen Erdmassen schnell klar, dass der Bau der neuen Windkraftanlagen für hiesige Verhältnisse alle Größenordnungen sprengt.

In mäßiger Geschwindigkeit drehen sich die Rotorblätter der vier jeweils 83 Meter hohen Windkraftanlagen auf dem Bergrücken zwischen Ernsthausen und Münchhausen. Es ist zugig, die Wolken verdecken die Sonne, nur der gelb blühende Raps sorgt für Farbtupfer im tristen Grau des Donnerstags.

Um die Natur und die Idylle zu genießen, hat aber ohnehin niemand den richtigen Weg über die wie ein Labyrinth verlaufenden Feldwege hinauf an den Waldrand in Richtung Berghofen gesucht. Die Männer eines Bauunternehmens aus Münchhausen, die dort oben in dem als Windvorranggebiet im Regionalplan ausgewiesenen Areal ihre Tage verbringen, arbeiten unter Zeitdruck an etwas Großem: nämlich an den vier Windkraftanlagen der Wotan-Gruppe, von denen die erste, wenn alles nach Plan läuft, bereits Ende Mai Strom in das Netz des Energieversorgers Eon Mitte einspeisen wird.

Die Dimension der Anlagen ist bislang nur beim Blick auf die Fundamente und vor allem die riesigen Erdberge zu erahnen, die sich auf den vier Baustellen auftürmen. Zwei der vier Fundamente sind inzwischen so weit vorbereitet, dass in den nächsten Tagen Beton eingefüllt werden kann: 500 Kubikmeter pro Fundament und Windkraftanlage. Zur Stabilität soll ein Verbundsystem aus Eisen-
stäben beitragen. Es ähnelt einem Vogelnest.

Zusammen mit dem ersten Bauteil der eigentlichen Windkraftanlage mutet das Stahlbetonfundament wie ein riesiger Topfdeckel oder ein UFO an. Je nach Wetter und Temperatur muss der Beton 15 bis 16 Tage aushärten, danach wird von dem 2,50 Meter tief sitzenden Fundament nach Auskunft von Bauleiter Rosendahl nichts mehr zu sehen sein. Der Grund: Die erste „Etage“ des Fundaments wird mit Erde „eingepackt“, sodass der Sockel des Fundaments am Ende in rund sieben Meter Tiefe sitzen wird. Das Geländeprofil wird später angeglichen.

Insgesamt 78 Hektar groß ist das Areal bei Ernsthausen, das im Regionalplan Nordhessen als Windvorranggebiet ausgewiesen ist. Nach einem Gerichtsurteil ist dieser Plan aktuell zwar nicht rechtskräftig, auch andere Firmen könnten somit beim Regierungspräsidium den Antrag auf Errichtung von Windkraftanlagen hoch oben über Ernsthausen stellen. Doch vor Ort wird auch dem Laien deutlich, dass sich Wotan die „Sahnestückchen“ als Standorte für die Anlagen herausgesucht hat. Es sind die höchsten Punkte in diesem Gebiet.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 30 April.

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