Stadt und Ministerium ringen um das richtige Pflaster

Grauwacke in der Fußgängerzone?

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Welches Pflaster soll künftig die Frankenberger Fußgängerzone schmücken? Die Stadt setzt auf ein einheitliches Konzept, ausgehend von Bahnhof und Landratsgarten. Das Umweltministerium wünscht aber Grauwacke. Gespräche sollen die Lösung bringen.

Frankenberg - Grauwacke statt Quarzsandstein in der Flaniermeile: Die Freude über das Förderprogramm "Aktive Kernbereiche" ist getrübt, weil der Förderbescheid das zu legende Pflaster festschreibt.

Ein Förderbescheid ist eine schöne Sache, denn durch so einen Brief muss eine Kommune für die geförderten Projekte weniger Eigenmittel aufbringen. Einen Großteile bezahlen Land oder Bund. Weniger schön ist es jedoch, wenn der Förderbescheid zu tief in die Planungen eines Projektes eingreift. Das tut nach Ansicht der Stadt offenbar der Bescheid zum Programm „Aktive Kernbereiche“. 666000 Euro soll die Stadt Frankenberg daraus für die grundhafte Erneuerung der Fußgängerzone erhalten. Doch die Sache hat einen Haken: Das Geld gibt es nach Informationen der Frankenberger Zeitung nur, wenn als Belag heimische Grauwacke genutzt wird.

Bahnhofsumfeld, Landratsgarten, Wasserpark am Illerplatz und die Fußgängerzone – in einigen Jahren möglicherweise auch Ober- und Untermarkt: Eigentlich sollte das neue Gesicht der Stadt ein einheitliches sein. Das Bauamt setzte dabei bislang stets auf Quarzsandstein aus Indien – in Abstimmung mit der Denkmalpflege, die dieses Material nicht beanstandet. Auch in Marburg wurden ähnliche Gesteinsarten bereits großflächig verbaut. Zudem hat sich die Stadt Frankenberg – durch einen einstimmigen Stadtverordnetenbeschluss während der vergangenen Sitzung im November – einstimmig die Selbstverpflichtung auferlegt, nur Materialien zu nutzen, die nachweislich nicht mit Kinderarbeit hergestellt wurden.

„Es geht dabei allerdings nicht nur um Kinder- oder Sklavenarbeit“, sagt Mischa Brüssel de Laskay über die Einschränkung auf Grauwacke im Förderbescheid. Der Pressesprecher des für „Aktive Kernbereiche“ zuständigen hessischen Umweltministerium verweist auch auf Faktoren der Nachhaltigkeit – und den Vorteil heimischer Produkte.

Gesprächskanäle sind offen

Doch das Ministerium signalisiert Gesprächsbereitschaft: „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“, sagt Brüssel de Laskay. Auf vielen Ebenen werde kommuniziert, auch der Grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Frömmrich sei intensiv involviert. „Alle Möglichkeiten werden geprüft“, versichert der Pressesprecher – und dem Ministerium sei bewusst, das für eine endgültige Entscheidung durchaus stadtbildprägende Aspekte in Betracht gezogen werden müssten. „Hier wird nicht durchregiert und wir wollen auch keine Uniformität in den Innenstädten“, stellt er klar und ergänzt: „Wir sind noch nicht an einem Punkt, wo ein abschließendes Ergebnis steht“.

Darüber zeigt sich das Stadthaus erleichtert: „Ich und viele Frankenberger haben mit Grauwacke ihre Bauchschmerzen“, sagte Bürgermeister Rüdiger Heß gestern Abend während der Sitzungen von Bau- sowie Haupt- und Finanzausschuss. Gemeinsam mit dem Mittelgeber – also dem Umweltministerium – solle die Problematik gelöst werden.

Allerdings ist ein simpler Widerspruch gegen den Bescheid nicht möglich. Zur Fristwahrung, wie Heß erläuterte, sei deshalb eine Klage in Vorbereitung. Er wie das Bauamt hofften, dass es dazu nicht kommen müsse – „und ich bin guter Dinge“, zeigte Heß sich mit Blick auf den offenen Dialog mit dem Ministerium zuversichtlich. Die Zeit allerdings drängt: Stichtag ist schon der 20. Dezember.

Was die Fraktionsvorsitzenden in der Stadtverordnetenversammlung zum Thema sagen, lesen Sie in der Frankenberger Zeitung vom Donnerstag, 18. Dezember.

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