Frankenberg

Dr. Grebe: „Kaffee ist gesund und schützt vor Krankheiten“

- Frankenberg. „Kaffee ist viel besser als sein Ruf“, sagt Dr. Wolfgang Grebe. WLZ-FZ-Redakteur Johannes Fuhr führte dazu ein Interview mit dem Frankenberger Mediziner.

Sie behaupten, Kaffee sei gesund. Dabei heißt es doch schon in Carl Gottlieb Herings altem Kinderlied: „Nicht für Kinder ist der Türkentrank, schwächt die Nerven, macht dich blass und krank.“ Es gibt eine Reihe von großen Untersuchungen, die zeigen: Wenn man Kaffee trinkt, wird man nicht so leicht zuckerkrank. Die größte Studie dazu ist sogar in Deutschland gelaufen, in der Diabetes-Ambulanz in Düsseldorf bei Professor Martin. Der hat die Ergebnisse erst gar nicht glauben können und ist dann der Sache doch noch einmal nachgegangen. Ergebnis: Es hat mit der Dosis zu tun. Wie viel Kaffee ist denn gesund? Was den Schutz vor Zuckerkrankheit angeht wahrscheinlich in etwa sechs bis sieben Tassen pro Tag. Und welcher Kaffee? Filterkaffee, Espresso, Cappuccino – was ist besser? Es ist ganz egal welcher Kaffee. Auch entkoffeinierter Kaffee enthält die wichtigen Stoffe, die vor Zuckerkrankheit schützen. Langzeitstudien haben außerdem ergeben, dass Kaffeetrinker seltener an Depressionen leiden. Auch die Alzheimer-Krankheit und Parkinson treten bei Kaffeetrinkern seltener auf. Diese Schutz-Effekte geben zu denken. Fakt ist, dass Kaffee das in Deutschland am meisten konsumierte Getränk ist – 148 Liter pro Einwohner und Jahr. An zweiter Stelle folgt Bier mit 130 und erst an dritter Stelle Mineralwasser mit 112 Litern. Aber ist denn Kaffee genau wie Bier auch ein Suchtmittel? Und damit Volksdroge Nummer eins? Nach neuen Erkenntnissen nicht mehr. Kaffee hat den Vorteil, Koffein und andere anregende Bestandteile gerade in der Dosis zu bringen, dass es keine Gewöhnung gibt. Das heißt, dass man am nächsten Tag auf die erste Tasse wieder genauso reagiert wie tags zuvor. Der Wachmacher-Effekt ist neben dem Geschmack für viele ein entscheidender Grund, Kaffee zu trinken. Manche Experten sagen allerdings, dass die „Wachheits-Kurve“ durch Kaffee zwar zunächst steigt, dann aber nach einiger Zeit umso mehr abfällt. Das würde sicher bei der 20. Tasse so stimmen. Aber bei den üblichen sechs bis sieben Tassen, die man so am Tag trinkt, gilt das nicht. Die Erfahrung macht ja auch jeder mit sich. Koffein wirkt also individuell? Richtig. Es gibt sogar Menschen, die mir berichten, dass sie abends um kurz vor zwölf eine Tasse starken Kaffee trinken und dann besser schlafen. Dürfen Bluthochdruck-Patienten Kaffee trinken? Es gibt sogar eine Studie, die zeit, dass es durch Kaffee eine Senkung des ersten, also des systolischen Wertes gibt. Der zweite wird aber durch Kaffee nicht gesenkt. Nach wie vor würde ich einem Menschen, der einen sehr hohen Blutdruck von zum Beispiel 180 zu 120 hat, nicht auffordern, Kaffee zu trinken. Aber wenn ich mit Medikamenten erst mal den Blutdruck normal gemacht habe, dann kann ich Kaffee trinken und profitiere dann auch davon: Denn eine der Hauptursachen für den Bluthochdruck ist ja meistens das so genannte metabolische Syndrom – die Kombination aus Übergewicht, Zuckerneigung und Gefäßverengung. Und darauf wirkt Kaffee nachweislich schützend. Entzieht Kaffee dem Körper Flüssigkeit? Auch das habe ich 1968 noch im Studium gelernt. Da stand in den Lehrbüchern, dass Kaffee ein Entwässerungs-Mittel sei. Jeder vernünftige Café-Betreiber gibt einem ja zum Kaffee auch ein Glas Wasser. Das ist aber nur aus geschmacklichen Gründen. Denn: Kaffee entzieht dem Körper keine Flüssigkeit. Die einen sagen, Kaffee reizt den Magen. Die anderen trinken nach dem Essen einen Kaffee, weil sie glauben, er hilft bei der Verdauung. Was ist denn jetzt medizinisch richtig? Beides ist richtig. Wenn ich ein Mensch bin, der eine Neigung zu Magengeschwüren hat, etwa durch Stress mit der Schwiegermutter oder Arbeitsplatzverlust, dann sollte ich mit Kaffee durchaus etwas vorsichtig sein. Das Problem ist dann aber weniger der Kaffee an sich, sondern die Röststoffe. Es gibt auch speziellen Schon-Kaffee, der auch in Kliniken mit Magengeschwürs-Patienten zugelassen ist. Dürfen Schwangere Kaffee trinken? Verboten ist Kaffee nicht. Ich würde allerdings die normale Dosis reduzieren und es bei drei Tassen am Tag belassen. Erhöht Kaffee das Risiko auf einen Herzinfarkt? Die neuesten Studien zeigen sogar, dass das Herzinfarkt-Risiko halbiert wird bei denen, die rauchen. Jetzt muss man das natürlich kritisch hinterfragen. Es gibt zum Beispiel auch die Studie, dass Leute, die Kaffee trinken, zu 88 Prozent weniger Depressionen haben. Da sind tausende Menschen über Jahre untersucht worden. Und wer depressiv wurde, wurde gefragt, ob er Kaffeetrinker ist oder nicht. Daraus kann ich natürlich nicht den Umkehrschluss ziehen und eine Depression mit Kaffee bekämpfen. Es ist allerdings bezeichnend, dass die Menschen, die Kaffee trinken, geselliger sind. Sie haben ein anderes Sozialverhalten. Das sagt man aber genauso den Rauchern nach. Sind Zigaretten jetzt etwa auch gesund? Das sind vielleicht auch unterschwellig Sucht-Persönlichkeiten. Die Menschen, die Kaffee trinken, sind geselliger und anscheinend zufriedener mit ihrem Leben, sie haben mehr Lebensqualität. Damit sind sie eine Art Sub-Spezies, die nicht so leicht Herzinfarkt kriegen. Gehören zu diesen Sub-Spezies dann nicht alle Menschen, die zum Lasterhaften tendieren und den Genuss mögen? Ja, mich hat das auch beruhigt (schmunzelt). Wer von vorneherein auch mal etwas über die Stränge schlägt, wird nicht nur mit Lebensqualität, sondern anscheinend auch mit weniger schlimmen Krankheiten gesegnet. Ich mach es mal am Übergewicht fest, dazu gibt es auch sehr gute Studien: Die Leute mit Idealgewicht haben nicht die höchste Lebensqualität und Lebenserwartung. Es sind die leicht Übergewichtigen. Das heißt, wer eigentlich zu schwer ist, lebt gesünder? Ja. Wenn jetzt zum Beispiel die große Grippe oder sonst etwas kommt, dann hat der leicht Übergewichtige noch ein bisschen zuzusetzen, er geht nicht sofort in seinen Grenzbereich. Und wie gesagt: Ich glaube auch, dass das Sozialverhalten eine Rolle spielt. Ich habe ja als Arzt auch nichts dagegen, wenn sich jemand dreimal am Tag eine Zigarette reinzieht, weil es ihm gut tut und weil er dann etwas besser entspannen kann. Nur wenn er 30 Zigaretten raucht, ist das natürlich etwas anderes. Seit wann trinken Sie Kaffee? Seit ich 15 bin. Ich habe gemerkt, dass man beim Sport die Wachheit steigern kann. Und ich habe auch gemerkt, dass das nicht zu einer Gewöhnung führt. Gewöhnung heißt ja letztlich Wirkungsverlust – du musst immer höhere Dosen nehmen oder hast Entzugserscheinungen. Diese Sucht-Definitionen treffen auf Kaffee nicht zu. Dr. Grebe ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Kaffeegesellschaft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare