Staatssekretär Bußer in Battenberg

Griechenland und Hessens Schulpolitik

Battenberg - Hitler und Griechenland, die Schuldenkrise und die Weltwirtschaftskrise von 1929 - ein weites Themenspektrum, das durchaus miteinander verknüpft ist. Das hat gestern der Besuch von Staatssekretär Michael Bußer an der Gesamtschule bewiesen.

Am Schluss wird Michael Bußer fast ein wenig laut: „Ich widerspreche, dass Griechenland in der gleichen Situation ist, wie Weimar 1929 und ich glaube nicht, dass Hitlers Wirtschaftspolitik ein erfolgreiches Beispiel für irgendetwas ist“, sagt der Staatssekretär. Bußer, Sprecher der hessischen Landesregierung, ist eigentlich zum Zuhören in die Battenberger Gesamtschule gekommen. Von Lehrern will er hören, wo der Schuh drückt, möchte mit Schülern ins Gespräch kommen, die modernen Gebäude begutachten.

Doch zu seinem Besuch gehört auch die Unterrichtsstunde „Weltwirtschaftskrise 1929 und die Frage der Übertragbarkeit auf Griechenland“. Gabriele Naumann betreut als Fach- und Klassenlehrerin die Klasse G10a - und ihre Schützlinge haben dieses wichtige, aber womöglich etwas trockene Thema für Bußer spannend umgesetzt. Ganz im Stile einer modernen Talkshow im Fernsehen entfaltet sich ein munteres Frage-und Antwort-Spiel, es gibt kurze Vorträge von Schülern, Einspielfilme und Grafiken. Als Gäste der von den Schülern Marcel Zuncke, Michelle Schneider, Jannik Schneider und Anika Löhrer moderierten Runde dienten neben Naumann der Gast aus Wiesbaden und Schulleiter Reinhold Gaß. Der Höhepunkt: die bewusst provokante Frage, ob es sinnvoll sei, „in Griechenland die Wirtschaft wie unter Hitler anzukurbeln“.

Schulpolitik „vor Ort“

Zu Beginn des Besuches des Seligenstädters in Nordhessen geht es noch nicht um derart provokante Fragen. Bußer nimmt sich Zeit für das Schulleitungsteam rund um Gaß und dessen eigens angereisten Vorgänger Helmut Frenzl. „Wir haben uns vorgenommen, dass jedes Kabinettsmitglied auch mal in die Schulen im Land geht“, erklärt er - es gehe darum zu erfahren, wie die Schulpolitik der Regierung umgesetzt werde. „Vor Ort sieht manches anders aus als am Schreibtisch“, sagt Bußer. Er erfährt etwa, dass es für die Schule ein großes Problem darstellt, mit den begrenzten Bus-Kapazitäten klarzukommen. Schließlich wären rund 850 der zurzeit 981 Schüler auf den öffentlichen Verkehr angewiesen. Das Problem sei, dass sich der Stundenplan nach den verfügbaren Bussen richte - nicht umgekehrt. „Die europaweite Ausschreibung hat die Situation nicht einfacher gemacht“, erklärt Gaß. Bußer erklärt: „Das ist ein Problem, das sich noch verschärfen wird“ - gerade im Angesicht des demografischen Wandels.

Der Staatssekretär zeigt sich aber auch interessiert vom Übergang von den Klassen im gymnasialen Zweig auf die Oberstufe - die beendeten Überlegungen für eine gymnasiale Oberstufe an der Schule kommen nicht zur Sprache. Beeindruckt zeigt er sich während eines Rundgangs durch die Schule von der Ausstattung: Aktivboards, helle Räume, der PC-Arbeitsraum, der Naturwissenschaftliche Trakt - all das bewegt ihn zu einem anerkennenden Nicken.

Das bringt er schließlich, ganz am Ende seines Besuchs, auch den Schülern von Gabriele Naumann entgegen. Reinhold Gaß fasst seinen Eindruck zusammen: „Ihr hab es geschafft, ein hochkomplexes Thema, das nicht nicht einmal die Wissenschaft vollständig durchdrungen hat, ansprechend aufzuarbeiten.“ Die Schüler haben den Gast aus Wiesbaden in ein Gespräch verwickelt, ihm komplexe Fragen gestellt und im Idealfall sogar etwas gelernt: MichaelBußer hat selbst Geschichte studiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare