Frankenberg

Ein Grüner „regiert“ in Frankenberg

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- Frankenberg (jos). Das gab es noch nie in der Geschichte der Stadt Franenberg: Mit Willi Naumann sitzt während des Urlaubs von Bürgermeister Christian Engelhardt erstmals ein Grüner auf dem Chefsessel im Rathaus. Wenn Engelhardt im Dezember seinen neuen Job in Wiesbaden antritt, führt Naumann sogar bis zur Wahl im Frühjahr 2012 die Amtsgeschäfte.

Als im Januar 1969 im Fernsehen ein Film über Frankenberg mit dem Titel „Der deutsche Kleinstädter“ ausgestrahlt wird, folgen in der Ederstadt wochenlange und heftige Debatten. Viele Bewohner der Stadt fühlen sich als spießige Hinterwäldler dargestellt, die abseits der Vereinsmeierei keine Kultur zulassen.

Mehr als 41 Jahre sind vergangen, seit der Film über die Mattscheiben geflimmert ist. Regisseur Theo Gallehr, der dem politisch linken Spektrum zuzuordnen ist, lebt nicht mehr. Wäre er in diesen Tagen noch einmal zu Besuch in der Stadt, würde er Frankenberg aus vielerlei Gründen nicht wiedererkennen. Eines würde ihn vermutlich ebenso verwundern wie freuen: Im Rathaus hat derzeit ein Grüner das Zepter in der Hand.

Seit vorigen Montag vertritt der Erste Stadtrat Willi Naumann den amtierenden CDU-Bürgermeister Christian Engelhardt, der noch bis Ende dieser Woche Urlaub hat. Ein Mitglied der Öko-Partei „regiert“ in Frankenberg – das wäre wohl in früheren Zeiten noch undenkbar gewesen. Wie es dazu kommt? Die bürgerliche Koalition hat bei der Kommunalwahl im März keine absolute Mehrheit mehr erreicht. „Ohne uns ging nichts“, erinnert sich Willi Naumann an die starke Position der Grünen bei den Koalitionsverhandlungen mit den anderen Parteien.

Mit der CDU sahen die Grünen schließlich inhaltlich die größten Übereinstimmungen. Und so ist es zu einer Neuauflage des schwarz-grünen Bündnisses gekommen, das von 2001 bis 2006 schon einmal die Richtung in der Stadtpolitik vorgegeben hatte. Mit zwei beachtlichen Unterschieden: Die Fraktion der Grünen ist dieses Mal doppelt so groß. Und im Magistrat konnte die Öko-Partei in den Verhandlungen mit der CDU darauf pochen, dass sie den Ersten Stadtrat und damit den Vize-Bürgermeister stellt. „Wir fanden, das steht uns Grünen zu“, sagt Willi Naumann, der bereits ab 2006 Mitglied des Magistrats war. Seine „Beförderung“ zum Ersten Stadtrat bezeichnet er als große Herausforderung. „Man ist einfach noch dichter dran an den Entscheidungen“, sagt der Schraufaer.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag,14. Juli

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