Kooperation zwischen Wirtschaft und Schule

Grundstein für Karriere in der Region

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Diese Edertalschüler haben den ersten Kurs der „Young Engineer Academy“ erfolgreich absolviert und gestern ihre Zertifikate erhalten. Im neuen Schuljahr beginnt der zweite Teil.Fotos: Mark Adel

Frankenberg/Allendorf - "Das ist heute ein großer Tag für Euch", sagte Dr. Martin Viessmann zu den 25 Absolventen der "Young Engineer Academy", die gestern die Zertifikate für den Abschluss des ersten Kurses erhalten haben.

Die Young Engineer Academy, kurz „YEA“, gilt längst als beispielhafte Kooperation zwischen Wirtschaft und Schule, konkret zwischen den Viessmann-Werken und dem Gymnasium Edertalschule mit Unterstützung der Technischen Hochschule Mittelhessen. Die Akademie für Nachwuchs-Ingenieure soll Schüler für den Ingenieurberuf begeistern und schon erste Grundlagen für ein mögliches technisches Studium schaffen.

Mit 25 Edertalschülern ist die zwei Jahre dauernde Akademie vor einem Jahr gestartet. Gestern präsentierten die 18 Jungen und sieben Mädchen die Ergebnisse des ersten Jahres und erhielten die Abschlusszertifikate für die Teilnahme am ersten Kurs. Sie haben erste Schritte im Programmieren unternommen, einen Roboter konstruiert und gebaut und ein Praktikum bei Viessmann absolviert. Mangel an Ingenieuren Unternehmenschef Dr. Martin Viessmann unterstrich vor Lehrern der Technischen Hochschule Mittelhessen und der Edertalschule, den Nachwuchsingenieuren, Eltern und Viessmann-Mitarbeitern die Bedeutung von „YEA“. Der Landkreis sei besonders von der Veränderung der Altersstruktur unserer Gesellschaft betroffen. „Bis 2030 wird in Waldeck Frankenberg die Zahl der potenziellen Studenten und Berufseinsteiger, also die der 15-bis 25-jährigen Menschen, um mehr als ein Viertel schrumpfen“, sagte Viessmann. Das werde den bereits jetzt spürbaren Mangel an Nachwuchs besonders im technisch-ingenieurwissenschaftlichen Bereich noch einmal gravierend verstärken.

Insgesamt fehlen in Deutschland schon heute 100.000 Ingenieure. Die Akademie für Nachwuchs-Ingenieure soll dem entgegenwirken. „Zum einen weckt sie schon in jungen Jahren das Interesse technisch begabter Schüler am Ingenieurberuf und zeigt ihnen die Zugangsmöglichkeiten auf“, sagte Martin Viessmann. Zum anderen eröffne sie durch die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Hochschule und Unternehmen die Perspektive, sich nicht nur in der Region beruflich zu qualifizieren, sondern auch zu bleiben und hier den Beruf auszuüben. Er erinnerte an die Auszeichnung des Projekts mit dem Hessischen Demografiepreis wegen des Modellcharakters.

Für den laufenden Kurs hatte es bereits mehr Anmeldungen als Plätze gegeben: „Das Interesse der Schüler hat die Erwartungen bei weitem übertroffen“, sagte Viessmann. Wegen des guten Ergebnisses bieten die drei Projektpartner nicht nur eine Fortsetzung des ersten Kurses an, sondern auch einen weiteren Einstiegskurs. Damit wächst die YEA auf insgesamt 50 Teilnehmer. Viessmann würdigte auch, dass sich sieben Mädchen für den Ingenieurberuf interessieren. „Wir haben im Unternehmern zu wenige Frauen in Führungspositionen“, sagte er. „Wir hoffen, einen spürbaren Beitrag zur Erhöhung der Frauenquote in technischen Berufen leisten zu können.“ Die Schüler hätten die Akademie nicht als zusätzliche Belastung empfunden, sagte Winfried Deichsel, Leiter der Edertalschule. Eine solch enge Verbindung zwischen Gymnasium und Wirtschaft sei nicht selbstverständlich. Schon 1999 seien die Edertalschule und die Firma Viessmann eine Kooperation eingegangen. Er dankte Viessmann-Ausbildungsleiter Georg Glade für die Zusammenarbeit.

Anita Röhm von der Hochschule Mittelhessen sprach von einem „ungeheuerlich erfolgreichen Projekt“. Technik sei „unglaublich aufregend“. Neben dem Zertifikat erhielt jeder Schüler das Buch „55 Gründe, Ingenieur zu werden“ von Ekkehard Schulz. Das Streichquintett der Edertalschule unter der Leitung von Markus Wagener umrahmte die Feierstunde musikalisch.

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