Auftaktveranstaltung zur Dorferneuerung in den Frankenberger Stadtteilen Geismar und Dörnholzhausen

Als gute Nachbarn die Zukunft gestalten

Gemeinsam wollen sie den Menschen aus Geismar und Dörnholzhausen dabei helfen, sich mit Hilfe des Dorferneuerungsprogramms bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten; von links: Bernd Wecker vom Planungsbüro „Bioline“, Matthias Görge, Stabsstelle Ländliche

Frankenberg-Geismar - Es geht um nicht weniger als die Zukunft der Dörfer. Und die wollen die Geismarer und Dörnholzhäuser selber gestalten. Rund 150 Bürger aus den beiden Frankenberger Stadtteilen kamen am Freitagabend ins Dorfgemeinschaftshaus, um sich über das Dorferneuerungsprogramm zu informieren.

Bei der Auftaktveranstaltung am Freitag im Dorfgemeinschaftshaus stellten sich die Partner vor, mit denen die Geismarer und Dörnholzhäuser in den nächsten Jahren eng zusammenarbeiten müssen, um den größtmöglichen Nutzen aus dem Förderprogramm ziehen zu können: neben dem Landkreis und der Stadt ist dies das Planungsbüro „Bioline“ aus Dalwigksthal.

Bürgermeister Rüdiger Heß freute sich über das enorme Interesse der Bürger an der Dorferneuerung. Er wies auf die vielen Verbindungen der Geismarer und der Dörnholzhäuser hin und appellierte, das Förderprogramm als Chance zu begreifen. „Nehmen sie ihre Zukunft in die Hand.“ In der Öffentlichkeit liege der Fokus der Dorferneuerung auf den kommunalen Projekten. Doch auch private Maßnahmen würden gefördert.

Infrastruktur ist sehr gut

Der Geismarer Ortsvorsteher Klaus-Peter forderte dazu auf, die freundschaftlichen Bündnisse zwischen beiden Dörfern im Zuge der Dorferneuerung weiter auszubauen. Die gemeinsame Aufnahme in das Förderprogramm wertete er als Geschenk. „Wir haben hier noch eine hervorragende Infrastruktur“, sagte er und verwies auf den Kindergarten, die Grundschule, den Arzt, die Krankengymnastikpraxis, die vielen Handwerker und das Lebensmittelgeschäft. „Die Schwerpunkte gilt es zu verbessern und weiter auszubauen.“

„Die Bedingungen in Geismar und Dörnholzhausen sind im Vergleich zu anderen Dörfern sehr, sehr gut“, sagte auch Bernd Wecker, einer von zwei Geschäftsführern des Planungsbüros „Bioline“. Dennoch würde der demographische Wandel auch an diesen beiden Dörfern nicht spurlos vorbeigehen.

„Jüngstes“ Dorf im Kreis

Der für beide Frankenberger Stadtteile prognostizierte Bevölkerungsrückgang bis zum Jahr 2030 liege mit zehn Prozent unter dem Wert für den Landkreis (zwölf Prozent). In Geismar leben aktuell rund 980 Menschen, in Dörnholzhausen knapp 70. Auf Vier-Personen-Haushalte hochgerechnet bedeute dies für Geismar, dass 2030 theoretisch 25 Häuser leerstünden.

Das Durchschnittsalter beträgt im kleinsten Frankenberger Stadtteil exakt 38,6 Jahre - laut Wecker der niedrigste Wert im Landkreis. Mit 43,5 Jahre ist der „Durchschnitts-Geismarer“etwas älter als der Frankenberger (42,4 Jahre). Der demographische Wandel mit rückläufigen Einwohnerzahlen und steigendem Alter der Bürger werde in Frankenberg bereits sichtbar, sagte Wecker. Von 1970 bis 2010 ist das Durchschnittsalter um 7,18 Jahre gestiegen.

Bei allem Reiz des in Aussicht stehenden Fördergeldes sei das Dorferneuerungsprogramm viel mehr als nur die Förderung von Bautätigkeit, stellte der Experte klar, der ein gutes Dutzend Dörfer durch die Dorferneuerung begleitet hat. Ein gut gemachtes Dorferneuerungskonzept sei eine Leitlinie für 15 bis 20 Jahre.

Im Rahmen der Dorferneuerung sei es die eindeutige Aufgabe der Bürger, die Zukunft des Ortes aktiv mitzugestalten, mitzuentscheiden, welche Themen wichtig sind, gemeinsame Ideen und Schwerpunkte für die Zukunft zu entwickeln, und gemeinsam zu klären, welche bereits bestehenden Kooperationsmöglichkeiten auszubauen sind.

Wecker skizzierte die Phasen der Dorferneuerung, die mit einer Bestandserhebung beginnt. Das Bauamt unter Regie von Karsten Dittmar habe eine hervorragende Datenbasis zusammengetragen. „Das ist eine der besten Arbeiten, die ich in den vergangenen Jahren gesehen habe.“ Der Auswertung der Ergebnisse folgt eine Analyse der Stärken und Schwächen.

Einstieg jederzeit möglich

Dazu trugen am Freitag die Dörnholzhäuser und Geismarer bei. Auf Karteikarten notierten sie die Potenziale der Dörfer, die Probleme und die Themengebiete, für die sich die Menschen besonders interessieren. Daraus abgeleitet werden soll eine Strategie für die Dorferneuerung, die dann durch konkrete Projekte in beiden Dörfern „mit Leben gefüllt werden muss“.

Dieses Zukunftskonzept sollte Maßnahmen mit folgendem Ziel beinhalten: Die Vielfalt dörflicher Lebensformen bewahren. Das Bau- und kulturgeschichtliches Erbe weiterentwickeln. Die Schaffung von Lebensqualität und sicherer wirtschaftlicher Grundlage. Die Förderung der Innentwicklung; das „Aussterben“ der Ortskerne verhindern. Die Berücksichtigung überörtlicher Zusammenhänge.

In etwa sechs bis acht Monaten soll ein Dorferneuerungskonzept für Geismar und Dörnholzhausen fertig sein, damit es dem Frankenberger Parlament und der WI-Bank als Geldgeber vorgelegt werden kann, erklärte der „Bioline“-Geschäftsführer. Bis dahin stehen etliche öffentliche Termine an, der nächste bereits am 16. Mai, wenn so genannte Ortsteilsteckbriefe für Geismar und Dörnholzhausen erarbeitet werden. Am 21. Mai folgt eine Informationsveranstaltung, in der es um die mögliche Förderung von privaten Maßnahmen geht.

Grundsätzlich sind alle Veranstaltungen zur Dorferneuerung öffentlich. Wecker appellierte an die Bürger, sich intensiv in die Erarbeitung des Konzeptes einzubringen. Je durchdachter die „Leitlinie“ sei, umso größer sei auch die Chance, Zuschüsse für einzelne Projekte zu erhalten. Die Höhe der Fördersumme sei allein von den Maßnahmen abhängig. „Je ausgefallener und schlüssiger die Projekte sind, umso mehr Geld gibt es in der Regel auch“, sagte Berater Wecker.

Weitere Informationen zur Dorferneuerung auch im Internet unter der Adresse www.de-geismar-doernholzhausen.de

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