Allendorf (Eder)

„Habe sie doch nur an Haaren gezogen“

- Eine verbale Auseinandersetzung zwischen einem Ehepaar aus dem Oberen Edertal endete Anfang des Jahres mit Körperverletzung. Gestern wurde der Ehemann zu einer Geldstrafe verurteilt.

Allendorf (Eder). „Ich weiß gar nicht, warum ich eine Geldstrafe bekommen soll. Ich habe sie doch nur an den Haaren gezogen. Das war nur eine Reaktion, keine Gewalt.“ Mit diesen Worten des Unverständnisses reagierte ein 44-jähriger Mann auf die Forderung des Staatsanwaltes, ihn wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe zu verurteilen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm zur Last gelegt, Anfang des Jahres 2009 seine Frau körperlich misshandelt zu haben. Er habe sie an den Haaren die Treppe heruntergezogen, sodass sie fiel, und habe sie dann getreten und geschlagen. Seitdem leide sie unter Angstzuständen. Dass er seine inzwischen von ihm getrennt lebende Ehefrau, mit der er drei Kinder im Teenageralter hat, getreten und geschlagen habe, wie sie ihm vorwarf, wies er vor Gericht entschieden zurück. Er habe sie allerdings im Laufe eines heftigen Streits, den sie seiner Meinung nach provoziert habe, an den Haaren gepackt, gab der Mann zu, der derzeit von Hartz IV lebt und ohne Rechtsbeistand vor Gericht auftrat. Das sei einfach eine intuitive Reaktion auf ihre Beschimpfungen gewesen, sagte er. Während der Angeklagte, der gebürtig aus der Türkei stammt, sehr gut Deutsch sprach, übersetzte eine Dolmetscherin für seine 37-jährige Frau vor Gericht. Die Frau erklärte, sie und ihr Mann hätten sich an dem Morgen Anfang des Jahres heftig gestritten, nachdem sie ihn wiederholt aufgefordert hatte, aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen; sie hatte angekündigt, sich scheiden zu lassen, weil sie während ihrer Ehe immer wieder Gewalt habe erleben müssen. Er hätte sie dann an dem Tag schließlich von hinten so angegriffen, dass sie sich Prellungen an Kopf und Oberkörper zugezogen und viele Haare verloren habe. Sie habe sich gewehrt. Zeugen für den Vorfall oder ein ärztliches Attest, das die Verletzungen bescheinigt, gab es nicht. Obwohl sie wusste, dass ein Attest wichtig sei, habe sie aus Scham davon abgesehen, erklärte die Frau. Die Polizisten hatten seinerzeit nur eine leichte Hautrötung im Gesicht festgestellt. Weil Beweise für Schläge fehlten, stand in diesem Punkt Aussage gegen Aussage. Verurteilt wurde der 44-Jährige schließlich dafür, dass er seine Frau an den Haaren gezogen hatte. „Das ist vorsätzliche Körperverletzung, weil man damit jemanden Schmerzen zufügt“, stellte die Vorsitzende Richterin Andrea Hülshorst gegenüber dem Angeklagten klar, der in seiner Tat kein Vergehen gesehen hatte. In der Berechnung des Strafmaßes kam Richterin Hülshorst der Forderung des Staatsanwaltes nach, der eine Geldstrafe – 30 Tagessätze zu sieben Euro – gefordert hatte. Die Strafe fiel gering aus, weil der Mann bislang strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten war und wenig Geld zur Verfügung hat. Seit dem Vorfall lebt er von seiner Frau getrennt. „So durfte es ja nicht weitergehen“, erklärte er vor Gericht. (md)

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