In der Burgwald-Kaserne spielt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bereits eine wichtige Rolle

"Haben die Zeichen der Zeit erkannt“

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Frankenberg - Ein Leben weit weg von zu Hause, mögliche Auslandseinsätze: Der Beruf des Soldaten gilt in der Bevölkerung nicht unbedingt als Traum-Job. Ursula von der Leyen will die Bundeswehr daher familienfreundlicher gestalten. In der Burgwald-Kaserne wurden einige der Vorhaben schon umgesetzt.

Kleine rote und grüne Plastikstühle stehen in der Mitte des Raums. Auf dem bunten Teppich liegen wild verstreut Bauklötzchen, in der Ecke ein roter Sitzsack. Und es gibt einen Arbeitsplatz mit Computer. Der Raum befindet sich nicht etwa in einem Kindergarten, sondern ist für einen Tag das Arbeitszimmer von Hauptfeldwebel Sabrina Host. Sie hat ihren Sohn Liam heute mit in die Burgwald-Kaserne gebracht. Das ist kein Problem. Am Standort in Frankenberg gibt es seit April 2013 ein Eltern-Kinder-Betreuungszimmer. „Wenn zum Beispiel kurzfristig die eigentliche Betreuungsperson krank ist, dann können Soldaten ihre Kinder mit in die Kaserne bringen“, erklärt Oberstleutnant Holger Schmör, der Kommandeur des EloKa-Bataillons 932.

Das kombinierte Spiel- und Arbeitszimmer ist nur ein Beispiel für den Weg hin zur familienfreundlicheren Bundeswehr – ebenso wie Sabrina Host und ihr Sohn nur ein Beispiel für die vielen unterschiedlichen familiären Verhältnisse in der Bundeswehr sind.Die neue Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beim Militär steigern. Ziele könnten Teilzeit-Arbeit, Kinderbetreuung in den Kasernen und weniger Versetzungen sein. Für die Soldaten in Frankenberg ist das nicht unbedingt Neuland.

Viele Dinge seien in Deutschland schon vor drei bis vier Jahren in die Wege geleitet worden, durch die Verteidigungsministerin rücke das Vorhaben jetzt nochmal stärker in den Blickpunkt, sagt Schmör. „Wir befinden uns auf einem guten Weg und wir haben die Zeichen der Zeit erkannt.“

Soldaten in Teilzeit

Rund 600 Soldaten gibt es in der Burgwald-Kaserne, nie sind alle gleichzeitig da. 244 davon sind Vater oder Mutter. Zehn von ihnen – darunter zwei Männer – sind aktuell in Elternzeit, zwei Soldatinnen arbeiten in Teilzeit an nur drei bis vier Tagen in der Woche.Ein anderes Beispiel ist Oberleutnant Melanie Döge. Sie ist gemeinsam mit ihrem Mann – ebenfalls Soldat – nach Frankenberg gezogen und nun schwanger. Nie hätten die beiden daran gedacht, wegen der Familienplanung einen neuen Arbeitgeber zu suchen.

„Die Zahlen zeigen, dass das Zusammenspiel von Bundeswehr und Familie etwas ganz Normales ist, ja sein muss. Ich kenne nicht viele Arbeitgeber, die sich so viele Gedanken über die Familie machen“, sagt Holger Schmör. Ein Beispiel sei das Familienbetreuungszentrum (siehe Hintergrund).

An Schmör selbst wird aber auch deutlich, wo die Pläne ihre Grenzen haben. Als Kommandeur hat er in Frankenberg eine Ablaufzeit, nach zwei Jahren ist in der Regel an einem Standort Schluss. Daher hat Schmör entschieden, nach Möglichkeit jedes Wochenende zu pendeln. Die Familie des Kommandeurs lebt im Umland von Hamburg, Heute wird sein Sohn sechs Jahre alt.

„Natürlich wäre ich gerne zu Hause. Aber wenn ich das meinen Kindern erkläre, verstehen sie es schnell.“ Seiner Vaterrolle könne er auch auf Distanz gut nachkommen. „Es heißt ja nicht, dass ein Mann, der sein Kind jeden Tag sieht, der bessere Vater ist.“ So würde er sich wahnsinnig auf die Wochenenden freuen und diese gezielt nach den Kindern ausrichten.

„Wenn ich karriereorientiert bin, muss ich Versetzungen in Kauf nehmen“, sagt Schmör. Das habe er für sich gemeinsam mit der Familie bewusst entschieden und das wüssten die Soldaten selbst auch – „das unterscheidet sich nicht von anderen großen Unternehmen“. Ebenso gebe es jene, die ein Leben lang am Standort Frankenberg blieben.

„Aber es geht auch immer alles noch besser“, findet Schmör. Er würde für die Bundeswehr eine große Steigerung der Attraktivität durch ganztägige Kinderbetreuung sehen. „Wir haben in den Kasernen häufig die Infrastruktur. Das würde es Familien einfacher machen, umzuziehen.“ Er sehe keine Schwierigkeiten, den militärischen Auftrag und die Kindererziehung in der Kaserne zu kombinieren. „Es gibt doch viel mehr ein gutes Gefühl, wenn die Kinder in der Nähe sind.“ Diese mögliche Attraktivität aber sei wiederum mit Kosten verbunden. (tt)

Das Familienbetreuungszentrum

Wegen der Spezialisierung des Frankenberger Bataillons auf elektronischen Kampf und Fernmeldeaufklärung ist auch die Einsatzbelastung der Soldaten relativ hoch. Im Regelfall dauert ein Einsatz in Afghanistan vier Monate, danach sind 20 Monate Pause vorgesehen. Teilzeit-Arbeit im Einsatz gibt es nicht. Während dieser Zeit stehen die Mitarbeiter des Familienbetreuungszentrums (FBZ) in der Burgwald-Kaserne den Angehörigen der Soldaten zur Seite. In Hessen gibt es ansonsten nur in Wiesbaden ein FBZ, deutschlandweit sind es 31. Von dort werden Video-Schaltungen in die Einsatzländer ermöglicht, dringende Nachrichten an die Soldaten übermittelt oder auch Familien-Ausflüge organisiert.

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