Neunfach vorbestraft: Halbes Jahr Gefängnis

Haft für Hausfrau: Straftäter versteckt

Frankenberger Land. Weil es einem gesuchten Straftäter Unterschlupf bot, ist ein Ehepaar aus dem Landkreis nun selbst verurteilt worden. Das Amtsgericht Frankenberg verhängte am Donnerstag gegen eine 35-jährige Hausfrau eine halbjährige Haftstrafe. Ihr 39-jähriger Ehemann muss eine Geldstrafe von 1500 Euro zahlen.

Wochenlang hatte das Paar den Lebensgefährten der Tochter zu Hause versteckt, während dieser von der Polizei per Haftbefehl gesucht wurde. Nach zweistündiger Verhandlung sah es das Gericht als erwiesen an, dass das Paar durch Falschaussagen die Polizisten monatelang in die Irre geführt hatte. Richterin Andrea Hülshorst sah darin eine klare Vereitelung der Haftbefehls-Vollstreckung.

Für die angeklagte Hausfrau ging es in dem Verfahren um viel: Neun Mal vorbestraft, stand sie unter dreifacher Bewährung. Auf ihrem Kerbholz stehen mehrfacher Betrug, Körperverletzung, Diebstahl und Wucher.

Vor Gericht stritt sie die Vorwürfe ab und gab an, nichts von einem versteckten Straftäter gewusst zu haben.

Doch ausgerechnet die Aussagen des damals Flüchtigen ließen daran große Zweifel. „Jeder hat es gewusst“, sagte der 23 Jahre Mann. Als der Haftbefehl gegen ihn lief, war er untergetaucht und habe mit seiner Freundin „mal hier, mal da“ gewohnt. Öfters sei er über Nacht bei den zukünftigen Schwiegereltern gewesen. Mittlerweile sitzt er wieder im Gefängnis, im April 2013 war er festgenommen worden. Zu seiner Zeugenaussage musste er in Handschellen erscheinen. „Mein Vater wusste von allem“, sagte die Freundin des Flüchtigen. „Wie jede Frau würde ich meinen Mann niemals verraten. Und wäre mein Vater zur Polizei gegangen, hätte er mich nie wieder gesehen“, sagte sie.

Als Polizisten auf der Suche nach dem Untergetauchten im Haus des angeklagten Paars vorbeischauten, stritten beide ab, den Gesuchten zu kennen. „Spätestens ab diesem Zeitpunkt“, sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, „hätte auch die Ehefrau wissen müssen, was in dem Haus passiert“. Richterin Hülshorst ging davon aus, dass die Frau schon vorher gewusst hatte, wer da unter ihrem Dach Zuflucht fand.

Uneinsichtigkeit zeigte die die Frau bei der Urteilsverkündung. „Heute sind Sie eine ungerechte Frau“, platzte es aus ihr heraus, als Hülshorst die Begründung verlas. „Habe ich nicht genug geblutet?“, fragte die fünffache Mutter mit Blick auf ihre vielen Vorstrafen.

Zuvor war das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft nach sechs Monaten Haft gefolgt. Obwohl der Ehemann ebenso schuldig war, wurde er aufgrund seines kürzeren Vorstrafenregisters lediglich zu einer Geldstrafe verurteilt. „Ich habe das Gefühl, Sie haben das Ganze eher als Räuber-und-Gendarm-Spiel gesehen“, sagte die Richterin ihm gegenüber. Die Verurteilten können noch Rechtsmittel einlegen.

Von Jan Schumann

Quelle: HNA

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