Frankenberger Jugendliche sind geständig · Drei Kasseler Tankstellen überfallen

Haft für die Tankstellen-Räuber

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Frankenberg/Marburg - Vier junge Frankenberger hatten im Januar Tankstellen in Kassel überfallen. Am Donnerstag wurden sie dafür vor dem Marburger Amtsgericht verurteilt. Für schwere räuberische Erpressung und schweren Raub sprach Richter Thomas Rohner vier Jugendhaftstrafen aus.

Drei Mal haben sie zugeschlagen: Am 9. Januar war ein 15-jähriger Frankenberger zusammen mit zwei 19-jährigen Freunden in Kassel unterwegs. Wie alle drei am Donnerstag vor Gericht aussagten, wollten sie Drogen kaufen. Und dann war der Sprit leer und keiner hatte mehr Geld. Angeblich sei es nur mal eine „Schnapsidee“ beim Pokerspielen gewesen: „Man könnte doch mal eine Tankstelle überfallen.“ Aus der „Schnapsidee“ wurde an diesem Tag ernst: Der 15-Jährige verdeckte sein Gesicht mit seinem Shirt und einer Mütze und stürmte mit einer Schreckschusspistole in eine Kasseler Tankstelle. Dort bedrohte er die Kassiererin und ließ sich den gesamten Inhalt der Kasse geben. „Ich hatte Angst“, sagte die 41-Jährige vor Gericht aus.

Geld für Drogen und Alkohol

Die beiden 19-Jährigen hatten vor der Tankstelle gewartet und plötzlich kalte Füße bekommen - sie fuhren samt Auto davon und ließen den 15-Jährigen an der Tankstelle zurück. Sie selbst behaupten, dass sie nicht damit gerechnet hatten, dass ihr jüngerer Kumpel ernst mache und den Überfall tatsächlich verübe. „Wir haben Schiss bekommen und wollten nichts damit zu tun haben“, sagten sie. Der 15-Jährige schildert die Geschichte anders: Er behauptet, dass die beiden Älteren ihn überredet hätten. „Sie haben gesagt, wenn, dann muss ich den Überfall machen, weil sie auf Bewährung sind.“

So ganz alleine in Kassel flüchtete der junge Räuber und versteckte seine Beute bei einem Sportplatz. Er kaufte sich ein Zugticket und fuhr nach Hause. Als die drei Frankenberger am nächsten Tag nach Kassel zurück kehrten, war das Geld - etwa 400 Euro - weg. Dann trafen sie sich in der Stadt mit dem 14-jährigen Mitangeklagten. Und weil sie immer noch knapp bei Kasse waren, überfielen die beiden Jüngsten eine weitere Kasseler Tankstelle. Rund 800 Euro erbeuteten sie und teilten es auf.

Das Geld floss nach deren Aussagen in Alkohol, Drogen, Spielautomaten und ein Autoradio. Schnell war es wieder weg - weswegen sie zwei Tage später wieder auf die Idee kamen, eine Tankstelle zu überfallen. Weil es so „easy“ war, wie einer der 19-Jährigen sagte. Schließlich überfielen sie wieder die gleiche Tankstelle wie zwei Tage zuvor: Die beiden jungen Frankenberger vermummten sich und forderten vom Kassierer mit vorgehaltener Waffe das Bargeld und einige Stangen Zigaretten.

Bei beiden Überfällen hatte der gleiche Kassierer Dienst - seither befindet der 29-Jährige sich in psychiatrischer Behandlung. Auf Nachfrage des Richters erklärte er, dass er nicht unterscheiden konnte, ob es eine echte Waffe gewesen sei. „Aber ich muss ja von einer scharfen Waffe ausgehen.“ Wiederum erbeuteten die Täter 800 bis 1000 Euro.

Nur einen Tag später nahm die Polizei drei der vier Täter in einer Frankenberger Wohnung fest. Der vierte Täter stellte sich wenig später.

Bis auf den 14-jährigen Täter sind die Angeklagten keine unbeschriebenen Blätter. Körperverletzungen und Diebstähle sind in ihren Führungsakten vermerkt.

Leicht hatten es die Eltern mit den vier Jungs nicht: Die Jugendgerichtshilfe berichtete bei den 19-Jährigen von Suchtproblemen und einem problematischen Familienleben. Einer litt unter der Trennung der Eltern und ständigen Umzügen, der andere unter der Trennung von der Freundin. Bei den beiden Jüngeren hatten die Eltern schon Jahre zuvor die Familienhilfe eingeschaltet, weil die Jungs klauten, abhauten und sich an keine Regeln hielten.

Positive Entwicklung

Das Gericht sprach alle vier Jugendliche schuldig - den 14-Jährigen des schweren Raubes, die drei Mittäter der schweren räuberischen Erpressung. Die bereits laufenden Jugendstrafen der beiden 19-Jährigen hat Richter Rohner mit dem neuen Urteil zusammengefasst: Einer der beiden muss nun für zwei Jahre und vier Monate in Haft, der zweite für zwei Jahre und acht Monate. Eine Bewährung gab es nicht mehr: „Eine noch längere Erziehung, um die positive Entwicklung der U-Haft zu stabilisieren“, sah Rohner als notwendig an.

Der 14-Jährige wurde zu einem Jahr und sechs Monaten Jugendhaft auf Bewährung verurteilt, der 15-jährige Angeklagte zu einem Jahr und zehn Monaten. Zusätzlich müssen sie 150 Arbeitsstunden ableisten und in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht werden.

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