Versuchter Totschlag: Zwei Türsteher mit Klappmesser schwer verletzt

Marburg. Sechs Jahre Gefängnis wegen versuchten Totschlags lautet das Urteil des Marburger Landgerichts gegen einen 23-jährigen Studenten, der im August vergangenen Jahres zwei Türsteher einer Marburger Kneipe mit einem Klappmesser schwer verletzt hat.

„Es ist das Recht der Verteidigung, Spekulationen in den Raum zu stellen, Verpflichtung des Schwurgerichts ist es, die Beweisaufnahme zu würdigen und die entsprechenden Schlüsse zu ziehen“, sagte der vorsitzende Richter, Landgerichtsvizepräsident Carsten Paul, nach Verkündung des Urteils. Und die Kammer sei überzeugt, dass sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in vollem Umfang bestätigt hätten.

Staatsanwalt Nicolai Wolf hatte auf sieben Jahre Haft plädiert. Es sei erwiesen, dass der junge Mann, nachdem er in den frühen Morgenstunden des 3. August des Lokals in der Oberstadt verwiesen worden war, kurz darauf mit dem Messer sowie einem Schlagstock und Pfefferspray bewaffnet zurückgekommen sei. Das Mitglied des Rockerclubs „Bandidos“ habe den Rauswurf so nicht akzeptieren wollen und das in die Tat umgesetzt, was er zuvor in Textnachrichten mitgeteilt habe, nämlich „alle plattmachen“.

Nachdem er erneut aus der Kneipe gedrängt worden sei, habe er das erste Mal zugestochen und einen 30-Jährigen verletzt, so Wolf. Als weitere Sicherheitsleute eingeschritten seien, habe er einen von ihnen mit weiteren Stichen verletzt, bevor er niedergerungen worden sei. Dass er danach zu Unrecht selbst Tritte und Schläge erhalten habe und auch verletzt worden sei, spiele nur insofern eine Rolle, dass es strafmildernd wirke, so Wolf.

Verteidiger Peter Thiel hatte auf Freispruch plädiert, auch weil die Zeugen widersprüchliche Angaben gemacht hätten. Die Aussagen des Angeklagten seien nicht zu widerlegen. Dieser hatte am ersten Verhandlungstag betont, nur noch die Telefonnummer eines Mädchens einholen zu wollen, das er an dem Abend kennengelernt habe.

Die Türsteher seien dann auf ihn losgegangen. Das Messer, das er nur für den Notfall eingesteckt habe, habe er aus Angst um sich zu schützen eingesetzt. Die Textnachrichten habe er nur geschrieben, um sich wichtig zu machen, ausführen habe er die Ankündigungen nicht gewollt.

Dem folgte die Kammer nicht. Es sei normal, dass bei einem derartigen Vorfall die Aussagen der Zeugen nicht deckungsgleich seien, so Richter Paul. Gleichwohl seien sie in den Teilen, die den Tathergang betreffen, alle eindeutig gewesen. Außerdem sprächen die Widersprüche in einigen Details gerade gegen eine Absprache.

Wegen des hohen Blutalkoholwertes des Angeklagten von bis zu 2,5 Promille müsse das Gericht allerdings davon ausgehen, dass verminderte Schuldfähigkeit nicht ausgeschlossen werden könne, was sich ebenso strafmildernd auswirke, wie dass der Angeklagte noch nie straffällig geworden sei.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (kse)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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