Arbeiter entwendeten Material im Wert von 1,4 Millionen Euro bei einer Eisengießerei

Haftstrafe für Metall-Diebstahl

Marburg. Eigentlich hätte der dreiste Diebstahl längst auffallen müssen: Mitarbeiter einer großen Eisengießerei in Stadtallendorf bei Marburg entwendeten Kupfer, Zinn und Ferromolybdän im Wert von 1,4 Millionen Euro. In Rucksäcken, Eimern und auf Paletten schleusten sie die wertvollen Metalle und Granulate mehr als zwei Jahre lang an der Pforte ihres Unternehmens vorbei. „Gier frisst Hirn“, sagte der Marburger Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer angesichts des hohen Entdeckungsrisikos.

Jetzt verurteilte das Landgericht Marburg einen 34 Jahre alten Gabelstaplerfahrer wegen schweren Bandendiebstahls zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monaten Haft sowie einer Geldstrafe von 210 Tagessätzen à 15 Euro. Er gehört laut Staatsanwaltschaft neben dem Schrotthändler, der die Ware weiterverkaufte, zu den Haupttätern. Bei dem 34-Jährigen wurde eine Vorstrafe einbezogen. Er hatte im März 2009 versucht, die Moschee von Stadtallendorf in Brand zu stecken. Dafür war er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden.

„Gier frisst Hirn“.

Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer

In der Eisengießerei war er der wichtigste Lieferant der wertvollen Rohstoffe. Begnügte er sich mit Unterstützung von fünf Arbeitskollegen zunächst damit, die Metalle mit Rucksäcken und Eimern auszuschleusen, so reichte dies ab Mitte 2007 nicht mehr. Ab dann wurde die Ware auf ganzen Paletten mit Hilfe eines Lkw-Fahrers abtransportiert. „Das lohnte sich“, erklärte Willanzheimer. In der Tat: Für eine Tonne des Stahlhärters Ferromolybdän gab es zwischen 30 000 und 35 000 Euro, für eine Tonne Kupfer bis zu 20 000 Euro.

Allerdings war der Angeklagte offenbar kein besonders gerissener Straftäter. Er schlug nur wenig Profit aus dem Bandendiebstahl. Insgesamt 30 000 Euro - also nur drei Prozent des realen Werts - zog er aus den groß angelegten Diebstählen. Der größte Batzen blieb bei dem Schrotthändler, der bereits zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt wurde.

Er hatte die Materialien an Unternehmen in Nordrhein-Westfalen weiterverkauft. Dass so ein kleiner Schrotthändler solche Mengen an Kupfer, Zinn und Ferromolybdän liefern konnte, fiel sogar den Finanzbehörden auf. Als dann auch noch ein Lkw-Fahrer mit einer Ladung aus der Eisengießerei erwischt wurde, flog die Bande auf.

Der Gabelstaplerfahrer war derjenige, der daraufhin auspackte und sich selbst umfassend belastete. Das bescherte ihm nun das relativ milde Urteil, bei dem das Gericht dem Antrag der Verteidigung folgte. Strafmildernd wurden auch die laxen Kontrollen in der Eisengießerei bewertet.

„Es gibt wohl nicht allzu viele Unternehmen, wo man so lange so unauffällig stehlen kann“, sagte der Staatsanwalt. Offenbar gab es nicht einmal eine Buchführung, anhand derer der Verlust des Materials hätte auffallen können. Die Beteiligten - insgesamt sechs Arbeitskollegen - wurden fristlos entlassen. Die Kontrollen wurden verschärft.

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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