Reiner Strieder blickt auf Zeit als Bromskirchener Gemeindebrandinspektor zurück

Halb Häuptling und halb Indianer

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Reiner Strieder ist seit kurzem Ehren-Gemeindebrandinspektor von Bromskirchen. 1977 trat er der Feuerwehr bei, fast durchgehend war er entweder im Vorstand oder der Wehrführung aktiv.Foto: Tobias Treude

Bromskirchen - Als Reiner Strieder der Feuerwehr Bromskirchen 1977 beitrat, da war sein direkter Nachfolger als Gemeindebrandinspektor noch nicht geboren. Strieder hat in all den Jahren viel erlebt - Kameradschaft und Einsatzwillen, aber auch Unfälle haben sich eingeprägt.

Jugendwart, Vorsitzender, stellvertretender Wehrführer, Gemeindebrandinspektor und Brandschutzbeauftragter der Firma Hoppe: Mit Ausnahme von zwei Jahren war Reiner Strieder stets im Vorstand der Feuerwehr Bromskirchen. Da liegt der Eindruck nahe, dass der Brandschutz seit Langem sein Leben bestimmt. Das trifft weitestgehend zu, doch greift es auch zu kurz. Denn Reiner Strieder ist zudem seit über 40 Jahren Mitglied des Schützen- sowie des Sportvereins, auch im Förderverein des Kindergartens und im VdK-Ortsverband ist er vertreten. „Aber nichts davon mache ich so intensiv wie die Feuerwehr.“

Gemeinschaft und Geselligkeit, das sind Dinge, auf die Reiner Strieder großen Wert legt. „Befehl und Gehorsam mag ich nicht, wir sind nicht beim Militär.“ Bestimmte Regeln gebe es natürlich, doch stets habe die Entscheidung des Teams über der eines Einzelnen gestanden. „Ich habe mit den Jungs immer ohne Druck und ohne Krach zusammengearbeitet“, lobt Strieder seineFeuerwehrkameraden.

Der kompetente Nachwuchs ist auch ein Grund, warum er nach etwa 14 Jahren das Amt des Gemeindebrandinspektors von Bromskirchen abgibt. „Wir haben genug junge Leute, die fachlich dazu in der Lage sind. Um Gemeindebrandinspektor zu sein, muss man nicht erst 50 werden.“ Sein Nachfolger ist Andreas Kautz, er wurde 1978 geboren, ein Jahr zuvor war Strieder im Alter von 18 Jahren in die Feuerwehr eingetreten. Aber auch die Gesundheit ist ein Grund, warum Strieder kürzertritt. „Wenn die Indianer schneller als der Häuptling sind, ist das nicht gut.“

Wenn der charismatische Bromskirchener sich an die großen Einsätze zurückerinnert, hat er die Bilder noch genau vor Augen. Am 8. September 2001 brannte es bei Ante Holz, den Rauch habe er schon von der Firma Hoppe aus gesehen. Seinen Geburtstag verbrachte Strieder im Dauereinsatz mit etwa 200 weiteren Brandschützern.

„Man muss schon ein gewisses Maß an Abgebrühtheit haben“, sagt der 55-Jährige. Er wisse, wem er bei einem Autounfall eher die Kelle zum Regeln des Verkehrs in die Hand drücke. Um das Geschehene zu verarbeiten, würden die Feuerwehrmänner und -frauen nach Einsätzen im Mannschaftsraum normalerweise immer noch ein paar Worte wechseln. Nur einmal, nach einem tödlichen Arbeitsunfall, seien alle schnell nach Hause. „Das war kein gutes Zeichen.“ Und so rief Strieder den Notfallseelsorger.

Doch möchte er keine Minute aus seiner bisherigen Zeit als Feuerwehrmann missen. Seien es Lehrgänge, bei denen er eine ganz besondere Gemeinschaft erfahren habe, Hochzeiten von Kameraden, oder zu erleben, wie aus Mädchen und Jungen aus der Jugendfeuerwehr aktive Brandschützer werden. „Es ist schön zu sehen, dass die Arbeit Früchte getragen hat. Viele sind dabeigeblieben“, freut sich Reiner Strieder.

Aber er stimmt auch kritische Töne an. Zum Beispiel wenn es um die Zusammenarbeit der Feuerwehr über Gemeinde- und Landesgrenzen hinaus geht. Das fange bei unterschiedlichen Dienstgradabzeichen an und gehe bis zu den Problemen bei Digital- und Analogfunk. „Wir stehen alle für das Gleiche ein, aber auf gewissen Ebenen läuft es dann doch in unterschiedlichen Bahnen.“ Zudem dürfe bei aller Euphorie um die Feuerwehr nicht vergessen werden, dass alles auf freiwilliger Basis geschehe.

Den Wechsel von Analog- auf Digitalfunk macht Strieder nicht mehr als Chef der Bromskirchener und Somplarer Wehren mit. Das wird eine der ersten Aufgaben seines Nachfolgers Andreas Kautz. „Ich hoffe nur, dass es dann auch überall so funktioniert, wie es angepriesen wird“, spricht der 55-Jährige mögliche Funklöcher in der Gemeinde an. Immerhin sei beim Hochbehälter bereits eine Sendestation errichtet worden.

Auch wenn die Feuerwehr bei ihm immer einen großen Platz eingenommen habe, so gebe es doch ein Leben daneben. Unterstützung erfuhr Strieder immer von seiner Ehefrau Petra. „Meine Frau stand immer hinter mir. Sie hat anfangs auch schon mal geholfen, Schläuche zu rollen, damit wir uns sehen.“

Kürzertreten ja, aber der Feuerwehr komplett den Rücken kehren, das kommt für Reiner Strieder nicht in Frage. So wolle er in Zukunft zwar nicht mehr mit zu jeder Ölspur rausfahren - doch im Februar steht ja schon die Schulung für den Digitalfunk an. (tt)

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