Parlament in Allendorf

Handeln für den Erhalt der Dorfkerne

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Eigentümer und Kauf-Interessenten von Häusern aus den 1950er- und 1960er-Jahren sollen besonders in den Genuss der neuen Allendorfer Förderrichtlinie kommen.Foto: Mark Adel

Allendorf (Eder) - Häuser in den Allendorfer Dorfkernen, die älter sind als 50 Jahre, können künftig günstiger saniert werden: Die Gemeinde stellt bis zu zehn Prozent Förderung und zinslose Darlehen zur Verfügung.

Ein bisschen widersprüchlich sind die Beschlüsse der Allendorfer Gemeindevertreter: Einerseits ist seit Mittwochabend die Schaffung 22 neuer Bauplätze im Bereich der alten Sarg-Fabrik in Battenfeld endgültig beschlossener Sache. Der Entschluss wurde besonders von dem Battenfelder Erich Hirth, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste Ortsteile, als zukunftsweisendes Projekt gepriesen, das der Gemeinde jene Entwicklungsmöglichkeiten aufweise, die sie benötige. In der selben Sitzung aber haben die Verordneten ebenfalls entschieden, etwas für die Dorfkerne zu tun, um das immer neue Ausweisen von Neubaugebieten zu unterbinden: Sie haben neue Richtlinien zur Förderung von Sanierungsarbeiten an alten Gebäuden verabschiedet.

Die neue Richtlinie ersetzt ältere aus den Jahren 1999 und 2008, die Zuschüsse der Gemeinde für die Instandsetzung von Fachwerkhäusern sowie den Erhalt von Bau- und Kunstdenkmalen regelten. Förderfähig sind nach der neuen Richtlinie Häuser, die mindestens 50 Jahre alt sind und in den Dorfkernen Allendorfs und seiner Ortsteile stehen. „Der Trend geht auch in unserer Gemeinde hin zu Leerständen und Baulücken“, erklärte Roswitha Stark von der CDU, wo die Richtlinie ansetzen soll. „Jedes Haus im Umfeld hat eine Geschichte“; sagte sie – deshalb gelte es, alte Bausubstanz zu erhalten, wo das möglich sei. Gerade Häuser aus den 1950er- und 1960er-Jahren würden heute oftmals als „minderwertig“ angesehen. „Das sind Bauwerke ohne Denkmalschutz aber mit Historie. Sie gilt es zu erhalten und zu bewahren“, sagte Stark.

Gefördert werden können Arbeiten am Dach, an der Wärmedämmung, an Fenstern und Türen, die Erneuerung von Fassaden oder Gefachen oder Verblendung mit Naturschiefer, die Trockenlegung von Wänden und Böden, Einbau von Treppenhäusern, der Ausbau alter Scheunen zu Wohnzwecken und sogar der Abriss von Gebäuden. Das Auftragsvolumen muss bei mindestens 5000 Euro liegen. Bis zu förderfähigen Kosten von 50000 Euro liegt der Zuschuss der Gemeinde Allendorf bei zehn Prozent. Für alle, die noch mehr in die Alte Bausubstanz investieren möchten, bietet die Gemeinde künftig zinsfreie Kredite: Bis zu einem Wert von 100000 Euro liegen diese bei 25 Prozent und haben eine Laufzeit von 20 Jahren. Bei noch höheren Investitionen muss der Kredit erst nach 25 Jahren zurückgezahlt sein.

Neben der rein finanziellen Hilfe tritt die Gemeinde auch beratend auf: Für den Antrag auf Förderung ist eine vorhergehende Beratung durch ein von der Gemeinde bestelltes Fachbüro verpflichtend. Diese ist für den Antragsteller – gleich ob Besitzer oder Kauf-Interessent eines Objektes – kostenfrei. Sie beinhaltet unter anderem einen Ortstermin inklusive Bestandsaufnahme, eine Überprüfung des Bauvorhabens auf Genehmigungsfähigkeit, die grobe Festlegung notwendiger Arbeiten und die Überprüfung des Vorhabens auf weitere Fördermöglichkeiten.

Jürgen Kubitzek von der BLO erklärte, dass der Jugend vermittelt werden müsse, dass das Leben in Allendorf attraktiv ist – auch durch Förderung des Eigenheim-Erwerbs. „Dann können Dorfkerne in ihrer Struktur erhalten werden“, sagte er. Für das laufende Jahr sei eine gesamte Fördersumme von 50000 Euro in den Haushalt eingestellt – zugleich bezweifelte er, ob das Geld bei dem schon jetzt großen Interesse überhaupt reichen werde. Er forderte die Stadtverwaltung auf, auch nach Fördermöglichkeiten von Bund und Land zu forschen.

Das verstehe sich von selbst, erklärte Bürgermeister Claus Junghenn den Gemeindevertretern. Derzeit werde eine Möglichkeit geprüft, bei der der Landkreis Waldeck-Frankenberg als Co-Finanzier auftrete.

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