Konjunkturbericht

Das Handwerk ist weiter im Aufwind

Gladenbach - Das gab es seit 20 Jahren nicht mehr: Der Geschäftsklimaindex des nord-, ost- und mittelhessischen Handwerks stieg in diesem Sommer auf 121,9 Punkte. So hoch war er zuletzt kurz nach der Wende.

„Dem Handwerk geht es gut“, sagt Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel, nicht ohne Stolz, als er den aktuellen Konjunkturbericht vorstellt. „Im ersten Halbjahr haben wir ein sehr starkes Wachstum gehabt“, ergänzt er. Es herrsche weiterhin großer Optimismus.

Die Zahlen des Sommer-Konjunkturberichtes für das Handwerk in Nord-, Mittel- und Osthessen bestätigen seine Aussage: 88 Prozent der befragten Betriebe im Kammerbezirk gaben ihrer aktuellen Geschäftslage die Note „gut“ beziehungsweise „befriedigend“. Das waren 4,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch die zukünftige Geschäftslage, bezogen auf die nächsten drei Monate, wird positiv eingeschätzt: 35,6 Prozent der Befragten erwarte gute, 50,4 Prozent befriedigende Geschäfte. „Vor allem in den Baugewerben herrscht viel Zuversicht, aber auch die industriellen Zulieferer und die Nahrungsmittelhandwerke liegen deutlich über dem Durchschnitt des Gesamthandwerks“, berichtet Gringel. Der Anteil der Betriebe, die ihre Geschäftslage mit gut oder befriedigend angeben, liege dort jeweils über 90 Prozent.

Weniger zuversichtlich gaben sich die Kraftfahrzeughandwerker. Sie bewerteten ihre wirtschaftliche Situation schlechter als im Vorjahr. Die größte Unzufriedenheit herrscht aktuell in den Gesundheitshandwerken, wo jeder vierte Betrieb die Geschäftslage mit „schlecht“ bewertet.

Der Geschäftsklimaindex im Kammerbezirk Kassel stieg aufgrund der guten Ergebnisse ebenfalls weiter an - und zwar gegenüber der bereits guten Sommerumfrage 2011 um 3,1 Punkte auf aktuell 121,9 Punkte.

Durchschnittlich reichten die Aufträge in den Monaten April bis Juni 8,3 Wochen weit - deutlich mehr als im Vorjahr, wo es 7,2 Wochen waren. Die Auslastung der heimischen Handwerksunternehmen lag bei durchschnittlich 77,4 Prozent. „Jeder vierte Betrieb sprach aber sogar von Vollauslastung“, betont Gringel. Gleichzeitig habe aber auch etwa jeder vierte Betrieb über gestiegene Einkaufspreise bei Rohstoffen und Energie geklagt.

„Wir gehen nicht davon aus, dass sich diese positive Entwicklung in den nächsten Quartalen fortsetzen wird, sehen aber auch keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken“, erklärt der Kammerpräsident.

Warum die Handwerkskammer entgegen der Erwartungen der Betriebe - 85,7 Prozent schätzen die künftige Geschäftslage mit „gut“ beziehungsweise „befriedigend“ ein - eher verhalten Richtung Zukunft schaut, erläutert denn auch Dr. Matthias Joseph: „Die Aufträge und die Umsätze haben an Dynamik verloren. Und da diese zu den harten Konjunkturindikatoren zählen, deuten diese schon sehr früh auf eine Abschwächung der Lage hin.“ 76,8 Prozent der befragten Unternehmen erzielten gleichgebliebene beziehungsweise gestiegene Umsätze, 51,4 Prozent gaben an, das Vorjahresniveau der Auftragslage gehalten zu haben.

Was das Handwerk jetzt brauche sei das Energie-Konjunkturprogramm. „Das muss jetzt endlich aufs Tapet kommen und spruchreif werden“, fordert Kammerpräsident Gringel von der Politik. Denn damit könne ein starkes Abkühlen der Konjunktur in den nächsten Jahren verhindert werden.

Dass es auch dem Hinterländer Handwerk gut geht, weiß Biedenkopfs Kreishandwerksmeister bei der Vorstellung des Konjunkturbarometers zu berichten: „Die Kollegen sind alle sehr zufrieden“, sagt Karlheinz Koch. Zum Teil werde händeringend nach Fachkräften gesucht, um die Aufträge abarbeiten zu können.

Zum 30. Juni 2012 befragte die Handwerkskammer Kassel wie jedes Vierteljahr 770 Betriebe aus Nord-, Ost- und Mittelhessen zur aktuellen Konjunkturentwicklung. Dabei wurden sowohl weiche Indikatoren (Geschäftslageeinschätzung) als auch harte Indikatoren (Auftragseingänge, Umsätze, Beschäftigte, Investitionen) abgefragt. 345 Fragebögen kamen aus den Betrieben beantwortet zurück. Die Auswertung erfolgte daraufhin nach sieben Handwerksgruppen.

(von Katharina Kaufmann)

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