Frankenberg

Handwerker, Tänzer und Burgfräulein

Frankenberg - Das „Kräuterweib“ gibt Tipps zum Aufbrühen von Tee, Stockbrot backt im knisternden Holzfeuer, in der Esse glüht Metall, Leinen ist zum Bleichen aufgespannt, Burgfräulein mit bunten Bändern im Haar flanieren, Mönche brauen Bier, ein Junker übt mit seinem Holzschwert – buntes Treiben herrschte am Wochenende auf der Wiese vorm Seniorenzentrum „Ederbergland“ in Frankenberg.

Ein „mittelalterliches Spectaculum“ samt „Heerlager“ und altem Handwerk begeisterte Bewohner und Besucher. Im Vorfeld des Sommerfestes hatten sich die Mitarbeiter zusammengesetzt: Zum zehnjährigen Bestehen des Zentrums wollten sie Bewohnern und Gästen etwas Besonderes bieten. Dabei kam die Idee zu der „Zeitreise“ an einem außergewöhnlichen Platz: Die Wiese sei noch nie zum Feiern genutzt worden, berichtet die Leiterin des Zentrums, Claudia Fajdiga.

Die rund 100 Mitarbeiter liehen sich von der Hallenberger Freilichtbühne historische Kostüme, sie kümmerten sich auch um den Verkauf von Essen und Getränken, die die Procon-Servicegesellschaft lieferte. Plastikgeschirr? Passt nicht zu diesem Fest. So gab es am Stand „Mundgerechtes“, Suppe im Rundbrot, und Gegrilltes und Salate auf Schalen aus geflochtenen Palmenblättern und Holz samt Holzbesteck, die „Taverne“ nebenan schenkte in Tonbechern aus. Auch Strohballen, Holzfeuer, bunte Stoffe und Holzbuden sorgten für historisches Flair. Das Team hatte zahlreiche ehrenamtliche Mitstreiter gefunden. Als „Glücksgriff erwies sich dabei, dass die Mitarbeiterin Silvia Huhn-Hoffmann den Heimat- und Kulturverein ihres Heimatdorfes Haine angesprochen hatte – der alles aufbot, was greifbar war: „Sie hat ihr gesamtes Dorf mobilisiert“, berichtet Fajdiga strahlend. Die Hainer führten den gesamten Prozess vom Fachs zum Leinen und von der Wolle zum Garn auf, sogar ihren Webstuhl hatten sie auf dem Rasen aufgebaut. Nebenan brauten „Mönche“ des Vereins Hainsches Bier, ein Schmied schlug auf dem Amboss Nägel zu, Seiler zeigten, wie früher Stricke hergestellt wurden, andere Männer bauten Rechen mit handgeschnitzten Zinken und banden Besen. Nicht wenige Senioren kannten derartige Arbeiten noch aus ihrer eigenen Jugend. Holzbuden fürs Markttreiben stellten die Ellershäuser und Hainer bereit, aus dem Wildpark kamen die Ziegen. Die Röddenauer Feuerwehr baute ein großes Zelt auf – das angesichts der Regenschauer am Samstagnachmittag auch erforderlich war. Gegen Abend setzte ein Gewitter dem bunten Treiben ein vorzeitiges Ende. Aber am Sonntag herrschte weitgehend trockenes Wetter vor, was noch mehr Besucher anlockte. Auch für Kinder hatte das Team allerhand vorbereitet. (sg)

Mehr lesen Sie in der Zeitungsausgabe der Frankenberger Zeitung am Montag, 8. August 2011.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare