Lokal war bis 2009 offen

Musik-Kneipe Havanna in Frankenberg wird abgerissen 

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Am 8. Januar rückten die Bagger an: Der Hübner-Bau, und damit das alte Havanna, wird abgerissen.

Mit dem Abriss des Tegut-Marktes in Frankenberg verschwindet auch das ehemalige Havanna. Die Livemusik-Kneipe an der Rückseite des Marktes war bis 2009 für viele Frankenberger ein zweites Zuhause.

„Es war eine richtig geile Zeit.“ Wenn sich der Frankenberger Torsten Laege an das „Havanna“ in der Siegener Straße erinnert, dann werden Erinnerungen an alte Zeiten wach. Fast zwei Jahrzehnte lang stand Laege hinter der Theke der Livemusik-Kneipe. 

Zunächst zusammen mit seinem Bruder Roland führte der inzwischen 52-Jährige den Live-Club von 1993 bis zu seinem Aus am 30. Dezember 2009. Nun ist das Lokal für alle Zeiten, für immer und ewig, Geschichte. Das Gebäude wird abgerissen.

„Das Havanna war mein zweites Zuhause“, sagt Laege. Anfang Januar hieß es für ihn, vom „Havanna“ endgültig Abschied zu nehmen. Erst wagte er einen letzten Blick vom Parkdeck des „Frankenberger Tores“ auf das gegenüberliegende Gebäude, dann durfte er sogar noch einmal durch die alten Räume wandeln. „Dabei habe ich mich vom Havanna endgültig verabschiedet. „Das war schon krass“, sagt Laege.

Auf dem ehemaligen Hübner-Areal zwischen Siegener und Auestraße sind Anfang Januar die Bagger zum Abriss angerückt. Früher befand sich dort auch der Hanse-Markt der Familie Hübner, dann bis 2015 eine Tegut-Filiale. Auf dem Areal soll wahrscheinlich nun ein neuer Lidl-Markt gebaut werden. 

Das alte Hübner-Gebäude kannte Laege sogar schon von Kindesbeinen an: „Bei Hübners hat früher meine Mutter gearbeitet.“

Von 1993 bis zum 30. Dezember 2009 führte Torsten Laege das „Havanna“ in der Siegener Straße in Frankenberg. 

Ihn fallen viele alte Anekdoten und Geschichten vom Havanna ein. Beispielsweise die Live-Auftritte von Paddy goes to Holyhead, von den Punk-Rockern „Die Schröders“ oder von der deutschen Popband „Bell, Book & Candle“ mit Leadsängerin Jana Groß. „Bei den Konzerten waren mitunter 400 bis 500 Menschen im Havanna. Das war atemberaubend. Am Eingang standen die Fans Schlange“, erinnert sich Laege. Oder die Besuche der Sängerinnen Jule Neigel (Schatten an der Wand), Ina Deter (Neue Männer braucht das Land) oder Anne Haigis (Dancing in the Fire): „Mit Anne Haigis saßen wir bis zum Morgengrauen zusammen und haben Musik gemacht.“

Auch die „kölschen Jungs“ von den „Brings“ gaben im „Havanna“ ihre musikalische Visitenkarte ab, ebenso das Trio „Till und Obel“ (Uns kann keiner) und die britische Popband T-Pau mit Sängerin Carol Decker (China in your Hand). „Das waren und sind auch heute noch berühmte Bands“, schwärmt Laege. „Den Laden habe ich mit viel Herzblut geführt. So ein Lokal gibt es in Frankenberg heute nicht mehr“, sagt Laege.

Anfangs spielte bei ihm jede Woche eine andere Band. Besonders gerne denkt er an die großen Feten zum Jahresende zurück: „Am 23. Dezember haben sich bei mir alle vergangenen Abi-Jahrgänge getroffen. Und auch am 30. Dezember wurde im Havanna kräftig gefeiert.“ Sogar an Heiligabend hatte Torsten Laege sein Lokal ab 20 Uhr geöffnet - nur an Silvester war zu.

Auf den 400 Quadratmetern gab es auch Dart, Billard, Tischkicker und Flipper. Die Gäste waren zwischen 16 und 75 Jahre alt. „Das Publikum war wie eine große Familie“, sagt Laege. 

Havanna in Frankenberg abgerissen: Auch Gäste trauern

Dem Ende des Havanna trauern außer ihm auch Gäste heute noch nach. „Das Havanna war wie ein Stückchen Zuhause“, sagt Sabine Wohlfarth aus Frankenberg. „Man ging einfach hin, es war immer jemand aus dem Freundeskreis dort. Eine Art Familienerweiterung. Und für die, die nach der Schule weggezogen sind, war genau dort der Ort, um zwischen den Jahren alle wieder zu treffen.“ 

Die 38-Jährige hat auf Facebook ein Foto von den Abriss-Arbeiten des Havanna gepostet. Mit dem Zusatz „Mach et jut“. Und etliche ihrer Facebook-Freunde haben ihren Beitrag kommentiert. „Auch wenn das Havanna schon jahrelang geschlossen ist, schwingt doch bei vielen Leuten - Gästen wie Mitarbeitern - ein großes Stück Wehmut mit, wenn sie die Bilder vom Abriss sehen“, sagt Wohlfarth. 

„Ich glaube aber auch, dass seit meinem Beitrag viele Stammgäste das ein oder andere Schmunzeln im Gesicht hatten beim Schwelgen in den Erinnerungen.“

  

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