Naturschutzgroßprojekt: Flächen bei Altenlotheim von Verbuschung freigemacht

Die Heide hat wieder Luft

Freie Flächen mit Heidebüschen, Magerrasen und Wacholder: Die Naturschutzfachleute (von links) Georg Schutte, Harald Wieck, Ortsvorsteher Heiko Backhaus, Carsten Müller und Achim Frede betrachten die freigeräumten Heideflächen bei Altenlotheim.

Altenlotheim. Die Bäume sind gefällt. Nun wird noch aufgeräumt. Schon in Kürze sollen Schafe hier ihren Einsatz haben. Mit Geld aus dem Naturschutzgroßprojekt Frankenau werden derzeit Heidelandschaften bei Altenlotheim renaturiert und vergrößert.

Drei heimische Unternehmen haben dafür den mehrere 10 000 Euro teueren Auftrag erhalten: Mit Maschineneinsatz fällte Ortwin Neuschäfer große Fichten und Kiefern, mit dem Rückepferd ist Ralf Finke in den steilen Hängen im Bereich Koppe am Arbeiten, und die Firma Schutte Landschaftsbau rückte mit Motorsensen gegen die Verbuschung an.

Ziel ist eine offene Landschaft, auf der die Heide sich entfalten kann, sagt Achim Frede, Forschungsleiter des Naturschutzgroßprojektes und des Nationalparks Kellerwald. Allerdings werde es dort im Sommer nicht so blühen, wie in der Lüneburger Heide. Typisch für die Flächen rund um Altenlotheim sind Magerrasen mit Heidenelken, Borstgras, Wacholder oder Heidelbeere – Lebensraum für seltene Pflanzen und Tierarten, wie etwa Heidelerche oder Raubwürger.

Mehrere Hektar hat das Firmen-Trio seit Ende 2009 freigeräumt. Im Fahrentriesch entsteht so eine große Heide- und Hutefläche. Es soll ein Landschaftsmuseum werden, erläutert Frede. Schafe weiden dort schon.

Achim Frede und Projektbetreuer Carsten Müller freuen sich, dass nach sechsjähriger Planungszeit für das Naturschutzgroßprojekt jetzt die ersten Maßnahmen im vollen Gange sind. Gearbeitet wird unter anderem auch in den Steilhängen am Edersee und im Bereich Hoher Keller. Aufträge für 300 000 Euro sind vergeben.

Frede betont, dass Wirtschaft und Landwirtschaft von dem Naturpflegeprojekt profitiert. Im Bereich Altenlotheim werden die Fichtenstämme vermarktet. Das Restholz wird vom Maschinenring Waldeck-Frankenberg geschreddert und zum Biomasseheizwerk Flechtdorf transportiert.

Bundesweite Bedeutung

Die entstehenden Heideflächen, die in ihrer Besonderheit bundesweit ihres Gleichen suchen, können – gepaart mit Aktionen wie Heidepfade, Führungen, Schafschur und Heidefest – Touristen anlocken, ist sich Frede sicher. So habe Naturschutz auch wirtschaftlichen Nutzen. Und der gebe Anreiz, die Flächen dauerhaft zu erhalten.

Die Altenlotheimer stehen dem Projekt offen gegenüber. Manche erinnern sich noch, wie die Menschen dort früher Schafe hüteten und Heidekraut als Einstreuung für die Ställe nutzten, erläuterte Ortsvorsteher Heiko Backhaus.

Der größte Teil der Heideflächen liegt im Nationalpark. Sie gehören zu Sonderzonen. Dort gilt das Ziel erhalten, während im übrigen Nationalpark das Schaffen einer Wildnis die Devise ist.

Von Martina Biedenbach

Quelle: HNA

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