Marburger Traditionsmolkerei

Heimisches Futter für Marburger Milch

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Geismarer und Hauberner Landwirte liefern an die Marburger Traditionsmolkerei und vermarkten ihre Milch in der Region. Auch in den Kühlregalen der Frankenberger Supermärkte ist die Milch aus Marburg erhältlich. Foto: Frank Seumer

Frankenberg - Geismar / Haubern - Nachhaltig, gentechnikfrei und regional - mit diesen Qualitätsmerkmalen werben zehn Geismarer und Hauberner Landwirte von der Marburger Traditionsmolkerei für ihre Frischmilch.

„Wir wollen die Vermarktung unserer Milch in eigener Regie und möglichst viel Wertschöpfung beim Landwirt behalten“, beschreibt Volker Mitze aus Geismar seine Motivation. Familie Schöneweiß (Haubern), Kurt und Inge Freitag, Erhard Paar, Werner Groß, Martin Krähling, Volker Mitze, Willi Mütze, Holger Paar, Horst Scheffel und Torsten Groß (alle aus Geismar) halten insgesamt mehr als 200 Milchkühe und liefern täglich rund 6000 Liter Milch nach Marburg. Drei von ihnen sind Haupterwerbslandwirte. Andere melken ihre Kühe morgens vor und abends nach der Arbeit. Drei fahren ihre Milch noch im Hofbehälter an die Straße. Jeden zweiten Tag kommt das Marburger Milchauto nach Geismar und Haubern.

Nach dem Rückzug der Schwälbchen-Molkerei Ende 2011 aus Marburg trafen sich mehr als 50 Milchbauern und beschlossen, wieder selbst in das Molkereigeschäft einzusteigen. Im August 2012 brachten sie die eigene Milch auf den regionalen Markt. Sie unterwarfen sich strengen Qualitätskriterien und verpflichteten sich zur gentechnikfreien Fütterung ihrer Tiere. Es wird weder Sojaschrot noch sonstige Futtermittel aus Übersee, sondern überwiegend heimisches Rapsschrot als Eiweißfutter eingesetzt. „Wir haben aus Überzeugung schon immer nur heimisches Futter verwendet“, sagt der Geismarer Kurt Freitag. Anhand von Rückstellproben wird das eingesetzte Futter regelmäßig kontrolliert.

In der Molkerei wird die Milch besonders schonend behandelt. „Wir sind derzeit die einzige Molkerei mit dem Prolong-Verfahren, welches eigentlich das älteste Verfahren zur Milchbehandlung ist“, erläutert Geschäftsführer Hans-Werner Wege. Die Milch wird mechanisch in zwei Zentrifugen entkeimt und in einer dritten entrahmt. Nur zur Pasteurisierung wird sie sehr kurz auf die vorgeschriebenen 72 Grad erhitzt. Dabei bleiben wichtige Inhaltsstoffe wie Vitamine und Enzyme erhalten. „Unsere Milch ist leichter bekömmlich“, betont der Molkereivertreter.

Vermarktet wird derzeit nur Frischmilch mit 3,8 und 1,8 Prozent Fettgehalt. Zu erkennen ist sie im Kühlregal an den bunten Tetra-Paks mit grüner Wiese und roter Kleeblüte. In Kürze will die Molkerei mit 18 Beschäftigten auch Schlagsahne, Saure Sahne und Joghurt anbieten.

Derzeit liefern 69 Landwirte aus dem Marburger und Frankenberger Land rund 23 Millionen Liter Milch pro Jahr. Die Traditionsmolkerei gehört zu den fünf selbständigen Molkereien in Hessen.

Kurze Transportwege vom Verbraucher zur Molkerei und zum Kunden gehören zur Unternehmensphilosophie der Genossenschaft. Die Frischmilch wird in allen Rewe- und Tegut-, Gutkauf und auch in Edeka- und Herkules-Märkten der Region angeboten. Neben einigen Direktvermarktern mit eigenem Hofladen werden auch Schulen und Kindergärten beliefert.

Die Geismarer und Hauberner Landwirte hoffen, dass ihre Milch überwiegend im Frankenberger Land zu den Verbrauchern gelangt. „Gläserne Produktion“ heißt ein Schlagwort, in dessen Rahmen für Schulklassen und andere Gruppen auch Molkereiführungen angeboten werden.

Von Frank Seumer

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