Allendorf

Heimisches Team bei "Rad am Ring": 24 Stunden lang „durch die grüne Hölle“

- Allendorf (Eder). Sebastian Greis, Hauke Weiß, Andreas John und Timo Hartmann sind als Staffel 24 Stunden lang mit ihren Fahrrädern auf dem Nürburgring gefahren. Timo Hartmann schildert in diesem Beitrag für WLZ-FZ die Erlebnisse beim „Rad am Ring“.

Das „24-Stunden-Radrennen durch die 
grüne Hölle“ ist eines der anspruchsvollsten Radrennen auf der ganzen Welt – das werden alle sagen, die mal dabei waren. Wir sind in diesem Jahr zum zweiten Mal mitgefahren.

Es ist Samstagmorgen, 7 Uhr, als wir unsere Pension in der Nähe des Nürburgrings verlassen. Für die nächsten zwei Tage ist die Nacht erst mal rum. Nürburgring, das heißt pro Runde sind 500 Höhenmeter, 72 Kurven und eine Strecke von 26 Kilometern zu absolvieren. Auf dem schnellsten Gefälle, der so genannten „Fuchsröhre“, erreicht man 90 bis 100 Stundenkilometer.

Ab Breitscheid, das ist nach zirka zehn Kilometern, geht es erst mal vier Kilometer bergauf – und zwar so, dass die Steigung von Kilometer zu Kilometer zunimmt. Im Durchschnitt elf Prozent und am Ende zwischen 17 und 19 Prozent – da sind wir dann auf der „hohen Acht“, mit 747 Metern über Null die höchste Erhebung der Eifel. Ab hier bleibt das Gelände sehr wellig und führt über Brünnchen, Pflanzgarten, Schwalbenschwanz, Galgenkopf auf die Döttinger Höhe. Das ist eine gut drei Kilometer lange Gerade. Immer mit viel Gegenwind.

Jetzt geht es durch die Schikane Hohenrain noch mal 13 Prozent bergauf, und wir können die Boxenanlage vor uns aufsteigen sehen. Über den Grand-Prix-Kurs durch das Mercedes-Omega, die Kurzanbindung, den Hatzenbachbogen zurück ins Fahrerlager und seitenverkehrt durch die Boxengasse. Das ist der Punkt, wo wir unseren Transponder und auch die Fahrer wechseln. Der Transponder ist für die Zeitnahme, so kann nicht gemogelt werden.

Auf der Strecke wurden schon Zeitfahren veranstaltet und sogar Rad-Weltmeister gekürt. Rudi Altig ist einer der Weltmeister, der uns mit seinem Charme betört und uns in seine Welt ganz selbstverständlich einbindet: „Wenn ihr einen Schnaps haben wollt, müsst ihr meinen Fernseher ans Laufen kriegen“, sagt er zu uns. Als Hauke ihm entgegnet, dass der Schnaps 30 Prozent Alkohol hat und wir doch noch Radrennen fahren wollen, sagt Rudi: „Ei, dann trinkst de halt die Hälfte, das sind dann nur 15 Prozent Alkohol ...“

Das Rennen beginnt am Samstagmittag. Hauke ist der erste Fahrer. Bei der ersten Runde ist besonders Vorsicht geboten, es wollen nämlich 4000 Fahrer auf die Strecke. Trotz der 18 Meter breiten Strecke wird es sehr gefährlich, und man muss höchst konzentriert sein. Alles geht glatt, und wir sind im Rennen.

Nach 53 Minuten ist Hauke schon wieder zurück von seiner Runde. Das ist eine sehr gute Zeit. Jeder von uns dreht seine erste Runde, und wir liegen im Mittelfeld. Das kann sich sehen lassen, wenn man sich die Konkurrenz anschaut, unter anderem Hanka Kupfernagel (Cross-Weltmeisterin), Klaus-Peter Thaler (viermaliger Radweltmeister) und viele Semi-Profis.

Auf zur zweiten Runde. Die 
soll nicht so toll laufen: Das größte Problem, das alle haben, ist die Hitze. Auf dem vier Kilometer langen Bergaufstück „steht“ die Luft – bei mehr als 30 Grad. Die Folge: Krämpfe in den Waden und Oberschenkeln. Man kann den Flüssigkeitsverlust nicht ausgleichen, die Menge an Getränken reicht nicht aus. Irgendwie schaffen wir die Runde aber alle.

Nun wird es dunkel in der 
Eifel. Das heißt auch, dass es nicht mehr so warm ist. Jeder baut jetzt sein speziell für die „Grüne Hölle“ gekauftes Licht an, denn wenn man mit fast hundert Stundenkilometern durch den dunklen Wald rast, braucht man schon ein gutes Licht. In der Nacht fahren wir Doppelrunden – so können die, die gerade nicht dran sind, sich ein bisschen hinlegen. Jeder versucht, im Zelt etwas Schlaf zu bekommen.

Geweckt werden wir von zwei charmanten Frauen – unsere Betreuerinnen, die sich sehr 
gut um unser Wohl kümmern. Sie schaffen es, 36 Stunden wach zu bleiben und uns zu versorgen. Besonderen Dank an Sabine, meine Frau, und an Katja Schneider, die Freundin von Basti. Danken wollen wir auch allen Überraschungsgästen aus Ernsthausen, Siegen und Ingelheim. So war immer gute Stimmung in unserem Zelt.

Eine Belohnung für den ganzen Aufwand und die Strapazen ist dann der Sonnenaufgang. Das gibt noch mal einen Schub nach vorne. Jetzt muss 
jeder noch einmal auf seine 
letzte Runde. Bei der Ankunft steht jedem die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Ich bin der Letzte, der auf die Runde geht, leider reicht es für Andreas nicht mehr, seine sechste Runde zu fahren.

Kurz vor dem Ziel kommen meine Mitfahrer dazu, und wir fahren gemeinsam nach 24 Stunden, 600 Kilometern und 11 500 Höhenmetern über die Ziellinie. Wir sind zusammen 23 Runden gefahren, haben damit Platz 337 von 661 erreicht. Das ist ein guter Platz im Mittelfeld. So haben wir wieder ein neues Ziel für 2011: Wir wollen unter die Top 200 fahren.

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