Netzwerk Integration in Frankenberg

Helfer brauchen Hilfe

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Dr. Raed Alsaaid bedankte sich im Namen aller Flüchtlinge für die freundliche Aufnahme in Frankenberg. Er will an der Eder bleiben, obwohl er Familie in Deutschland hat. Alsaaid hofft mittelfristig auf eine Stelle im Kreiskrankenhaus.

Frankenberg - Viele Frankenberger helfen den 71 Flüchtlingen im alten EAM-Gebäude und anderen Asylsuchenden in der Stadt und den umliegenden Dörfern. Doch es sind nicht genug: Noch in diesem Halbjahr sollen 50 weitere Flüchtlinge nach Frankenberg kommen. Das "Netzwerk Integration" sucht daher händeringend nach mehr ehrenamtlicher Hilfe.

„Wir haben gut angefangen“, resümiert Monika Lacher. Noch nicht einmal ein halbes Jahr gibt es das Frankenberger „Netzwerk Integration“, das sich um die Flüchtlinge in der Ederstadt kümmert. Und in dieser Zeit haben fünf Arbeitsgruppen Hunderte Stunden an Sportangeboten, Sprachunterricht, Freizeitvergnügen und mehr für Menschen aus Syrien, dem Kosovo, afrikanischen und vielen anderen Ländern organisiert. 71 Flüchtlinge leben inzwischen im „Haus Ahlborn“, dem ehemaligen EAM-Betriebsgelände am Kegelberg. „Und es hat bislang noch keine Probleme gegeben“, freut sich Betreiber Günter Ahlborn - dafür dankte er gerade auch dem Netzwerk: „Ohne eure Arbeit wäre das sicherlich anders“, sagte er.

Doch sehen sich die Freiwilligen vor großen Aufgaben: Bis zu 50 neue Flüchtlinge sollen im ersten Halbjahr nach Frankenberg kommen - also innerhalb der nächsten 15 Wochen. Keiner der Beteiligten weiß, wie das zu stemmen sein kann. Denn die Ehrenamtlichen stoßen an ihre Belastungsgrenzen. Für einige hat sich die Hilfe zu einem Vollzeitjob entwickelt: Sie fahren Flüchtlinge zu Ärzten und zum Sport, organisieren Kleiderspenden, helfen bei Behördengängen und sind als Ansprechpartner in allen Lebenslagen da.

Dass die Flüchtlinge die Arbeit der Netzwerkes schätzen, machte Dr. Raed Alsaaid deutlich. Der Mediziner flüchtete aus Syrien, war einer der ersten Asylsuchenden in Frankenberg und ebenso einer der ersten Bewohner, die das Haus Ahlborn wieder verlassen haben. Obwohl er Onkel in Deutschland habe, habe er sich bewusst für Frankenberg als künftigen Lebensmittelpunkt entschieden. Derzeit arbeitet er geringfügig beschäftigt bei einem Lichtenfelser Unternehmen und absolviert an den Wochenenden ein Praktikum im Krankenhaus - in der Hoffnung, dort einmal wieder als Arzt arbeiten zu dürfen.

Helfer sind „wie eine

Familie“ für Flüchtlinge

Alsaaid dankte auf Englisch: Die Frankenberger seien wie eine Familie. Sie hätten ihm Kleidung und ein Dach über dem Kopf geboten wie eine Mutter, sie hätten ihm Arbeit gegeben wie ein Vater, sie hätten mit ihm ihre Freizeit geteilt wie Geschwister und Cousins. Er und seine Mitbewohner hätten die Hoffnung auf ein neues Leben geschenkt bekommen - „und es ist kein einfaches Leben, sondern eines auf hohem Niveau“, sagte er und erinnerte an all die Unternehmungen, die die Freiwilligen den Bewohnern des Flüchtlingsheimes regelmäßig bieten.

In fünf Arbeitsgruppen sorgen die Freiwilligen dafür, dass dieses Angebot in der derzeitigen Form bestehen kann:

Deutschunterricht: Von den 70 Bewohnern nehmen gut die Hälfte das Angebot an, Deutsch zu lernen, bevor es nach Erteilung eines Aufenthaltsstatus in die offiziellen Kurse geht. „Man muss kein Lehrer sein, um bei uns zu helfen“, betonte Gruppenleiter Herbert Keim. Es gibt Gruppen für Alphabetisierung, Frauen und Kinder und speziell für Mediziner. „Wir brauchen dringend Helfer“, sagte Keim. Er kann unter Telefon 06451/3762 erreicht werden.

Fahrten und Begleitung: Susanne Wihl betonte: „Die Menschen wünschen sich Begleitung.“ Das helfe auch, sie in den deutschen Alltag zu integrieren. Mit derzeit fünf Freiwilligen werden Fahrdienste organisiert, geht es zu Ärzten oder Behörden. „Wir öffnen ihnen Türen“, sagte Wihl - und bat um Unterstützung. Kontakt über Martina Wiechens, Telefon 06451/714660.

Verschenken: Petra Wollbold-Meyer verwies darauf, dass insbesondere noch Kleidung für junge, schlanke Menschen benötigt werde. „Was wir nicht brauchen, sind Sachen in XXL“, erklärte sie. Insbesondere Sommerkleidung sei derzeit noch Mangelware, aber auch Koffer, Taschen und Rucksäcke. „Es soll aber nichts einfach im Haus abgegeben werden“, bat sie - sondern stets nach Absprache, und zwar bitte per Mail an wmpetra@web.de.

Handwerken: Fahrräder sind das große Thema der Handwerks-Gruppe - auch um die Flüchtlinge unabhängiger von freiwilligen Fahrten zu machen. „Wir leisten hier aber auch ein Einfügen in die deutsche Umwelt“, sagte Axel Riedel - denn zur Arbeit an den Rädern gehöre auch das Erlernen von Verkehrsregeln. Hilfe und Fahrradspenden können unter Telefon 06452/5759207 angeboten werden.

Sport und Freizeit: Extrem dingend sei Hilfe in diesem Bereich, bat Karl-Heinz Bastet. Meist sei er alleine verantwortlich. Die Flüchtlinge trainieren beim Budokan, schwimmen im Hallenbad und haben die Sporthalle der Friedrich-Trost-Schule. „In den Hallen muss aber immer eine Aufsichtsperson anwesend sein“, erklärte Bastet - nicht immer könne er das leisten. So war er auch betrübt, dass der TSV Frankenberg bei der Veranstaltung nicht anwesend war. Bastet nimmt Hilfsangebote unter Telefon 06451/1207 entgegen.

Er war es auch, der über Stadt und Kreis klagte. Insbesondere müsse ein Koordinator für die Wohnungssuche her, wenn schon bald 50 neue Flüchtlinge ankämen. Bastet forderte aber auch Hilfe bei Möbeltransporten, etwa vom Bauhof. Er bat, eine Lösung für den Versicherungsschutz zu finden - einige Großstädte versichern ihre Flüchtlinge bereits. Auch einen Bustransfer regte er an.

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