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Vor 25 Jahren: Fernseh-Aufzeichnungen rückten Frankenberg ins Rampenlicht

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Von: Klaus Jungheim

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Einer der Höhepunkte der TV-Karnevalssitzung: Mit viel Esprit und Begeisterung tanzten die Frauen der Turnerschaft aus Klein-Krotzenburg vor 25 Jahren ihren „Karneval in Rio“ – die 700 Zuschauer in der Frankenberger Großsporthalle tobten.
Einer der Höhepunkte der TV-Karnevalssitzung: Mit viel Esprit und Begeisterung tanzten die Frauen der Turnerschaft aus Klein-Krotzenburg vor 25 Jahren ihren „Karneval in Rio“ – die 700 Zuschauer in der Frankenberger Großsporthalle tobten. © Klaus Jungheim

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, sagt ein Sprichwort. Alte Zeitungen können aber noch sehr interessant sein. Das zeigen wir in unserer neuen Serie „Vor 25 Jahren“: Wir schauen uns die HNA von damals an und erinnern in loser Folge an spannende, ernste und unterhaltsame Themen aus der Zeitung.

Frankenberg – Menschen standen auf Bänken und Tischen, sangen und tanzten. In der Frankenberger Großsporthalle herrschten klimatische Verhältnisse wie in einer Sauna. Rund 700 konditionsstarke Narren feierten eine lange, rauschende Nacht: „Ovationen im Karneval-Tollhaus“ titelte denn auch unsere Zeitung am 1. Februar 1997 über einem ganzseitigen Bericht zur Fernseh-Aufzeichnung „Hessen lacht zur Fassenacht“.

Der Hessische Rundfunk hatte für seine bundesweit angelegte Karnevals-Show am 30. Januar 1997 die ansonsten nüchterne Sportstätten-Atmosphäre in einen farbenprächtigen Tempel des Karnevals verwandelt. Bühnentechniker zauberten Spiegel, Riesenfiguren aus Pappmaché, Kilometer von Deko-Vorhängen und Girlanden in die Großsporthalle.

Nicht auf den Sitzen hielt es viele der närrischen Zuschauer. Sie feierten ausgelassen und mit wenigen Atempausen – wie hier der junge Hans-Heinrich Heinze.
Nicht auf den Sitzen hielt es viele der närrischen Zuschauer. Sie feierten ausgelassen und mit wenigen Atempausen – wie hier der junge Hans-Heinrich Heinze. © Klaus Jungheim

170 Mitwirkende brannten auf der Bühne für die TV-Aufzeichnung ein viereinhalbstündiges Feuerwerk der guten Laune ab: Ob Büttenredner Heinz Burger, die singenden „Gebrüder Fürchterlich“, Pizzabäcker Ciro Visone, die Blaulichtsänger, Corinna Orth als „Die Dolle“, Horst Walter als „Horsti, der Boxer“, die Tänzerinnen aus Klein-Krotzenburg mit heißen Samba-Rhythmen oder „Adam und die Micky‘s“ mit der „Runkelroiweroppmaschin“: die Halle tobte.

Die TV-Aufzeichnung „Hessen lacht zur Fassenacht“ wurde wenige Tage später viermal ausgestrahlt: im HR, im NDR und in Ausschnitten auch im Gesamtprogramm der ARD.

Mit Hütchen: Auch der damalige Revierförster Erich Reitz feierte ausgelassen mit.
Mit Hütchen: Auch der damalige Revierförster Erich Reitz feierte ausgelassen mit. © Klaus Jungheim

Vor 25 Jahren gehörte Frankenberg in den Monaten Januar und Februar mehrfach zum Programm des Hessischen Rundfunks. Nach dem Fernsehquiz „8.... und fertig los“ im HR-Studio in Kassel, an dem ein Team aus Frankenberg teilnahm, und der Karnevals-Show in der Frankenberger Großsporthalle rückte die Illerstadt mit der Sendung „Handkäs‘ mit Musik“ erneut ins Rampenlicht.

„Gleich drei auf einen Streich“ lautete die Überschrift unseres Artikels über diese Volksmusik-Fernsehsendung am 6. Februar 1997. Denn: Von der beliebten Sendereihe des HR wurden in der Frankenberger Großsporthalle an einem Abend drei Folgen aufgezeichnet. 650 Besucher verfolgten am 4. Februar 1997 die musikalischen Darbietungen unter anderem von Tony Marshall, Maria und Margot Hellwig sowie Margitta und ihren Töchtern.

Zum Programm gehörten auch Vorführungen von heimischen Teilnehmern. Die Landfrauen aus Haubern zeigten, wie Schepperlinge zubereitet werden, und Karl Klingelhöfer aus Rosenthal fertigte vor laufenden TV-Kameras Besen aus Birkenreisig.

Gerhard Finkeldey erinnert sich: „Ruckzuck ausverkauft“

Die 700 Besucher der Fernseh-Aufzeichnung „Hessen lacht zur Fassenacht“ kamen 1997 aus ganz Hessen, aber auch aus dem Frankenberger Land. Ein Frankenberger war sogar obenauf und saß den ganzen Abend über im Elferrat: der damalige Ordnungsamtsleiter bei der Stadt Frankenberg, Gerhard Finkeldey. Er war das einzige Mitglied aus der Region in diesem närrischen Gremium.

Der heute 71-Jährige erinnert sich – auch daran, wie der Kontakt zum Hessischen Rundfunk zustande kam:

„In den 1990er-Jahren fand in Frankenberg am Pfingstsamstag im Festzelt immer ein ,Bunter Abend‘ statt. Als für den Pfingstmarkt Zuständiger musste ich schon immer zu den Proben anwesend sein. Bei einer dieser Veranstaltungen war Karl Oertl Moderator. Ich wusste, dass er im Fernsehen ,Hessen lacht zur Fassenacht‘ moderiert und für den Ablauf zuständig ist.

Nachdem ich ihn näher kennen gelernt hatte, kam mir die Idee, ihn wegen einer solchen Sendung aus Frankenberg anzusprechen. Er versprach, sich dafür einzusetzen – und eines Tages standen wirklich die vom HR Verantwortlichen bei mir im Büro. Nach Abklärung verschiedener Einzelheiten, nach Rücksprache mit dem Landkreis wegen der Großsporthalle, nach Rückendeckung durch den damaligen Bürgermeister Eichenlaub usw. wurde die Sache konkret und der Stadt die entsprechenden Verträge übersandt.

Einziges Mitglied im Elferrat aus der Region war 1997 der Frankenberger Ordnungsamtsleiter Gerhard Finkeldey (Mitte), der neben dem Präsidenten Karl Oertl (rechts) thronte.
Einziges Mitglied im Elferrat aus der Region war 1997 der Frankenberger Ordnungsamtsleiter Gerhard Finkeldey (Mitte), der neben dem Präsidenten Karl Oertl (rechts) thronte. © Klaus Jungheim

Ein Jahr vor den Sendungen aus Frankenberg ,Hessen lacht zur Fassenacht‘ und ,Handkäs‘ mit Musik‘ fand eine Direkt-Übertragung von ,Hessen lacht...‘ aus Lauterbach statt. Karl Oertl rief mich vorab an und erklärte mir, dass der jeweils Zuständige bei der Stadt dort im Elferrat sitzen würde. Und zwar bereits ein Jahr vor der ,eigenen‘ Sendung. Obwohl ich bis dahin weder einen Bezug zu Karneval hatte, noch jemals im Fernsehen aufgetreten war, wurde alles schnell Wirklichkeit. Ich wurde mit meiner Ehefrau Petra vom Hessischen Rundfunk eingeladen. Wir waren nach der Sendung in einem Hotel vor Ort untergebracht.

Vor der Sendung am Nachmittag fand eine Generalprobe statt. Für die Sendung am Abend wurden wir vom HR eingekleidet und ausgestattet. Während der Direkt-Übertragung wurden wir von einem HR-Betreuer im Kostüm regelmäßig mit Wein versorgt. Für mich tolle, unvergessene Erlebnisse, deren Steigerung ein Jahr später in Frankenberg erfolgte. Die in Lauterbach kennen gelernten Aktiven habe ich ja hier auch wieder getroffen...

Rund zwei Wochen nach diesem Termin bekam ich dann noch vom Hessischen Rundfunk direkt eine Einladung zur Aufzeichnung der Sendung ,Handkäs‘ mit Musik‘ unter anderem mit Heintje und vielen bekannten Sängerinnen und Sängern.

Ein Jahr später mussten dann konkret die Vorbereitungen für Frankenberg getroffen werden. Mehrfach waren Vertreter des HR vor Ort, um Einzelheiten abzusprechen und abzuklären wie Abstellung der Lkw, Unterbringung des Aufbaupersonals, Verkauf der Eintrittskarten, Catering, Garderobe usw.

Gerhard Finkeldey heute: Viele Erinnerungsstücke und viele Bekanntschaften.
Gerhard Finkeldey heute: Viele Erinnerungsstücke und viele Bekanntschaften. © Klaus Jungheim

Für das Catering konnte ich Franjo Maric von der Ederberglandhalle vermitteln. Das Aufbaupersonal wurde in der Ratsschänke (Säule) untergebracht, für Garderobe und Hilfspersonal habe ich Kollegen von der Stadt geworben.

In den Weihnachtsferien rückte dann das Personal zum Aufbau mit vielen Lkw in Frankenberg an. In der Großsporthalle, es waren ja Ferien, wurde dann in der Halle das komplette Studio aufgebaut. Die Laster mit dem Material parkten auf dem Schulhof der Ortenbergschule. Bevor es mit dem Aufbau richtig zur Sache ging, haben sich die HR-Mitarbeiter in einem Keller der Halle eine schöne Bar mit Zapfhahn und allem eingerichtet. Dort haben wir mit den Fernseh-Leuten nach Feierabend so manchen Schoppen getrunken.

Unvergessen für mich bleibt auch der Kartenverkauf durch die Stadt. Die Anfragen aus ganz Hessen waren riesig, und es war sehr schwer, allen Sitzwünschen nachzukommen. Ruckzuck war die Karnevals-Show ausverkauft.

Am Tag der Übertragung war die Spannung groß. Mit allen Beteiligten fand nachmittags wieder eine Generalprobe statt. Der Ablauf für die Sendung mit Einmarsch und jedem Auftritt wurde bis ins Detail geprobt. Pünktlich um 20.11 Uhr ging es dann vor ausverkauftem Haus und komplettem Studio in der Sporthalle auf Live-Sendung.

Eine Videokassette von der Sendung, viele Erinnerungsstücke und viele Bekanntschaften lassen mich noch heute gerne zurückblicken.“

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