Rennertehausen

Hinter jedem Modell eine Geschichte

- Allendorf-Rennertehausen (schä). Wären sie echt, hätte Thomas Schmidt eine der größten Speditionen. Doch auch im Maßstab 1:87 bestimmen die Lastzüge den Tagesablauf des Rennertehäusers. Er besitzt mehr als 200 Miniaturmodelle.

Mehr oder weniger große Maschinen haben schon immer eine Rolle gespielt im Leben von Thomas Schmidt. Privat und beruflich. Schon durch seinen Vater wusste er einiges über Lastwagen – Schmidt senior war „Brummifahrer“ bei Viessmann.

Und Schmidt selbst restaurierte sich zum Beispiel einen alten Eicher-Traktor. Die Sammelleidenschaft entwickelte sich aber eher durch Zufall. Als Schmidts Vater starb, hinterließ er dem Junior einige Lastwagen-Modelle. Es waren just die Lkw, in denen er selbst saß und bei Viessmann als Fahrer unterwegs war.

Was tun mit den kleinen Erinnerungsstücken? „Damit hat die Sammelei angefangen, das war 1999“, blickt Thomas Schmidt heute zurück. Und in den etwas mehr als zehn Jahren ist er ein fleißiger Sammler geworden; sammelt nicht wahllos so viele Lkw-Modelle wie möglich, sondern gezielt. Dennoch sind schon mehr als 200 Raritäten zusammengekommen: Klassiker wie die Lastzüge von Brauereien, Lebensmittelmärkten und bekannten Speditionen; aber auch ganz persönliche Stücke.Im Mittelpunkt von Schmidts Interesse steht – wie beim Vater – die Fahrzeugflotte seines Arbeitgebers, der Firma Viessmann. Sie nimmt einige Reihen ein in den beiden beleuchteten Vitrinen, die Schmidts Wohnzimmer zieren. Sie sind Ausdruck der industriellen Entwicklung und geben praktisch auch ein Stück Firmengeschichte Viessmanns wieder: über die einstigen Anhänger mit dem großen Daumensymbol der Kampagne „Wir drücken den Energiepreis“ bis hin zum Spezial-Sattelschlepper, der die großen Bahn-Container vom Bahnhof zum Firmengelände bugsierte.Und was sieht man da in der untersten Reihe: Nicht immer war Orange die dominierende­ Farbe, mit der man das Unternehmen verband. Bis in die 70er-Jahre gab es quasi auch Viessmann-Grün. Diese Farbe­ hatten seinerzeit noch die fahrbaren Untersätze des Heiztechnik-Herstellers. „Verkaufen würde ich die nie“, sagt Schmidt, der meist nicht zum Verkaufen, sondern eher zum Kaufen auf die ein oder andere Ausstellung fährt. Mangels Angebot wird aber meist im Internet gehandelt – und da kommt Gattin Hiltrud ins Spiel. „Wenn mein Mann an der Arbeit ist, bekomme ich den Auftrag, für ihn etwas zu ersteigern. Dann setze ich mich an den Computer, und los geht’s“, erzählt sie.

Dabei geht es gar nicht immer darum, seltene Modelle für die Sammlung zu ergattern. Mitunter sind es auch Bausätze für Fahrzeugmodelle, die Thomas Schmidt zum Zusammenbau von anderen „Wunschautos“ braucht. Viele seiner Modelle­ hat er nämlich nach speziellen Wünschen anfertigen lassen oder selbst zusammengebastelt aus Teilen anderer Bausätze. Unterstützung erhält er dabei oft von heimischen Handwerker, zum Beispieler einer Lackiererei.

So sind inzwischen nicht wenige „Schmidt-Sondermodelle“ entstanden, zum Beispiel durch akribisch zusammengebaute „Extras“ oder einen individuell gestalteten Schriftzug auf dem Aufleger des Lastzuges.

Schmidt achtet dabei auch auf Kleinigkeiten, etwa die Zugmaschine des richtigen Herstellers, das richtige Führerhaus, ein passendes Nummernschild und Ähnliches.

„Auf solche Details lege ich viel Wert, schließlich sollen die Modelle originalgetreu sein“, sagt Schmidt, der manchmal täglich an einem „Schmuckstück“ arbeitet, bis es perfekt ist. „Neben der Arbeit und meinen anderen Hobbys nehme ich mir Zeit dafür. Bis alles in Ordnung ist, zum Beispiel der Lack getrocknet ist, dauert das schon mal vier, fünf Tage.“

Es wundert nicht, dass Schmidt dadurch mit vielen seiner Mini-Laster eine bestimmte Erinnerung verbindet oder eine Verbidung zu diesem und jenem Fahrzeug hat: „Hinter fast jedem Modell steckt eine Geschichte.“

Nicht nur hinter den „Erbstücken“ des Vaters. Auch hinter der Sonderanfertigung „Eicher“ zum Beispiel – einem Lastzug mit großen Abbildungen eines Traktors dieser historischen Marke, wie ihn auch Thomas Schmidt besitzt. Den hat er sich selbst restauriert.Ohne zu übertreiben, kann der Rennertehäuser Hobbysammler sagen: „Hier stehen einige Unikate in der Vitrine.“

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