Historiker bewertet Aufnahme der Hugenotten neu

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Französische Traditionen: Lange blieben die Menschen in Louisendorf, hier eine Dorfszene nach 1900 mit den Familien Armand und Becker, mit ihren kirchlichen Strukturen, ihrem Brauchtum und ihrer Sprache unter sich.

Burgwald. Bisher galten die Hugenotten als Beispiel einer gesellschaftlichen Integration von Fremden. Etwa 4000 Glaubensflüchtlinge fanden nach der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 in Nordhessen eine neue Heimat, Kolonien wurden auch in der Frankenberger Region und im Burgwald gegründet.

Dort hat die jüngste Buchveröffentlichung „Hugenotten“ von Dr. Ulrich Niggemann für Aufsehen gesorgt, denn der Marburger Historiker fordert: „Wir müssen uns von dem Mythos verabschieden, dass der Fall der Hugenotten ein Beispiel für die besonders gelungene Integration einer Minderheit ist.“

Schon in seiner im Jahr 2007 vorgelegten Doktorarbeit über „Auseinandersetzungen um die Hugenottenansiedlung in Deutschland und England 1681 bis 1687“ hatte der Wissenschaftler deutlich gemacht, dass die hugenottische Immigration als gelungener Integrationsprozess zu einem „deutschen Erinnerungsort“ geworden sei, der auch in aktuellen politischen Debatten gerne verwendet werde.

In seinem neuen Taschenbuch, das in erster Linie auf 122 Seiten interessierten Lesern und Studierenden eine verknappte, zusammenfassende Einführung in die Hugenottengeschichte geben soll, verschärft Ulrich Niggemann seine Thesen von einer hugenottischen „Imagebildung“ und „Mythologie“.

„Es wird in den Medien heute immer noch so getan, als könne man die Hugenotteneinwanderung als Vorbild für die öffentlich debattierte Integrationsproblematik verwenden“, bekräftigte Dr. Niggemann seine kritischen Thesen auch noch einmal gegenüber der HNA. Bei der Einwanderung der Hugenotten in Deutschland habe es für die damit befassten Behörden überhaupt keine Rolle gespielt, eine Integration von Individuen in die aufnehmende Gesellschaft zu erreichen.

Vielmehr habe man ihnen als Korporationsgesellschaften zahlreiche Sonderrechte zugestanden, Unterschiede in der Rechts- und Sprachtradition gewährt. Die „Binnenintegration“ der unterschiedlichen Einwanderer in den Kolonien mit ihren Eliten sei weitaus komplizierter gewesen.

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Quelle: HNA

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