Löhlbach

„Historisches bewahren, Infrastruktur schaffen“

- Haina-Löhlbach (apa). Mit zwölf Ja- und acht Nein-Stimmen fällt das Parlament den Grundsatzbeschluss für das Konzept „Unter den Linden“ zum weiteren Nutzung des Schulgeländes.

Knapp 40 Zuschauer waren am Donnerstagabend in die Parlamentssitzung nach Löhlbach gekommen: Das Interesse an der Entwicklung der „Schule unter den Linden“ ist weiterhin groß. Auf der Tagesordnung stand der Grundsatzbeschluss, der nötig war, damit die Gemeinde weitere Planungen für die Entwicklung eines Dorfzentrums mit Läden und Wohneinheiten in Auftrag geben und mit den potenziellen Mietern verhandeln kann. Eine Entscheidung für eine der beiden Versionen – die mit Fahrstühlen für 1,18 Millionen Euro oder die ohne Fahrstühle für 976 000 Euro (FZ berichtete ausführlich) – musste an diesem Abend nicht gefällt werden. Doch der Grundsatzbeschluss machte seinem Namen alle Ehre: Denn die Gemeindevertreter diskutierten über die grundsätzliche Bedeutung einer solchen Entscheidung. Zwei Fraktionen – SPD und Freie Bürgerschaft Löhlbach, kurz FBL – sprachen sich mit insgesamt zwölf Stimmen für die Einrichtung von Supermarkt, Bank, Bäckerei und Wohnungen für behinderte Menschen aus. Wilhelm Schäfer (SPD) ergriff zuerst das Wort: „Wir sehen die Chance für die Gemeinde, zu beeinflussen, in welche Richtung es gehen wird“. Er verwies auf fehlende Arztpraxen, Lebensmittelläden und Busverbindungen. Der Löhlbacher appellierte, auch einen Schritt auf den größten Arbeitgeber der Großgemeinde zuzugehen. „Die Schulpolitik des Kreises hat in den letzten zwölf Monaten in der Großgemeinde viel unnötigen Zank und Zwietracht hervorgebracht“, erinnerte Heinz Brück (FBL) an die Vorgeschichte der leer stehenden Schule. Mit dem neuen Nutzungskonzept werde nicht nur das historische Schulgebäude bewahrt, sondern auch Infrastruktur geschaffen. „Wenn wir als Gemeindevertreter den Kopf in den Sand stecken, um Kirchturmpolitik zu machen, und die Chancen und Möglichkeiten nicht nutzen, um in die Zukunft zu investieren, sind wir bald Vergangenheit“, warnte Brück. Acht Gemeindevertreter von BGH und UBD stimmten gegen den Beschluss. Frank Happel (BGH) nannte vier Punkte, die aus Sicht seiner Fraktion gegen die Investition sprechen: l die wirtschaftliche Betrachtung, nach der die Mieteinnahmen nicht ausreichen, um Zins und Tilgung zu tragen; l die Baukosten, die bei vergangenen Projekten oft höher ausgefallen seien als geplant; l das Risiko, wenn die Pachtverträge nach zehn Jahren auslaufen und möglicherweise nicht verlängert werden, Zins und Tilgung aber weitere 20 Jahre gezahlt werden müssen; l der Haushalt der Gemeinde, in dem die Investition auf Kosten anderer Projekte wie die Wünsche der Ortsbeiräte gehen würde. Erhard Hofmeister (UBD) Stimmte ihm zu: „Wir haben das Geld nicht“. Bernhard Keute (FBL) betonte, sich gegen den Grundsatzbeschluss zu verschließen, bedeute zugleich, sich gegen die Schaffung von Lebensqualität zu verschließen. „Dagegen stimmen heißt, für eine künftige Bauruine stimmen“. Wenn die Gemeinde diese Chance nicht nutze, habe sie „einen Riesenfehler begangen“. Dafür bekam er spontanen Applaus vom Publikum.

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