"Kanu Vöhl" besteht seit 25 Jahren

Hochzeitsreise im Faltboot verbracht

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Waltraud und Horst Vöhl betreiben seit 25 Jahren einen Kanufachhandel. Das Kanufahren ist ihre große Leidenschaft, die sie zum Nebenberuf gemacht haben.

Frankenberg - Ein junger Mann, der am Edersee wasserdichte Rollsäcke zum Verkauf anbot, brachte Horst Vöhl vor 25 Jahren auf eine Geschäftsidee. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Waltraud machte der begeisterte Kanute aus dem Hobby einen Nebenberuf.

„Was der kann, können wir auch“ - mit diesem Satz begann die Geschichte des Unternehmens „Kanu Vöhl“. Angeregt von dem jungen Mann am Edersee überlegte sich Horst Vöhl, dass in seinem Hobby, dem Kanufahren, Potenzial für ein Geschäft steckt. Und so begann er, Boote, Anhänger und Paddel zu verkaufen. Zu seinen Kunden zählten Schulen und Vereine. Im Lauf der vergangenen 25 Jahre entwickelten sich zwei Betriebszweige aus dem Kanu-Handel: Der Laden, den Vöhls in ihrem Wohnhaus einrichteten, und „Eder-Fulda-Tour“ für Kanuverleih und geführte Fahrten.

Bis zu 80 Kanus im Verleih

Weil die Saison für Kanuten nur von Mai bis September dauert, blieb der Kanuhandel und -Verleih ein Nebenerwerb. Waltraud Vöhl übernahm die Führung des jungen Unternehmens, ihr Mann verdiente seinen Lebensunterhalt weiterhin als Verkäufer. Gelernt hatte er im Frankenberger Kaufhaus Scharf, später verkaufte er in verschiedenen Firmen Autos, Baustoffe und Flachdachprodukte.

Anfangs hatte das Ehepaar einen Anhänger, auf den zehn Boote passten. Einer der beiden begleitete die Kunden auf dem Wasser, der andere fuhr mit dem Auto zu den Rastplätzen oder zum Ziel. „In den Glanzzeiten hatten wir 80 Boote“, erinnert sich Horst Vöhl. Heute sind es etwa 60 Kajaks und Canadier (siehe Kasten), von denen der Großteil auf der Fulda unterwegs ist.

In den meisten Fällen unternehmen die Kunden Fahrten auf eigene Faust, die Vöhls organisieren den Transport und Verleih der Boote. Fünf bis zehn Mal pro Jahr ist Horst Vöhl aber im buchstäblichen Sinne mit im Boot und führt eine Wasserwanderung, etwa Klassenfahrten und Betriebsausflüge.

Bei diesen Anlässen haben die Vöhls schon so manche Anekdote erlebt. Gut erinnert sich Horst Vöhl etwa an einen Betriebsausflug, bei dem ein Mitfahrer unterwegs nicht mehr weiterpaddeln wollte und seinen Mitfahrer einfach allein weiter geschickt hatte. Der Mann ließ sich erst am nächsten Morgen an der Arbeit wieder blicken.

Als Horst und Waltraud Vöhl ihren Kanu-Verleih gründeten, durfte noch jeder auf der Eder bei Frankenberg paddeln - zehn Jahre später verbot das Regierungspräsidium dies für gewerbliche Anbieter. Wenn die Vöhls Kanutouren führen, müssen sie deshalb erst mit dem Anhänger bis zum Edersee oder weiter fahren.

Auf der Eder in und um Frankenberg darf Vöhl mit seinem Booten nur für Probefahrten ins Wasser. Für Vereine hingegen ist die Eder auch auf diesem Abschnitt freigegeben - vorausgesetzt, der Wasserstand reicht aus. Bis heute sind die Vöhls unmittelbar von der Wasserwirtschaft betroffen: So müssen sie immer genau wissen, wie viele Kubikmeter aus der Edertalsperre abgelassen werden, denn dies hat Auswirkungen auf die Eder ab Affoldern. So manches Mal schon änderte sich die Wassermenge kurzfristig und Horst Vöhl musste Touren ändern - aus Sicherheitsgründen. „An Tagen mit großen Ablassmengen kommen auch geübte Kanuten nicht gegen die Strömung an“, begründet der Frankenberger.

Das Kanufahren ist seine Leidenschaft. Schon als Kind sah er in der Badeanstalt immer wieder Boote vorbeifahren. Das faszinierte ihn. Er trat dem Frankenberger Kanu-Club bei und kaufte sich um 1960 ein eigenes Kanu. Vöhl blieb dem Sport verbunden: Unter anderem war er erster und zweiter Bezirksvorsitzender und 39 Jahre lang Kreiskanufachwart im Sportkreis Frankenberg. Und auch seine eigenen Kinder wuchsen mit dem Kanusport auf und sind heute im Geschäft eingebunden.

Durch den Ärmelkanal

Für Waltraud Vöhl, die längst eine Expertin in Sachen Kanufahren und Ausrüstung ist, war dieser Wassersport vor der Ehe noch etwas völlig Neues; sie konnte anfangs nicht einmal schwimmen. Die Hochzeitsreise führte dennoch im Faltboot auf die Altmühl. Heute ist die Fähigkeit zu schwimmen Voraussetzung, um ein Kanu zu leihen.

Die „Krönung“ für beide war eine Kanufahrt auf dem Ärmelkanal von Dover nach Calais. Die Tour dauerte sechs bis acht Stunden - länger als sie eigentlich hätte dauern müssen, denn einige Engländer, die mit ihnen unterwegs waren, mussten öfter Pausen einlegen und Wasser schöpfen. „Die hatten alle lecke Boote“, erinnert sich Vöhl schmunzelnd.

Weil Horst Vöhl bereits 68 und seine Frau 63 Jahre alt ist, möchten die beiden ihr Angebot gerne verkleinern und die Kanufahrten auf der Fulda aufgeben. Dort sind die Vöhls der größte Anbieter für Kanufahrten.Die Suche nach einem Nachfolger war bisher aber erfolglos.

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