Burgwald

Holz verschwindet unter „Totenkleid“

- Haina-Dodenhausen (apa). Buchenscheit um Buchenscheit wird gezielt aneinander gelegt, vier schmale Fichtenstämme gucken oben heraus. Doch schon 24 Stunden später ist vom Holz nichts mehr zu sehen: Dann bedeckt das sogenannte Totenkleid den Meiler im Kellerwald.

Zum dritten Mal nach 2003 und 2007 lädt der Heimat- und Geschichtsverein zur Köhlerwoche ein. Erstmals erweckten die Dodenhäuser das alte Handwerk zum Jubiläumsfest zu neuem Leben. In diesem Jahr wollen sie es erstmals allein schaffen – 2007 war noch ein Köhlermeister aus dem Spessart dabei. Allerdings können die Dodenhäuser jederzeit auf Nachbarschaftshilfe zählen, freut sich Werner Otto, der den Aufbau organisiert: In Jesberg gibt es einen aktiven Köhlerverein.

Das Köhlerhandwerk hat Tradition im Kellerwald: Bis nach dem Zweiten Weltkrieg bestand ein Köhler- und Fuhrunternehmen in Dodenhausen, das an verschiedenen Standorten bis in den heutigen Nationalpark hinein Kohle herstellte. Daran kann sich Werner Otto noch gut erinnern, ebenso wie andere aus dem Dorf. Holzkohle war in der Region dringend nötig, denn sie wurde zum Schmelzen von Eisenerz benötigt, das überall im Kellerwald abgebaut wurde. Denn mit Holzfeuern konnten die nötigen Temperaturen zum Schmelzen nicht erreicht werden.Bis heute kann der aufmerksame Wanderer im Kellerwald noch die alten Meilerstandorte entdecken: Ebene, kreisrunde Kohlplatten von einem Durchmesser von acht bis zehn Metern, mit schwarzer Erde bedeckt, weisen auf die einstigen Meilerstandorte hin.

„Die letzten Meiler sind von den Amerikanern in Brand geschossen worden“, erzählt Werner Otto, denn die Soldaten hätten den aufsteigenden Rauch nicht zuordnen können. In den vergangenen Tagen haben freiwillige Helfer vom Heimat- und Geschichtsverein den Meiler aufgebaut. Bis zu 30 Freiwillige helfen beim Aufbau, bei der Organisation, der Wache und bei der Bewirtung im Zelt direkt am Meiler. Kegelförmig wird das Holz aufgestapelt. Insgesamt wird der Meiler, der in der Mitte einen Hohlraum behält, etwa 2,50 Meter hoch, der Durchmesser beträgt sechs Meter.

Der Meiler befindet sich im ehemaligen Steinbruch im „Kummerwald“. Besucher gelangen über den Feldweg dorthin, der hinter dem Stall zwischen Dodenhausen und Haddenberg nach rechts abzweigt. Wer Interesse an einer Gruppenführung am Meiler oder am Kauf von Holzkohle hat, meldet sich bei Mitorganisator Werner Otto, Telefon 06456/484.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag 19. Mai

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