Ärger um Asylbewerberheim

Holzhäuser kritisieren Landkreis

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- Das Wort „Bürgerinistiative" fiel am Freitagabend häufiger: Viele Holzhäuser sind empört, dass sie vom Landkreis vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Denn schon am Dienstag ziehen die ersten Asylbewerber in die ehemalige Gastwirtschaft mitten im Dorf ein.

Er habe erst am vergangenen Mittwoch aus der FZ erfahren, dass die Asylbewerber schon in der nächsten Woche einziehen, sagte Ortsvorsteher Oliver Zissel in einer Bürgerversammlung am Freitagabend. Auch Bürgermeister Uwe Ermisch hat laut Zissel davon nichts gewusst. Diese augenscheinlich nicht vorhandene Informationspolitik des Landkreises sorgt für Kopfschütteln bei den Besuchern der Versammlung. Denn der bevorstehende Einzug der Asylbewerber in der nächsten Woche war erst durch FZ-Recherchen ans Licht gekommen. „Hier wird man einfach überfahren“, sagte Eckard Zissel, der dem Stadtparlament angehört. Vor 20 Jahren habe der Landkreis zumindest die Bürger unterrichtet, erzählten einige Holzhäuser.Damals war der Hof mitten im Dorf schon mal ein Wohnheim für Asylbewerber. Direkt daneben befinden sich die Bushaltestelle und das Backhaus. „Das ist ein kultureller Mittelpunkt“, sagte der frühere Ortsvorsteher Werner Blanc. Das Gebäude stand schließlich leer und verfiel, bis es die Stadtallendorfer Reinigungsfirma Hentrich kaufte. Sie betrieb dort ab 2005 die „Holzhäuser Stube“ mit Kneipe Pension, die seit einem Wasserschaden im vergangenen Winter geschlossen war.

In diesem Jahr reagierte Firmenchef Bernhard Hentrich auf eine Anzeige des Landkreises und bot das Haus als Unterkunft für Asylbewerber an. Nach den erforderlichen Umbauarbeiten würden am morgigen Dienstag die ersten Menschen einziehen, sagte Hentrichm der am Feitagabend die Bürgerversammlung besuchte. Aus welchen Ländern sie kämen, wisse er nicht. Ortsvorsteher Oliver Zissel betonte erneut, dass sich das Dorf nicht in eine rechte Ecke stellen lasse. Es gebe aber schlicht im Ort nichts, womit sich die Menschen beschäftigen könnten – und die Busverbindungen seien auch schlecht. „Hier ist doch nichts“, rief eine Bürgerin während der Versammlung.Asylbewerber – die am Freitagabend auch „Wirtschaftsflüchtlinge“ genannt wurden – sollen nicht mitten im Dorf wohnen, finden die Holzhäuser. Viele erinnern sich noch gut an die Zeit vor etwa 20 Jahren. Damals war die alte Dorfkneipe schon einmal ein Heim für Asylbewerber, allerdings deutlich mehr als die 17, die nächste Woche einziehen. Häufig sei die Polizei vor Ort gewesen, erinnerten sich ältere Bürger.

Wie berichtet, muss der Landkreis Vorgaben des Landes erfüllen und mehr Asylbewerber unterbringen, als derzeit Plätze vorhanden sind. Bei allem Ärger: Verhindern könnten die Holzhäuser den Einzug der Asylbewerber nicht, machte Ortsvorsteher Zissel deutlich: „Es gibt eigentlich nichts zu diskutieren.“ Dennoch fiel am Freitag mehrfach das Wort „Bürgerinitiative“, wenn gleich Oliver Zissel und Eckard Zissel gleichermaßen auf die Aussichtslosigkeit eines solchen Protests hinwiesen.

Es gab aber auch moderatere Töne. So könne man auch versuchen, die Asylbewerber zu integrieren und beispielsweise als Fußballer für den TSV gewinnen, hieß es von einigen Holzhäusern.

Bernhard Hentrich tat seinerseits wenig, die Situation zu entschärfen. Auf die Frage, was aus dem Gebäude werde, wenn es einmal nicht mehr als Asylbewerberheim diene, antwortete er lapidar: „Dann überlassen wir das dem Verfall.“

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