Hommershäuser floh 1945 aus Schlesien

Flucht damals und heute: Georg Schulz erzählt seine Geschichte

Musste als Achtjähriger aus seiner Heimat fliehen: Georg Schulz aus Hommershausen hat seine Wurzeln in Oberschlesien. Das Foto zeigt ihn circa zwei Jahre vor Kriegsende (links unten) mit seinen Eltern und seinen Geschwistern (hinten von links) Bernhard, Magda und Günter und (vorn, sitzend) Alice. Foto:  Skupio

Immer wieder wird der aktuelle Flüchtlingszustrom mit den Heimatvertriebenen verglichen, die als Folge des Zweiten Weltkriegs die damaligen deutschen Ostgebiete verlassen mussten.

Wir haben mit einem Vertriebenen von 1945 über seine Flucht gesprochen:

„In Schlesien ist eine Bombe eingeschlagen - und der Dreck ist bis hierher geflogen“, das bekam Georg Schulz zu hören, als er 1953 mit 16 Jahren nach Hommershausen kam.

Doch der Flüchtling aus Ratibor (heute Polen) erfuhr nicht nur Ablehnung: „Die Jugend hat mich sonntags zum Spaziergang abgeholt, das war einmalig“, erinnert sich der heute 78-Jährige. Durch die aktuelle Flüchtlingskrise ist ihm die eigene Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg dieser Tage wieder sehr präsent.

Als Achtjähriger floh er 1945 mit Mutter und den Schwestern, der 19-jährigen Alice und der 16-jährigen Magda. Der Vater musste zum Volkssturm. Auf einem Bollerwagen hatte die kleine Familie etwas Wäsche und Bettzeug verstaut. „Am Ende hatten wir nur noch, was wir am Körper trugen.“

Schwester auf Flucht verloren 

Die Granaten fliegen bereits über sie hinweg, als sie von Neustadt (poln. Prudnik), wo sie Magda in den Kriegswirren verlieren, weiter Richtung Tschechien ziehen. „Wir haben erst Jahre später erfahren, dass Magda in Westdeutschland einen schottischen Soldaten geheiratet hat und mit ihm in dessen Heimat gegangen ist.“

Sie hören von Rot-Kreuz-Zügen in der Nähe, erreichen sie jedoch nie. Entlang des Weges liegen die Überreste von Pferdewagen, kaputter Hausrat und tote Menschen.

Mit einem Küchenwagen der Wehrmacht kommen sie bis kurz vor Prag, als das Kriegsende verkündet wird. Alle Soldaten müssen ihre Abzeichen entfernen. Ein junger Mann weigert sich, nimmt die versteckte Pistole und erschießt sich neben dem Fenster, hinter dem der achtjährige Georg sitzt. „Dann mussten wir rennen, denn es durfte ja niemand mehr eine Waffe haben.“

Als sie durch die Stadt getrieben werden, schlägt das wütende Volk auf seine Mutter ein, die außen läuft. Georg und Alice tauschen mit ihr die Plätze. „Wir konnten uns schneller wegducken; wäre zudem die tschechische Miliz nicht gewesen, es wäre uns dreckig ergangen.“

Zur aktuellen Flüchtlingskrise 

Probleme bei der aktuellen Flüchtlingskrise sieht der 78-Jährige darin, dass „viele verschiedene Gruppen kommen, die sich gegenseitig bekriegen“. Sie seien damals nur Deutsche gewesen, was auch schon problematisch gewesen sei. Erschwerend komme hinzu, dass einige von ihnen noch nie eine Schule besucht hätten. „Es geht alles zu schnell und mit zu viel Gewalt.“

Wie Schulz von Prag schließlich nach Hommershausen kam, lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Frankenberg.

Quelle: HNA

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