"Runder Tisch" soll Schülertransport verbessern

Horror-Busfahrt erregt die Gemüter

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Battenberg - Es mag ein verhängnisvoller Einzelfall sein, doch Lehrer, Politiker und Vertreter des Landkreises sind sich einig: Ein solch dramatischer Vorfall wie am Dienstag darf sich nicht wiederholen. Friedhelm Pfuhl vom Schulamt kündigte Konsequenzen für das Busunternehmen an.

Eine gute Nachricht hatte Schulleiter Reinhold Gaß: Das zwölfjährige Mädchen, das als Einzige bei dem Unfall körperlich verletzt wurde, hat das Krankenhaus gestern wieder verlassen können. Insgesamt saßen 26 Kinder in dem Bus, der am Dienstag von einem völlig betrunkenen und laut Polizei „absolut nicht mehr fahrtüchtigen Fahrer“ gesteuert wurde. Er muss sich bald wegen fahrlässiger Körperverletzung, Sachbeschädigung und Trunkenheit im Straßenverkehr vor Gericht verantworten. Für Busfahrer gilt die Null-Promille-Grenze - die hatte der Mann nach Polizeiangaben sehr deutlich überschritten.

Die Schüler hätten das dramatische Ereignis augenscheinlich gut überstanden, sagte Gaß. „Der ein oder andere ist natürlich noch betroffen.“ Schulpsychologen wurden verständigt, um mit den Jugendlichen die Vorfälle aufzuarbeiten.

Die 26 Gesamtschüler, die am Dienstagnachmittag gegen 16 Uhr auf dem Heimweg von der Gesamtschule waren, werden die Horrorfahrt wohl nicht vergessen: Der Fahrer war sturzbetrunken mit dem Bus durch die Senonchesstraße geschlingert und hatte schon nach wenigen 100 Metern eine Leitplanke gestreift. Daraufhin baten die meisten Kinder, aussteigen zu können. In Höhe des Seniorenheims hielt der Fahrer an, 24 der 26 Schüler verließen den Bus.

Doch dann verlor den Mann vollends die Kontrolle und hinterließ eine mehrere Hundert Meter lange Schneise der Verwüstung. Die Schüler, die ausgestiegen waren, eilten dem Fahrzeug hinterher: „Sie waren schockiert, als sie gesehen haben, was passiert ist“, sagte ein Vater gestern gegenüber der FZ.

„Wir haben mit allen Kindern gesprochen“, sagte Reinhold Gaß. Das Schulamt und der Landkreis als Schulträger seien involviert. Auch wenn es sich um einen Einzelfall handelt: Alle Beteiligten wollten sich zusammensetzen und über Verbesserungen beim Bustransport sprechen. „Das Problem besteht ja nicht nur an der Gesamtschule“, sagte Gaß. „An einen solchen runden Tisch gehören auch die Eltern.“ Der Unfall sorgte gestern bundesweit für Medieninteresse, Kamerateams filmten an der Gesamtschule.

Ein völlig betrunkener Busfahrer mag die Ausnahme sein, doch der Vorfall hat eine Diskussion über den Schülertransport ausgelöst. Klagen über betagte, überfüllte und augenscheinlich unsichere Busse oder unfreundliche Busfahrer haben Eltern in der Vergangenheit immer wieder geäußert. „Den Fahrern fehlt oft das nötige Einfühlungsvermögen und die Sprachkompetenz beim Umgang mit den Schülern“, äußerte der Bromskirchener Bürgermeister und CDU-Kreistagsabgeordnete Karl-Friedrich Frese in einer Anfrage an den Kreisausschuss. Die Kinder müssten zudem oft in den Bussen stehen „und das auch bei widrigen Straßenverhältnissen in den Wintermonaten“. Frese kündigte an, die CDU-Fraktion werde sich „nach vielen Beschwichtigungen durch die Verantwortlichen“ konsequent für die dauerhafte Verbesserung der Qualität der Schülerbeförderung einsetzen.

An der Haltestelle vor der Gesamtschule seien die Lehrer ihrer Aufsichtspflicht ordnungsgemäß nachgekommen, sagte Pfuhl vom Schulamt des Landkreises. „Es standen fünf Busse. Die Lehrer können nicht in jeden Bus einsteigen“, sagte Pfuhl. Sie sollten kontrollieren, dass sich die Schüler so verhalten, dass nichts passiert.

Der Bus war im öffentlichen Personennahverkehr unterwegs. Der NVV hatte die Linien europaweit ausgeschrieben. Das Unternehmen, das den Zuschlag erhalten hatte, beschäftigt laut Pfuhl Subunternehmer aus der Region wie besagte Firma aus dem oberen Edertal. „Wir müssen aufarbeiten, was getan werden kann, um so etwas künftig zu vermeiden.“

Pfuhl kündigte an, dass es noch in dieser Woche zu Konsequenzen für das Unternehmen kommen werde. Es war nicht zum ersten Mal aufgefallen: Vor fast genau zwei Jahren hatte ein Busfahrer der gleichen Firma in Eifa Kindergartenkinder transportiert. Der Mann war falsch abgebogen und hatte sich in einer engen Straße festgefahren. Er flüchtete und ließ zwei Kinder im Bus zurück.

Battenbergs Bürgermeister Heinfried Horsel sieht eben jene Busunternehmen in der Pflicht. Sie trügen die Verantwortung für Fahrer und Fahrzeuge. „Es muss alles unternommen werden, dass so etwas nicht mehr vorkommt.“ Sparzwänge dürften nicht auf Kosten der Kinder gehen. „Es ist eine Frage der Priorität, wie wichtig die Kinder sind. Da kann Geld nicht das entscheidende Kriterium sein.“ Als Beispiel nannte Horsel den Schulbusverkehr in den USA: „Da hat jedes Kind seinen Sitzplatz.“

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