Gespräche spenden Trost, Mut und Kraft

Aufgehoben in der Gruppe - das Trauercafé im Hospiz ist für jeden offen

+
Austausch und Ansprache: (von links) Renate von Wintzigerode und Elfi Simshäuser leiten das Trauercafé im Hospiz Frankenberg. Hier einige Besucherinnen.

Frankenberg. „Hier hat jeder sein Päckchen zu tragen“, sagt Elfi Simshäuser, die zusammen mit Renate von Wintzigerode einmal monatlich zum Trauercafé in die Räume des Hospizvereins in Frankenberg einlädt.

Das Angebot richtet sich an Menschen, die um einen Angehörigen trauern, sich verlassen und einsam fühlen. Gespräche sollen Trost, Mut und Kraft spenden.

„Es ist eigentlich gar nicht so, dass wir helfen. Sondern die Trauernden helfen sich eher untereinander“, beschreibt die ehemalige Pflegedienstleiterin Schmidtmann. „Wenn sie sich unterhalten, stören wir nicht“, sagt sie. Es gebe keinen festen Ablauf während der zweistündigen Zusammenkünfte, ein paar Rituale aber schon. So sei es beispielsweise üblich, dass die Neuen sich vorstellten.

Keine Anmeldung nötig

Ansonsten gehe es völlig ungezwungen zu. „Es ist ein niedrigschwelliges Angebot“, betont Elfi Simshäuser, „deswegen muss auch keiner vorher anrufen oder sich anmelden“. Damit fällt eine große Hürde weg, denn vielen Teilnehmern ist es anfangs nicht leicht gefallen, den Schritt in die Gruppe zu wagen.

„Es kostet natürlich Überwindung, aber mir tut es gut“, sagt eine der überwiegend weiblichen Trauercafé-Besucher, die alle nicht namentlich nicht genannt werden möchten. Es sei schwer, „seine Geschichte“ zu erzählen, man fühle sich aber aufgehoben und verstanden in der Gruppe. „Man braucht sich auch nicht zu schämen, wenn man mal weinen muss.“

„Hier haben alle das gleiche Problem, hier muss einem nichts peinlich sein.“

Ein Teilnehmer

Ein älterer Mann genießt vor allem die Gesellschaft und Gesprächsmöglichkeit in der Gruppe. „Bevor meine Frau gestorben ist, hätte ich nichts mit dem Trauercafé anfangen können“, gibt er zu. „Als ich dann aber quasi über Nacht alleine war, war ich froh, dass ich hierherkommen konnte. Hier haben alle das gleiche Problem, hier muss einem nichts peinlich sein.“ Obwohl seine Frau im Hospiz gestorben sei, mache es ihm nichts aus, für die Gruppentreffen in das Gebäude zurückzukehren. „Ich bin froh gewesen, dass meine Frau die letzten Wochen im Hospiz verbringen konnte.“

„Andere können sich oft gar nicht in die Situation eines Betroffenen hineinversetzen“, sagt eine der Frauen. Vor allem Angehörige würden manchmal drängen, dass man „wieder unter Leute geht“. Im Trauercafé hätten hingegen alle Verständnis und wüssten, dass „jeder seine Zeit braucht“. „Bei uns kann jeder alles hundertmal erzählen“, bekräftigt Elfi Simshäuser, für die es auch „in Ordnung“ ist, wenn jemand fünf Jahre oder länger trauert.

„Man sollte das Trauercafé mal ausprobieren“, so die einhellige Meinung in der Runde. „Und schreiben Sie unbedingt in die Zeitung, dass es nicht nur für alte Leute ist“, betont eine andere Frau.

Service: Das Trauercafé hat jeden zweiten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Die Treffen finden im Untergeschoss, Raum 012, im Hospiz in Frankenberg statt. Das Angebot ist kostenlos, wer möchte, kann eine Spende für den Kuchen da lassen.

Kontakt: Elfi Simshäuser Tel. 0 64 51/24 05 40, Renate von Wintzigerode, Tel. 0 64 51/23 147. Weitere Artikel

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare