Timo Schröder kennt das Haus seit 1993

Hotel „Die Sonne Frankenberg“ hat einen neuen Küchenchef

Frankenberg - Florian Hartmann bleibt als Chefkoch für das Sterne-Restaurant im Hotel „Die Sonne Frankenberg“ verantwortlich. Doch in der Hauptküche hat mit Timo Schröder ein Koch aus der Region das Sagen. Der 36-Jährige aus Homberg/Efze hat unter anderem im „Maritim“ in Bad Wildungen gearbeitet.

Frankenberg. Am Grundsatz ändert sich nichts. „Gutbürgerliche Küche gehobener Machart“, das ist laut Marketingdirektor Michael Lemke das Credo in der Küche des Hotels „Die Sonne Frankenberg“. Und dieser Philosophie folgt auch der neue Küchenchef Timo Schröder. Doch „dieses Regionale“, für das die Küche der „Sonne“ auch stehe, verfeinert der 36-Jährige seit Juni mit einer „frischen Note“. Denn er werde die Küche „modern interpretieren“, sagt der gebürtige Homberger. „Ich will das Aha-Erlebnis herauskitzeln“, kündigt er an. Und bislang sei ihm das sehr gut gelungen, schwärmt Gerhard Pohl, als Geschäftsführer der Hotelbetriebsgesellschaft Battenberg (HBB) für das Hotel „Die Sonne Frankenberg“ verantwortlich.

Schröders „Sylter Wochen“ kämen bei den Gästen so gut an, dass sie bis Ende des Monats verlängert werden. Ein Auszug daraus: Gebratenes Karree vom Salzwiesenlamm, Artischocken-Bohnenragout, gebackene Kartoffelwürfel, Thymian-Honigjus. Oder Sylt von seiner anderen Seite: Gebackene Röllchen von Seezunge und Nordseelachs, Sylter Queller-Risotto, Helgoländer Hummerschaum. Queller? Das dürfte den meisten Frankenbergern bislang ein völlig unbekanntes Gemüse sein. Die Salzwiesenpflanze wird von Hand geerntet und bereichert Fischgerichte mit seiner leicht pfeffrigen Note. Schröder hat Queller quasi mitgebracht.

In den vergangenen neun Jahren arbeitete er in verschiedenen Positionen in den Restaurants des Hotels „Fährhaus“ auf Sylt: zuletzt als Küchenchef der Restaurants „Käpt’n Selmer Stuber“, „Vinothek“ und „Mara Sand“. Zuvor ist er den Weg gegangen, den alle Köche gehen, die sich weiter verbessern wollen: auf Wanderschaft. „Alle eineinhalb bis zwei Jahre habe ich mich verändert“, erzählt Schröder, dessen Karriere im „Maritim“ in Bad Wildungen begonnen hat. Es folgten Stationen in Deutschland, darunter auch das Lieblingsrestaurant von Altkanzler Helmut Kohl, der „Schwarze Hahn im „Deidesheimer Hof“. Nach einem Abstecher in das Offizierskasino der Heeresflieger in Fritzlar zog es ihn für einen Sommer in den nördlichsten Bundesstaat der USA, nach Alaska - an einen idealen Ort, um Beruf und Hobby zu kombinieren. Schröder ist begeisterter Angler, und in Alaska verbrachte er viel Zeit am „besten Lachsfluss der Welt“. Nach seiner Rückkehr arbeitete er noch zwei Jahre im Zwei-Sterne-Restaurant des Hotels „Résidence“ in Essen.

Zurück zu den Wurzeln

Sein Können verfeinerte er unter anderem durch Fortbildungen. Er ließ sich an der Hotelfachschule Heidelberg zum Küchenmeister und staatlich geprüften Gastronom ausbilden.

Nach den ersten Wanderjahren schließt sich nun vorerst der Kreis für den 36-Jährigen, der „Back to the roots“, also zu den Wurzeln zurückkehrt: und wieder Hobby und Beruf miteinander vereinen kann. Ein Mal war Schröder bereits am Edersee zum Angeln, einem „sehr guten Fischgewässer“. Doch nicht nur Fische aus der Region sollen künftig einen Platz auf der Speisekarte erhalten. Schröder ist auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern: Für „außergewöhnliche Produkte“ sei er schließlich immer zu haben: Das beginnt bei der „kleinsten Tomate der Welt“, mit der er während der Sylter Wochen ein vor Aroma nur so sprühendes Tomatensüppchen verfeinert, und endet bei Steinwild aus Österreich, das er in diesem Herbst noch auf den Teller bringen will. Denn Wild spielt in den „Sonne“-Stuben eine große Rolle: Die Wildschweinwurst mit Kartoffelstampf und Sauerkraut hat sich zu einem der Dauerläufer auf der Karte entwickelt - das Wild kommt aus der Region.

„Sonne“ - „gut für die Vita“

Die „Sonne“ kennt Schröder seit 1993. Damals habe er eine Bekannte besucht, die in der Küche gearbeitet habe. Das Hotel gehörte noch Wolfgang Beckhoff. „Mir ist nicht entgangen, was hier im Laufe der Jahre passiert ist“, schwärmt der Küchenchef von der neuen „Sonne“. Er freue sich, in seiner alten Heimat wieder ein Zuhause gefunden zu haben. Und Pohl und Lemke freuen sich, einen in der Region verwurzelten Mitarbeiter gewonnen zu haben.

In Schröder setzen sie vor allem die Hoffnung auf Kontinuität. Der Posten des Küchenchefs in der „Sonne“ wechselte in den vergangenen Jahren mehrfach. Schröders Vorgänger Martin Müller war nur knapp ein halbes Jahr in Frankenberg. Dann zog es ihn an die Ostsee. Für Lemke sind dies branchentypische Probleme. Im Gegensatz zu anderen Berufen sind in der Gastronomie regelmäßige Wechsel „gut für den Lebenslauf“. Und inzwischen habe das Hotel „Die Sonne Frankenberg“ in der Branche einen klaren Namen. „Es ist mittlerweile ein Qualitätsbonus, die ,Sonne‘ in seiner Vita stehen zu haben.“

HBB-Geschäftsführer Pohl hat sich bei allem erforderlichen personellen Wechsel als Ziel gesetzt, „stärker in der Region verwurzelte Menschen an unser Haus zu binden“. Und für mehrere Bereiche des Hotels sei er nach wie vor auf der Suche. Aktuell beschäftigt die „Sonne“ 75 Mitarbeiter in Vollzeit, darunter zwölf Azubis. Hinzu kommen Aushilfen. Allein das Küchenteam von Schröder besteht aus 20 Mitarbeitern. Zuständig sind sie für die „Sonne“-Stuben, das Bistro „Philippo“, den „StadtWeinKeller“, das „Sonne“-Café, die Säle und Tagungsräume.

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