Stadt Battenberg schreibt Nachfahren an

Hunderte Gräber vor der Einebnung

+
Ein fast 50 Jahre altes, völlig überwuchertes Kindergrab auf dem Battenberger Friedhof: Sind die Hinterbliebenen weggezogen oder selbst verstorben, werden die Ruhestätten oft nicht weitergepflegt.Fotos: Mark Adel

Battenberg - Mitarbeiter der Battenberger Stadtverwaltung haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Bürger angeschrieben: Bei verstorbenen Verwandten ist die sogenannte Nutzungsdauer auf den städtischen Friedhöfen abgelaufen. Wer die Liegezeit nicht verlängern möchte, muss die Gräber räumen und einebnen. Doch das stellt viele vor unerwartete Probleme.

Die Bürger werden vor die Wahl gestellt: Sie können die Ruhezeit ihres Verwandten verlängern, oder aber das Grab einebnen. Das können sie selbst übernehmen, eine Firma beauftragen oder dies von der Stadt übernehmen lassen. 225 Briefe sind bislang verschickt worden.

Doch die Umsetzung führte zu nicht erwarteten Schwierigkeiten. „Einige haben zum Beispiel Steine in das entstandene Loch gekippt und Erde darüber geschüttet“, berichtet Battenbergs Bürgermeister Christian Klein. Doch das kann zu Problemen führen - spätestens, wenn an gleicher Stelle wieder ein Grab ausgehoben wird.

„Zum ersten Mal sind die Probleme in Dodenau aufgetreten“, berichtet der Bürgermeister. Oft würden Bürger den Aufwand unterschätzen, der mit einer Einebnung verbunden sei. So stießen einige Hinterbliebene beim Einebnen von Gräbern auf massive Fundamente, die kaum ohne fremde Hilfe zu beseitigen sind. „Mir war die Problematik auch nicht bewusst“, gibt Klein zu. Auch, weil es bislang nie Thema war und die Einhaltung der Ruhefristen nicht weiter kontrolliert wurde. 30 Jahre beträgt diese Ruhezeit. Bislang war eine Verlängerung um zehn Jahre möglich, inzwischen bietet die Stadt auch eine Verlängerung um fünf Jahren an und trägt damit Wünschen der aus der Bevölkerung Rechnung. Mitunter sei es aber schwierig, herauszufinden, wer überhaupt für ein altes Grab verantwortlich ist, sagt Klein. „Irgendwann fällt es eben auf, wenn eine Grabstelle ungepflegt ist.“ Stadtmitarbeiter heften dann Aufkleber an die Grabsteine mit dem Hinweis, die Ruhestätte zu pflegen - andernfalls werde das Grab eingeebnet. Manche Ruhestätten sind gar komplett überwuchert.

Aufgrund der Probleme will die Stadt Hinterbliebenen künftig Hilfestellung geben. Die Verwaltung hat ein „Merkblatt für die Beseitigung von Gräbern nach Ablauf der Ruhefristen“ entworfen, das in den nächsten Wochen noch in den Ortsbeiräten beraten wird und dann künftig an die Nachfahren versendet werden soll. Ziel seien einheitliche Regeln für alle Friedhofe in Battenberg und den Stadtteilen, sagt Klein.

In dem Merkblatt weist die Verwaltung auch auf die Mülltrennung hin: Schleifen, Drähte und ähnliche Teile müssen getrennt vom Blumenschmuck entsorgt werden.

Der Verwaltungschef betont, dass niemandem „böse Absicht“ unterstellt werde. Viele Hinterbliebene wüssten erst einmal gar nicht, dass sie für eine Grabstätte verantwortlich sind. „Wir versuchen deshalb, mit Feingefühl vorzugehen.“

Insgesamt stehen wohl Hunderte Gräber zur Einebnung an. Das ist aber nur ein Teil des Wandels, dem sich die städtischen Friedhöfe in den nächsten Jahren wahrscheinlich unterziehen. Denn in diesem Jahr hat das Stadtparlament die Friedhofssatzung geändert, um unter anderem pflegeleichte Rasengräber und Baumgräber zu ermöglichen. Außerdem sollen die Ortsbeiräte Gestaltungsvorschläge für die einzelnen Friedhöfe erarbeiten. (da)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare