Bromskirchen

„Ich habe jetzt Freunde in der ganzen Welt“

- Bromskirchen. Fünfzehn Jugendliche arbeiten derzeit für zwei Wochen im Forstrevier Karlsburg. Das Workcamp wird von den Internationalen Jugend-Gemeinschaftsdiensten organisiert. Projektträger ist das Forstamt Frankenberg. Ziel ist die Förderung von Toleranz und der Abbau von Vorurteilen zwischen Angehörigen verschiedener Nationen, sozialer Schichten, Religionen und Weltanschauungen.

Sie kommen aus China, Südkorea, Israel, Litauen und fünf anderen Ländern: „Gemeinsam leben, lernen und arbeiten“ lautet das Motto der Workcamps mit Jugendlichen in und aus der ganzen Welt. Über 100 solcher Camps finden in Deutschland statt. Seit fast zwei Wochen wohnen Maiti, Kim, Michal und ihre Freunde in der Oberlinspher Mühle bei Bromskirchen. Revierförster Heinrich Engelhard, dessen Sohn Hendrik im vergangenen Jahr im russischen Murmansk ein solches Camp erlebte, betreut die Gruppe. Im Mittelpunkt steht der Einsatz für „Wald und Wild“. Unter Anleitung von Forstwirtschaftsmeister Dieter Dersch und Forstwirt Wilfried Womelsdorf bauen die Jugendlichen Hochsitze, legen Pirschpfade an und montieren Schälschutz an Bäumen. Einen Schwerpunkt bildet der Bau von Hordengattern aus Dachlatten. Rund 680 Meter solcher Gatter haben sie schon zusammengenagelt und um Windwurfflächen gezogen, die der Sturm „Kyrill“ verursacht hat. Diese Gebiete wurden vom Forstamt nach dem Sturm mit Douglasien aufgeforstet und sollen nun vor Wildverbiss geschützt werden. Die Jugendlichen lernen nicht nur viel Wissenswertes über die Ökologie des Waldes, sondern auch handwerkliches Arbeiten. Unzählige Nägel haben sie in die Latten eingeschlagen, im Verlaufe der Arbeiten immer weniger davon krumm. Der Bildung diente auch eine Führung durch den Frankenberger Wildpark. Weitere Ausflüge führten nach Köln, Bad Berleburg oder Marburg. Viel Spaß bereiteten Radtouren und das Baden im Silbersee zur Abkühlung von den sommerlichen Temperaturen. Die Schüler und Studenten stellten viele Fragen und sammelten neue Erfahrungen. Harriet aus Hongkong hatte vorher noch nie echten Wald gesehen. Michal aus der Slowakei ergänzt: „Ich mag die Arbeit hier an der frischen Luft.“ Kim aus Nordkorea und Ramenta aus Litauen haben ebenfalls viel über Ökologie gelernt und freuen sich über neue Kontakte. „Ich habe jetzt Freunde in der ganzen Welt“, sagt auch Michal. Im Dialog der Nationen und dem Zusammenleben liegt ein Schwerpunkt des Camps. Die Jugendlichen leben zusammen „wie eine große Familie“. Die Verständigung in Englisch klappt meist gut. „Die Gruppe ist ein Beispiel für eine heranwachsende Weltbürgergesellschaft“, sagte Burkhard Zeunert, der sein Tagungshaus in der Oberlinspher Mühle für das Projekt zur Verfügung stellt. Zahlreiche weitere Sponsoren unterstützen das Workcamp. Viele Helfer brachten sich auch persönlich ein. Sie trafen sich am Dienstag zu einem Lagerfeuerabend am Forsthaus Karlsburg. Die Jugendlichen bereiteten dazu landestypische Speisen aus ihrer Heimat vor.Die Gruppe, die heute ihren letzten Einsatz hat, wird von Habib Ayad aus Algerien und Franziska Mierke aus Kiel geleitet. Der Rechtsanwalt und die Ökotrophologin waren früher selbst Camp-Teilnehmer und vermitteln nun als Betreuer neue Erfahrungen an die neugierige Weltjugend.

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