Eberhard Normann geht in den Ruhestand

"Ich kann ja nicht den ganzen Tag nur lesen"

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Burgwald-Bottendorf - Eberhard Normann hat das heutige Aussehen des Burgwalds entscheidend mitgeprägt: 27 Jahre war er der Leiter des Forstamts. In der Zeit hat er gemeinsam mit den Revierförstern Jahr um Jahr festgelegt, welche Bäume gepflanzt, wo aufgeforstet und wo gepflegt wird.

Als Forstreferendar hat Eberhard Normann den Burgwald nach seinem Studium kennen gelernt – nach einigen Zwischenstationen kam er dorthin zurück und übernahm die Leitung des Forstamts. Insgesamt 27 Jahre kümmerte er sich um den Wald, dessen tierische und pflanzliche Bewohner und seine Mitarbeiter. Zum Ende des Monats geht der 65-jährige Förster in den Ruhestand – und hinterlässt seinem Nachfolger einen 20.000 Hektar großen Wald, 44 Mitarbeiter und Einnahmen von durchschnittlich 9 Millionen Euro im Jahr.

Geprägt war die Arbeitszeit im Burgwald von Windwürfen, erinnert sich Normann. Insgesamt sechs Orkane haben viele Bäume umgeworfen. „Da ist kein Wald mehr. Deswegen müssen wir die Flächen dort wieder aufforsten.“ Wie der Wald in Zukunft aussehen soll – an dieser Frage hat Normann gerne gearbeitet. So gehörte es immer wieder zu seinen Aufgaben, mit festzulegen, welche Bäume an welcher Stelle gepflanzt werden. Der Klimawandel etwa bestimme mit, welche Bäume in Zukunft häufiger in heimischen Wäldern anzutreffen sind. Im Burgwald könnte es die Douglasie sein – denn der Fichte wird es zu trocken und zu warm.

Was gepflanzt wird ist aber auch vom Geld abhängig: Rund 20.000 Euro kostet ein Hektar Buchenwald. Das Aufforsten brachte einen weiteren Arbeitsschwerpunkt mit sich: Rehe fressen mit großer Vorliebe die Rinde von jungen Bäumen. Deswegen dürfen sich nicht zu viele Tiere im Wald tummeln. Rund 1000 Tiere werden laut Normann jedes Jahr im Burgwald geschossen. Normann selbst ging immer mit auf die Jagd, bereitete die Treibjagden sorgfältig mit vor. „Für mich war das nicht Hobby, sondern Arbeit“, erzählt er.

In seinem Wald kennt der Förster jeden Feldweg, jeden Tümpel, die Trockenwiesen und die heimischen Tiere. „Hier gibt es viele Tier- und Pflanzenarten, die es teilweise hessenweit nicht mehr gibt“, sagt er und zeigt auf den fleischfressenden Wasserschlauch. „Meine Arbeit ist so abwechslungsreich. Ich habe die Wahl keinen Tag bereut.“ Die Karriere von Normann begann mit einem Forststudium. Danach kam er als Referendar in den Burgwald – damals noch ins Forstamt Wolkersdorf. Danach kam er unter anderem nach Fulda und Diemelstadt und 1980 als Dezernatsleiter zur Bezirksdirektion für Forsten und Naturschutz in Darmstadt. Fünf Jahre später zog es ihn als Forstamtsleiter zurück in den Burgwald.

Normanns Vater war schon Förster. Da ist der gebürtige Bad Soodener in dessen Fußstapfen getreten. „Ich bin damit aufgewachsen und wusste, was auf mich zu kam.“ Früh sei er schon mit seinem Vater zur Jagd gegangen. Anders sei der Beruf heute doch: „Früher saßen die Waldarbeiter um ein offenes Feuer. Heute haben sie Schutzhütten mit Gasheizung“, vergleicht Normann. Motorsägen habe es auch nicht gegeben – da fiel am Tag nur ein Baum, heute seien es zwei Bäume in einer Stunde. Dabei kamen auf ein Revier von 650 Hektar Wald 15 Waldarbeiter. Normann habe nur noch drei Waldarbeiter auf 2000 Hektar.

In seinem Ruhestand will Normann seine Modelleisenbahn fertig bauen: „Da baue ich seit meiner Kindheit dran. Fertig ist sie noch lange nicht.“ Reisen stehen ebenfalls auf dem Programm – aber keine besonderen großen. „Das kann man auch während der beruflichen Zeit.“ Normann will lieber Deutschland entdecken – einige wenige Flecken, die er noch nicht kennt erkunden. „Und ich will beschäftigt sein und weiter Kontakte knüpfen“ – deswegen will der Förster sich eine ehrenamtliche Beschäftigung im sozialen Bereich suchen. „Ich kann ja nicht den ganzen Tag nur lesen“, sagt er mit einem Lachen.

Eberhard Leicht, bisher Forstamtsleiter in Vöhl, übernimmt zum 1. Januar 2013 das Burgwalder Forstamt. Bis dahin leitet Burgwalds stellvertretender Forstamtsleiter Arno Süßmann die Arbeit an.

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