Rennertehausen

„Ich bin schon ein bisschen aufgeregt“

- Allendorf-Rennertehausen (gl). Der Hessische Rundfunk dreht in den nächsten zwölf Monaten in Rennertehausen: Ein Serie soll das Leben auf dem Land in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts dokumentieren. Erinnerungen dienen dabei als Vorlage.

„Ich bin 90 Jahre alt, aber sowas habe ich noch nie erlebt“, sagt Justine Krafthöfer. Sie lacht, während Mathias Hundt, Kameramann des Hessischen Rundfunks, rund um die Rennertehäuserin Leuchten aufstellt, seine Kamera an das Licht anpasst und die Dekoration des Zimmers ein wenig zurechtrückt. Justine Krafthöfer sitzt an ihrem Lieblingsplatz, gelassen beobachtet sie den Kameramann. Ich bin schon ein bisschen aufgeregt“, gesteht sie. Es ist ihr kaum anzumerken. Hundt ist mit der HR-Redakteurin Birgit Sommer nach Rennertehausen gekommen. Sommer möchte eine Serie über das Dorf drehen, authentisch und nah an den Erinnerungen alter Bewohner. Justine Krafthöfer ist daher die erste Ansprechpartnerin für Birgit Sommer. „Für die Wanderreihe ‚Wandervolles Hessen‘ bin ich im Juni mit Walter Sellmann auf dem Klippenpfad unterwegs gewesen, Endstation war hier in Rennertehausen“, erinnert sich die Journalistin. Da habe sie dann auch Justine Krafthöfer kennengelernt und dank ihrer Erzählungen die Idee zu der Serie entwickelt. In der Vorweihnachtszeit des nächsten Jahres soll das Ergebnis stückchenweise in der Hessenschau zu sehen sein, im Anschluss daran dann als Langfilm. „Ich möchte das Gefühl wecken, das Oma und Opa von früher erzählen“, erklärt Birgit Sommer das Ziel ihrer Produktion. Dazu lässt sie sich zur Zeit die Erinnerungen alter Rennertehäuser erzählen, als Leitfaden für den Film. Neben Justine Krafthöfer sind dies auch Louise Jacobi mit 91 Jahren und Konrad Briel, mit 98 Jahren ältester und einziger Mann im Trio. Walter Sellmann, bekannt als Vorsitzender des „Gebirgs- und Wandervereins Oberes Edertal“ dient Birgit Sommer dabei als ortskundiger Türöffner. Er kennt die Menschen persönlich, er weiß, wo sich Geschichten verstecken könnten – und nicht zuletzt kennt er sich in und um Rennertehausen gut aus.Sind die Interviews „im Kasten“, will Sommer daraus Geschichten entwickeln. Noch in diesem Jahr beginnt sie dann damit, im Dorf zu drehen. Insgesamt sind für 2010 sieben Drehtage angedacht, für 2011 mindestens acht.

Dafür hat sich Sommer etwas besonderes einfallen lassen: nicht professionelle Schauspieler will sie anheuern, um die Dokumentation mir Realszenen anzureichern, sondern Komparsen aus der Region – echte Rennertehäuser. Sommer möchte dabei möglichst Geschichten aus einem gesamten Jahr darstellen, also zu jeder Jahreszeit drehen. Eine Szene schwebt ihr bereits vor: „Justine hat mir sehr viel von damals erzählt, besonders an die Waschtage hat sie sich erinnert“. Die werde sie wohl nachstellen sagt Sommer, so plastisch sei Krafthöfers Erzählung gewesen. Zusammen mit den Erinnerungen von Krafthöfer, Jacobi und Briel soll sich ein möglichst umfassendes Bild des Rennertehausen vor 70 bis 90 Jahren ergeben – mit all der ländlichen Idylle und all der harten Arbeit, den täglichen Entbehrungen.Zur Ergänzung des Films soll schließlich ein Historiker Daten und Fakten erklären, sei es politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Natur. Am Schluss, das ist das Ziel von Birgit Sommer, ergibt sich somit ein stimmiges Gesamtbild über das Leben im Oberen Edertal während und zwischen den beiden Weltkriegen.

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