Windkraft in Ernsthausen

"Ich wohne da, wo die Windräder sind"

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Windräder prägen die Landschaft oberhalb von Ernsthausen. Sie ragen bis zu 150 Meter in die Höhe. Zwei Firmen würden dort gerne noch höher hinaus und 200 Meter-Mühlen bauen.Archivfoto: Patricia Kutsch

Burgwald-Ernsthausen - Oberhalb von Ernsthausen ist noch Platz für Windräder. Zwei Firmen haben ihren Hut in den Ring geworfen. Der Husumer Investor Gewi stellte sich Fragen der Einwohner gestellt und Bürgermeister Lothar Koch betonte, dass es ohne Einverständnis der Ernsthäuser keine 200 Meter hohen Anlagen geben werde.

Vor allem um den Ertrag der Windmühlen ging es den Ernsthäusern bei einer Bürgerversammlung mit Vertretern des Investors von der Nordseeküste. Generell kritisch gegenüber dem Bau von Windrädern äußerte sich keiner der Ernsthäuser – vielen war es allerdings ein Anliegen zu wissen, ob die Windräder auch genügend Strom produzieren. „Wenn wir unsere Landschaft dafür hergeben, dann sollen Windmühlen gebaut werden, die genug Strom produzieren“, sagte etwa Hermann Briel. „Wir wollen die Energiewende, aber die Anlagen müssen sich auch lohnen“, ergänzte Ortsvorsteher Frank Kleinwächter.

Die Ernsthäuser spielten damit auf die vier Mühlen der Firma Wotan an, die bereits im Windvorranggebiet stehen und etwa 25 Prozent weniger Strom produzieren, als erwartet. Sie haben eine Höhe von jeweils 150 Meter – höher darf derzeit in dem Windvorranggebiet nicht gebaut werden. Bürgermeister Lothar Koch erklärte, dass die Gremien der Gemeinde diese maximale Höhe festgelegt haben.

Sowohl Wotan als auch Gewi möchten nun aber in Ernsthausen in noch größere Höhen gehen und planen mit 200 Metern. „Wir müssten die zulässige Höhe ändern“, erklärte Koch den Bürgern. Weil es aber kritische Fragen aus dem Dorf gebe, biete Gewi diesen Infoabend an. „Der Ortsbeirat entscheidet dann in einer der nächsten Sitzungen, ob er einer Höhe von 200 Metern zustimmt“, erklärte Koch die Vorgehensweise und betonte: „Die Gemeinde wird sich nicht über das Votum des Ortsbeirats hinwegsetzen.“ Wollen die Ernsthäuser keine höheren Windräder, werde es auch keine geben.

Rolf Brückner vom den Unternehmen aus dem Norden erklärte, dass ein Windrad in Ernsthausen erst ab einer Höhe von 200 Metern wirtschaftlich betrieben werden könnte. Und selbst das sei noch nicht sicher: Lässt die Gemeinde 200 Meter Höhe zu, beginnt für Gewi die Planungsphase mit zahlreichen Gutachten. „Wir haben schon Vorverträge für 70 Flächen im Windvorranggebiet abgeschlossen“, sagte Brückner. Wochenlang war er mit Kollegen in dem Dorf unterwegs, um vorab Informationen zu geben und Flächen zu suchen. „Ein genauer Standort steht aber nicht fest“, betonte er.

Für etwa 35000 Euro werde Gewi die Windgeschwindigkeiten professionell messen lassen, Gutachten über den Fledermausflug, den Lärm und den Schattenwurf stünden ebenfalls an. Gewi-Techniker Angelo Bargel erklärte, dass es genaue Richtlinien gebe: Nur maximal 30 Minuten am Tag an 30 Tagen im Jahr dürfe ein Schatten von den Windrädern auf die Wohnhäuser fallen. Ein Sensor misst die Sonnenstunden und schaltet die Windmühle notfalls ab.

„Wenn wir die Windmühle so oft abschalten müssen, dass der Betrieb sich nicht lohnt oder die Windgeschwindigkeit zu niedrig ist, dann bauen wir nicht“, sagte der Techniker. Er rechne mit rund 5,7 Metern pro Sekunde. „Bei 5,2 Metern pro Sekunde lohnt es sich schon nicht mehr. Deswegen wollen wir die Windgeschwindigkeit durch eine genaue Messung absichern.“ Die Messungen seien eine neue Technik – daher habe Wotan sich bei dem Bau der bisherigen Windräder auf Prognosen verlassen müssen. Und diese seien zu optimistisch gewesen.

Die Erträge werden laut Brückner genau berechnet. „Der Bau einer Windmühle ist ein Millionen-Spiel. Ohne belastbare Zahlen finden wir keinen Investor.“

Brückner erklärte den Ernsthäusern, dass eine Windmühlen-Höhe von 200 Metern mittlerweile deutschlandweit Standard sei. Zudem sicherte er zu, dass die Flächen vor und nach Baubeginn gemeinsam mit der Gemeinde begangen werden. „Wir haften für alle Schäden“, versicherte er. „Und weil das ja jeder sagen kann, hinterlegen wir eine Bankbürgschaft.“ Sollte Gewi nicht gemäß Absprachen Schäden beheben, könne die Gemeinde dann Firmen beauftragen.

Zudem sollen die Ausgleichsmaßnahmen für den Mühlen-Bau in der Gemeinde Burgwald bleiben. Sowohl Gewi als auch Wotan würden gerne die ausgebrannte Windmühle übernehmen und sie durch eine 200 Meter hohe Anlage ersetzen.

Gewi rechnet mit einer Leistung von sechs Millionen Kilowattstunden pro Anlage – damit könnten theoretisch 2000 Haushalte versorgt werden. „Wir wollen die Energiewende und suchen Verbündete. Machen Sie mit!“, rief Brückner zum Abschluss auf. Unterstützung hatte er bei einer Ernsthäuserin, die am Dorfrand wohnt. „Ich habe die Schatten im Wohnzimmer und im Esszimmer und höre die Geräusche. Aber man gewöhnt sich daran“, erklärte sie. Auch die neuen, höheren Anlagen werde sie sehen und hören. Allerdings stünden diese weiter entfernt. „Windräder dort im Feld sind mir lieber als ein Kohlekraftwerk in 100 Kilometern Entfernung.“ Sie sagte, dass die Akzeptanz für Windmühlen in Ernsthausen sehr hoch sei. „Viele sagen doch, ‚Ich wohne da, wo die Windräder sind‘“.

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