Frankenberg

IHK-Studie über Mittelzentren: Frankenberg schneidet gut ab

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- Frankenberg (jos). „Frankenberg steht gut da, weil die Unternehmerschaft der Stadt stark verbunden ist.“ Zu diesem Fazit kommt Dr. Roswitha Wöllenstein von der IHK, die mit der Uni Kassel „Stadtberichte“ über sechs Mittelzentren in Nordhessen verfasst hat.

Die knapp 40 Seiten starke Studie über Frankenberg geht auf Themen wie die Bevölkerungsstruktur, die „Daten-Autobahn“ DSL, Gewerbeflächen sowie auf Wirtschaft und Einzelhandel ein. Ausgangspunkt ist laut Dr. Herbert Marschelke aus der Geschäftsführung der IHK Kassel die Fragestellung gewesen: „Was ist los auf dem flachen Land?“ Ziel der Studien über die Mittelzentren Wolfhagen, Homberg/Efze, Witzenhausen, Rotenburg, Kirchheim und Frankenberg sei auch, den Dialog zwischen verschiedenen Akteuren aus den Städten wie Bürgermeistern und Unternehmern anzuregen.Der „Stadtbericht Frankenberg“ ist zwar ausschließlich von Akademikern verfasst, allerdings allgemeinverständlich aufbereitet und mit zahlreichen Grafiken und Bildern illustriert. Für Professor Jürgen Aring von der Uni Kassel sei das Projekt besonders spannend gewesen, erklärte Wöllenstein gestern bei der Vorstellung der Studie. Denn Aring habe sich bislang hauptsächlich mit der Entwicklung von Großstädten beschäftigt und sei nun in ein Forschungsfeld vorgedrungen, „das er in dieser Tiefe noch nicht kannte“. Einige wesentliche Aussagen und Erkenntnisse der Studie im Überblick:

Demografie: Die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur stellt sich in Frankenberg besser dar als in anderen nordhessischen Mittelstädten. Die Bevölkerungszahl ist weitgehend konstant, die Prognosen sind zuversichtlich. Frankenberg altert zwar, Familienfreundlichkeit wird allerdings großgeschrieben. Das Modellprojekt „Fami­lienstadt mit Zukunft“ wird in der Studie ausdrücklich gelobt.

DSL-Verfügung: Unter Verweis auf den sogenannten Breitbandatlas wird von einer DSL-Verfügbarkeit von 75 bis 95 Prozent für die Kernstadt und die meisten Ortsteile ausgegangen. Die regionalen Akteure sind gefordert, politischen Druck aufzubauen, damit eine flächendeckendere Versorgung mit hohen DSL-Geschwindigkeiten umgesetzt wird.

Gewerbeflächen: Das interkommunale Gewerbegebiet in Bottendorf ist eine zukunftsfähige Option. Für den Kremer Unternehmenspark als Gründer- und Technologiezentrum bieten sich im Zusammenhang mit dem Aufbau des Masterstudiengangs „Prozessmanagement“ in Frankenberg neue Perspektiven. Entsprechende organisatorische Strukturen müssen in Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen und der Hochschule Gießen-Friedberg geschaffen werden.

Wirtschaft im Überblick: Frankenberg besitzt eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur mit einem starken produzierenden Gewerbe, einem Dienstleistungssektor, der mit unternehmensnahen Dienstleistungen an Bedeutung gewinnt, und einem starken Einzelhandel, der die Kaufkraft in der Region bindet. Getragen wird diese Entwicklung von Unternehmen, die sich mit der Region verbunden fühlen. Die Prognos-Studie „Zukunftsatlas 2007“ stuft den Landkreis Waldeck-Frankenberg zwar als „Region mit Zukunftsrisiken“ ein. Mit Blick auf andere, ländlich geprägte Wirtschaftsräume sind die Zukunftschancen in der Region Frankenberg allerdings wahrscheinlich besser als prognostiziert.

Produzierendes Gewerbe: Die Beschäftigtenentwicklung verläuft weitgehend unabhängig konjunktureller Zyklen positiv. Es sollte darüber nachgedacht werden, ob die Schwerpunktbildung in der Heißkanaltechnik nicht stärker publik gemacht werden sollte. Nur wenn die Leistungsfähigkeit der Frankenberger Unternehmen in dieser Branche auch überregional bekannt ist, kann ein Wachstumspool entstehen, der Zulieferer und spezialisierte Dienstleister anzieht.

Einzelhandel: Frankenberg ist wichtiges Versorgungszentrum in der Region und weist eine gute Einzelhandelsstruktur auf. Die schlechte verkehrliche Anbindung ist gut für die Kaufkraftbindung in der Stadt. Durch die geplante Eder-Galerie und die anstehende Sanierung der Bahnhofsstraße erfährt die Innenstadt eine Aufwertung. Wichtig ist es, ein ergänzendes Angebot zur Fußgängerzone zu schaffen, damit Kaufkraft von dort nicht abfließt, sondern umgekehrt zusätzliche Kaufkraft für das Zentrum generiert wird.

Dienstleistungen und Tourismus: Die Stadt Frankenberg und das Umland haben ein sehr gutes touristisches Potenzial, das aber nicht voll ausgeschöpft wird. Eine stärkere touristische Anbindung an und Kooperation mit der Ederseeregion könnten für Frankenbergs Gastgeber und den Einzelhandel förderlich sein. Hilfreich wäre die Reaktivierung der Bahnstrecke Frankenberg – Korbach.

Auch wenn er diesem Punkt nicht zustimmen würde, lobte Bürgermeister Christian Engelhardt die IHK für ihre Studie über Frankenberg, die „bestärkt und hilft“. Die Stadt könne aus der Analyse „viel Honig saugen“. Unter den sechs untersuchten Städten habe sie kein Ranking aufgestellt, sagte Wöllenstein auf Nachfrage. „Aber Frankenberg steht gut da“, versicherte sie. Unter anderem werde das Demografie-Problem sehr erfolgreich angegangen. Und über die Unternehmer der Region sagte sie: „Hier wird nicht gejammert, hier werden die Probleme angepackt.“ Der Chef der Korbacher IHK-Servicezentrale, Dr. Peter Sacher, fügte hinzu: „Das Potenzial an Fachkräften und die Ausbildungslandschaft ist in unserer Region gut.“Nicht unerwähnt blieb das Thema kreuzungsfreie Bundesfernstraße Olpe – Frankenberg – Hattenbach bei der Vorstellung des „Stadtberichts“: Wolfram Klawe, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Waldeck-Frankenberg, unterstrich die Bedeutung einer besseren Verkehrsanbindung für die Unternehmen. Wöllenstein gab ihm recht: „Alle Möglichkeiten, Frankenberg schneller zu erreichen, sind gut für die Stadt.“

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