Jüdische Bürger aus der Region deportiert

Im KZ Auschwitz kamen auch viele Frankenberger um: Gedenken an die Opfer des Holocaust 

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Torhaus zum NS-Todeslager Auschwitz-Birkenau: Hier kamen bis 1945 die Transportzüge mit tausenden todgeweihten Menschen an, darunter auch jüdische Bürger aus der Frankenberger Region. Ihrer gedachte im vergangenen Jahr eine Besuchergruppe mit dem ehemaligen Hatzfelder Dekan Edgar Weigel bei einem geführten Rundgang durch die Gedenkstätte. 

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die letzten, schwerkranken Überlebenden des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.

Kurz zuvor waren die marschfähigen Häftlinge von SS-Wachen in Richtung Westen zu einem grausamen Todesmarsch abgeführt worden.

 „Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit. Hier ermordeten die Nazis über anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder. Die meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas“, steht auf einer der Steinplatten in der Gedenkstätte des Lagers Birkenau.

Unter denen, die zumeist direkt nach Ankunft ihres Transportes an der Rampe der Todesfabrik von SS-Leuten ausgesondert und durch Gas ermordet wurden, waren mindestens auch 155 Männer, Frauen und Kinder aus dem heutigen Kreis Waldeck-Frankenberg. Insgesamt kamen im Holocaust mehr als 600 Menschen aus dem Kreisgebiet um.

Ihnen und allen 5,6 Millionen Opfern des NS-Regimes gilt seit 2005 der von den Vereinten Nationen eingeführte 27. Januar als „Internationaler Tag des Gedenkens an den Holocaust“. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg und der Förderkreis Synagoge in Vöhl laden in diesem Jahr gemeinsam für Sonntag, 27. Januar, ab 16 Uhr in Vöhl zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung ein.

Es vergingen fast vier Jahrzehnte nach der Zerschlagung des Nazi-Systems, bis mit der Aufarbeitung der Holocaust-Schicksale auch im Frankenberger Land begonnen wurde. Die Stadt Frankenberg beispielsweise tat sich schwer daran, bis sie 1988 in der Rathausschirn erstmals eine Gedenktafel an ihre NS-Opfer aufhängen ließ - noch ohne alle ihre Namen zu kennen.

Erst 2011 konnte Stadtarchivar Dr. Horst Hecker ein 600-seitiges Werk mit allen jüdischen Familiengeschichten aus Frankenberg vorlegen. Die alte Synagoge in Vöhl, getragen von einem 1999 gegründeten Förderverein, wurde mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen zu einem Zentrum der Gedenkkultur. In Frankenberg erinnern seit Beginn ihrer Verlegung 2006 durch den Künstler Gunter Demnig insgesamt 38 „Stolpersteine“ an jüdische Frankenberger Bürger, viele mit dem Zusatz „ermordet in Auschwitz“.

Einige Beispiele: Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes Josef Kaiser in Mauthausen wurde 1944 auch Mary Kaiser vom Untermarkt 8 in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. In dieser NS-Todesfabrik kamen auch aus dem Haus Obermarkt 5 die drei Schwestern Johanna Bachenheimer, Flora Skapowker und Sophie Katz um.

Nur weil er als Zwangsarbeiter nach Oranienburg verschleppt wurde, überlebte der Sinti Robert Ebender das Todeslager. Als 17-Jähriger war er in das so genannte „Zigeunerlager“ Birkenau deportiert worden, wo die NS-Verbrecher alle seine vier Brüder umbrachten. Vergeblich hatte er noch einen Bruder zu retten versucht. Robert „Zweigeli“ Ebender starb 2003 in Frankenberg.

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