Verfolgungswahn

Hütte angezündet: Gericht weist 23-Jährigen Mann in die Psychiatrie ein

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Gericht (Symbolbild)

Weil er im Verfolgungswahn eine Gartenhütte angezündet hat, muss ein 23-Jähriger aus dem Frankenberger Land für unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie.

Frankenberger Land - Das Marburger Landgericht ist der Auffassung, dass weiterhin von ihm eine Gefahr ausgeht und ordnete daher die Unterbringung an.

Am ersten Tag hatte der Mann alle Vorwürfe gestanden. Demnach glaubte er, die Familie seiner Mutter wolle ihn verschwinden lassen, weshalb er sich am 2. Februar zum Grundstück seiner Tante und seines Onkels begab und dort mit Benzin das Gartenhaus entzündete.

Die Flammen griffen auch auf eine benachbarte Hütte über. Zeugen hatten berichtet, dass mehrere Wohnhäuser ebenfalls stark gefährdet waren.

Staatsanwältin Kathrin Ortmüller war von Anfang an aufgrund einer psychischen Erkrankung von Schuldunfähigkeit ausgegangen. Der Psychiatrische Sachverständige, Sven Krimmer, bescheinigte dem Beschuldigten eine paranoide Schizophrenie. Unbehandelt höre er Stimmen und fühle sich verfolgt.

Der Mann selbst hatte angegeben, viele Jahre große Mengen Cannabis konsumiert, aber vier Monate vor der Tat damit aufgehört zu haben, worauf die Wahnvorstellungen angefangen hätten. Das sei absolut glaubwürdig, sagte der Psychiater. Die Droge unterdrücke die vorhandene Schizophrenie, zugleich – und das sei das Gefährliche – forciere sie oft die Krankheit.

Seit Mai ist der 23-Jährige in Haina bereits vorläufig untergebracht. Heute, so Krimmer sei er unter Medikamenten bereits symptomfrei. Trotzdem habe die Familie Recht, wenn sie betont habe, dass ein halbes Jahr noch zu wenig sei.

„Er ist kein dissozialer Mensch, aber wenn er wieder krank wird, wird er sehr gefährlich.“ Straftaten seien dann auf jeden Fall zu erwarten. Er glaube jedoch, so Krimmer abschließend, dass der Mann durchaus bei entsprechender weiterer engmaschiger Betreuung bereits in einem Jahr aus der Psychiatrie entlassen werden könne. „Er kann dann, auch wenn er ein Leben lang Medikamente einnehmen muss, möglicherweise wieder ein ganz normales Leben führen“.

„Die Kammer kann sich damit noch nicht anfreunden“, begründete Richter Marco Herzog die Ablehnung der von Verteidiger Robert Ingenbleek angeregten Aussetzung der Unterbringung zur Bewährung. Man sei der Meinung, „dass die bisherigen Erfolge nicht aufs Spiel gesetzt werden sollen.“ Er sei aber guter Hoffnung, dass es nicht sehr lange dauere, bis über eine Bewährung gesprochen werden könne. Dem Beschuldigten riet er, das Urteil anzunehmen, dann könne es rechtskräftig werden. Die Klinik könne dann „bald Lockerungen erproben“.

Der 23-Jährige folgte diesem Rat, auch die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Rechtsmittel. „Wir haben hier wieder einen typischen Fall, der einen Zusammenhang von Cannabis und Schizophrenie herstellt“, bilanzierte Richter Herzog. „Dass das nicht selten ist, wird in der Diskussion um die Legalisierung in der Öffentlichkeit zu wenig beachtet.“  kse

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