Corona nur ein Grund

Immer mehr illegale Müllablagerungen in der Natur in Waldeck-Frankenberg

Im Wald abgeladen: Viermündens Ortsvorsteher Matthias Armand ärgert sich über die illegale Müllentsorgung auf dem Hermannsberg. Der Ortsvorsteher steht vor abgeladenem Bauschutt.
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Im Wald abgeladen: Viermündens Ortsvorsteher Matthias Armand ärgert sich über die illegale Müllentsorgung auf dem Hermannsberg.

Wilde Müllablagerungen in Wald und Feld im Landkreis Waldeck-Frankenberg sind vielen ein Ärgernis und haben anscheinend zugenommen. Das könnte mit Corona zu tun haben.

Waldeck-Frankenberg – In den vergangenen Wochen haben Kommunen, Polizei und Bürger auffallend oft von Müll und Unrat berichtet, der illegal im Wald oder in der Landschaft in Waldeck-Frankenberg entsorgt wurde. Auch bei einigen Sammelaktionen, über die wir berichtet haben, sind zuletzt beachtliche Mengen an Müll zusammengekommen. Corona könnte ein Grund dafür sein.

„Seit den Corona-Beschränkungen durch mehr Essen außer Haus und mehr Freizeitaktivitäten in der Landschaft ist die Müllflut deutlich gestiegen“, berichtet Frank Seumer von der Naturschutzjugend Frankenberg. Vor allem Plastikverpackungen, Getränkedosen, Flaschen und Zigarettenkippen würden oft achtlos weggeworfen. „Besonders gefährlich für Tiere sind Plastikseile und Schnüre“, sagt Seumer.

Auch Förster müssen immer wieder Müll im Wald aufsammeln. „Es ist erstaunlich, welche Mühen manche auf sich nehmen, um den Müll in den Wald zu fahren“, sagt der Rodenbacher Förster Volker Debes. Dabei sei es doch einfacher, meist kostenlos oder zumindest kostengünstig, sich des Mülls auf legale Weise zu entledigen.

Dass mehr Müll illegal entsorgt werde, könnte laut Matthias Armand, Ortsvorsteher von Frankenberg-Viermünden, aber auch an den Bedingungen in der Mülldeponie des Landkreises bei Geismar liegen: „Die Bürger beschweren sich bei mir immer wieder über lange Wartezeiten“, berichtet er. Auch ein zuweilen „rüder“ Umgangston auf der Anlage werde immer wieder beklagt. „Ich glaube, es scheuen sich viele, dorthin zu fahren“, sagt Armand. Er könne sich vorstellen, dass einige auch deswegen ihren Unrat einfach in der Landschaft entsorgen.

Auch einige Leser hatten gegenüber der HNA ähnliche Kritik geäußert. Auf unsere Nachfrage hat sich der Landkreis nicht konkret dazu geäußert. Pressereferentin Ann-Katrin Heimbuchner verweist auf die Homepage des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft abfallw-wa-fkb.de und das Servicetelefon 06451/743746. „Dadurch können Fragen bereits vorab geklärt werden, damit bei der Abfallannahme Probleme vermieden werden können“, sagt Heimbuchner.

Die Müllanlagen in Geismar, Wildungen und Flechtdorf seien mit bis zu 15 000 privaten Kleinanlieferungen im Jahr sehr stark ausgelastet, teilt der Kreis mit. Grundsätzlich seien die Städte/Gemeinden Ansprechpartner für die Entsorgung privater Haushaltsabfälle; über die Anlagen des Kreises sei dies ergänzend gebührenpflichtig möglich. Wegen des Gefahren- und in der Pandemie des Infektionsschutzes müssten Anlieferer Schutzkleidung tragen und die Corona-Regeln einhalten. 

„Müllkippe im Wald: Das ist eine Schweinerei“

Viermündens Ortsvorsteher Matthias Armand hatte erst kürzlich in der konstituierenden Ortsbeiratssitzung über eine illegale Müllkippe in Viermünden informiert. Jetzt wurde ihm schon wieder ein Vorfall gemeldet: In der Gemarkung Hinter dem Hermannsberg, nahe der Kellerruine, sind in einem Waldstück Holzlatten, Paneele und weiterer Unrat entsorgt worden. Zum Teil ragen Nägel aus den Brettern. Auch Grasschnitt war dabei.

„Das ist eine Schweinerei“, sagt der Viermündener Ortsvorsteher erbost. „Wenn das jeder machen würde.“ Er vermutet, dass jemand renoviert und den anfallenden Hausrat kurzerhand in den Wald geschmissen hat.

„Das hier sieht aus wie Parkett“, sagt Armand, als er ein Teil näher betrachtet. Auch ein Stück eines Messinggeländers befindet sich in dem Haufen. Hinweise auf einen möglichen Verursacher findet der Ortsvorsteher nicht. Gemeldet worden sei ihm der Fund von Ortsbeiratsmitglied Dr. Mike Schwarz, der beim Joggen darauf aufmerksam geworden sei, berichtet Matthias Armand. Mike Schwarz habe sich spontan bereit erklärt, den Unrat zusammen mit Rene Eigenbrodt – beide sind Mitglied im Heimat- und Kulturverein Viermünden – aufzusammeln und beim Betriebshof der Stadt abzuliefern, damit er fachmännisch entsorgt werde. „Dafür bin ich sehr dankbar“, betont Matthias Armand, der sich über die „unbürokratische Hilfe“ freut. „Es sollte aber nicht zum Dauerzustand werden, dass Mitglieder des Heimat- und Kulturvereins den Dreck anderer Leute wegräumen.“

Die illegale Müllentsorgung habe in den vergangenen Monaten generell zugenommen, sagt Armand gegenüber der HNA. Seiner Ansicht nach liegt das auch an den Bedingungen in der Müllentsorgungsanlage bei Geismar. Als Ortsvorsteher werde er häufig darauf angesprochen, dass man dort oft lange warten müsse und sehr unfreundlich behandelt werde.

Laut Frankenbergs Pressesprecher Florian Held wird auch im Stadtgebiet immer wieder wild – und damit illegal – abgeladener Müll entdeckt. Eine Häufung in letzter Zeit könne er aber nicht pauschal bestätigen. „Ausnahme war der Zeitraum, in dem die Müllumladestation des Landkreises in Geismar geschlossen war. In dieser Zeit haben Leute vermehrt speziell Grünschnitt einfach in der Natur abgeladen, das hat sich aber wieder reguliert“, sagt Florian Held. Wer Müll illegal entsorgt, begehe grundsätzlich eine Ordnungswidrigkeit, betont der Pressesprecher. Bei gefährlichen Stoffen, wie Lacke, Säuren oder teerhaltigem Bauschutt, sei es sogar eine Straftat. „Entsprechend wird für die Verursacher auch ein Verwarnungs- bzw. Bußgeld fällig, das die Stadt entsprechend der Schwere der Tat selbst festlegt.“ Von Susanna Battefeld

Stadt Frankenberg holt Sperrmüll ab

Frankenberger Bürger können bei der Stadt einfach die kostenfreie Abholung von Sperrmüll beantragen. Der Antrag kann entweder online über die Webseite (frankenberg.de/sperrmuellkarte.html) gestellt werden oder in Papierform. Der jeweilige Termin wird dem Antragstellenden kommuniziert, der Sperrmüll wird dann zum vereinbarten Termin vom Grundstück abgeholt.

In einigen anderen Städten und Gemeinden zahlt man eine Gebühr für die Abholung von Sperrmüll, in Battenberg zum Beispiel 15 Euro für 2,5 Kubikmeter und 30 Euro für 5 Kubikmeter.

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