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In Waldeck-Frankenberg fehlt es an Psychiatern

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Von: Martina Biedenbach

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Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und stützt ihren Kopf auf ihre Hände.
Symbolbild: Stress und Überlastung im Job können Gift für die psychische Gesundheit sein. © Rainer Berg/IMAGO

Es wird in Zukunft noch schwieriger werden, einen Termin bei einem niedergelassenen Psychiater in Waldeck-Frankenberg zu bekommen: Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Carsten Weber-Isele, schließt seine Praxis in Frankenberg Ende des Jahres.

Waldeck-Frankenberg – Seit über einem Jahr sucht Dr. Carsten Weber-Isele vergebens nach einem Nachfolger. Weber-Isele betreut rund 1000 Patienten pro Quartal und fünf Altenheime im Landkreis. Bisher schon fehlen laut Kassenärztlicher Vereinigung eineinhalb Facharztstellen im Landkreis.

„Mit der Praxisaufgabe wird die Versorgungslücke noch größer“, sagt Ronni Vöhl-Homberger vom Kreisverband der Treffpunkte, der Menschen in seelischen Notlagen und mit psychischen Erkrankungen unterstützt. „Der Bedarf an psychiatrischer und psychotherapeutischer Versorgung erhöht sich fortlaufend und immens. Insbesondere Klienten in unseren psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen, die erstmalig auf psychiatrisch fachärztliche Hilfe angewiesen sind, berichteten über Wartezeiten von acht Monaten und mehr bei Fachärzten und Psychotherapeuten, bis hin zu Aufnahmestopps und Absagen bei Neuanfragen.“

Dr. Carsten Weber-Isele Facharzt für Psychiatrie
Dr. Carsten Weber-Isele Facharzt für Psychiatrie © Biedenbach, Martina

Die im Frühjahr 2022 am Kreiskrankenhaus in Frankenberg eröffnete Ambulanz der Hainaer Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie kann die entstehende Lücke nur bedingt auffangen. „Das ist eine schwierige Aufgabe, die wir gerne annehmen würden, wenn wir mehr Fachärzte hätten. Momentan werden wir leider nur einen Teil kompensieren können“, sagt der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Florian Metzger und ergänzt: „Wir sehen seit Jahren eine Zunahme der Inanspruchnahme unserer ambulanten Klinikleistungen, auch die stationsäquivalenten und teilstationären Angebote sind zunehmend nachgefragt, während die Nachfrage nach stationärer Behandlung in etwa gleichgeblieben ist.“

„Für Altenheim unabdingbar“

„Für ein Altenheim ist ein Psychiater unabdingbar“, ist Sabine Patounis, Leiterin des DRK-Seniorenheims Frankenberg, besorgt. Circa 60 Prozent von Altenheim-Bewohner zeigten eine Altersdepression, viele seien an Demenz erkrankt. Am Freitag wurde bekannt, dass eine Ärztin von Vitos Haina die Altenheime übernehme.

Die heimische Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer prangert die mangelnde Versorgung von Psychiatriepatienten in Hessen an und fordert das Land zu Verbesserungen auf.

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